großmütigen Gelassenheit ? Vertrauen ? Was wußte er denn von dieser Frau ? Er wußte nur , daß gegen den Gedanken sie zu verlieren sich jeder Tropfen seines Blutes sträubte . Er war ja keine bucklige Exzellenz , um abgeklärt und skeptisch zu sein . Aber das war es , diese Eifersucht schmerzte ihn wie eine Schande , sie demütigte ihn , zerbrach den Stolz und die Selbständigkeit , ohne die er nicht leben zu können meinte . Nein , das mußte anders werden , sonst war es aus mit ihm , sonst war er sein ganzes Leben hindurch nichts weiter mehr , als der Herr , der die Gräfin Köhne entführt hat und sie nun bewacht . » Ich sehe immer noch nichts « , hörte er eine klagende Stimme neben sich . Die Frau des Fischers Steege stand neben ihm und schaute mit müden Augen in das Flimmern des Meeres . Weiter fort aber auf der Düne erschienen Frauengestalten , das weiße Piquékleid der Generalin wehte im Winde , Fräulein Bork war dort und die Baronin Buttlär . Sie hielten sich Operngläser vor die Augen und schauten auf das Meer , dem weißen Segel nach , das lustig in das Mittagglitzern der Sonne hinausglitt . Dort aber bei dem weißen Segel saß Hilmar Doralice gegenüber und schaute sie an . Doralice war ernst , sie hatte die unklare Empfindung , als sei sie von Hans gekränkt worden ; als sei es treulos von ihm , daß er sie so ruhig fahren ließ . Aber Hilmars Gesicht lachte ein so glückliches , so ausgelassenes Lachen , das Lachen eines Knaben , der der Schule entlaufen ist , um sich einen unerlaubten Feiertag zu machen , so daß sie mitlachen mußte und plötzlich auch die ausgelassene Ferienlustigkeit in sich aufsteigen fühlte . Und der junge Stibbe , der an der andern Seite des Bootes saß , um das Segel zu bedienen , verzog auch sein braunes mit weißblondem Flaum bedecktes Gesicht zu einem breiten Lachen . » Sehen Sie « , sagte Hilmar , » wenn Sie nicht gefahren wären , wenn Sie nicht hier säßen , ich weiß nicht , was ich getan hätte . Aber ich wußte , es muß geschehen . « » Gut , gut , ich sitze ja hier « , antwortete Doralice , » aber sprechen Sie jetzt nicht solche - - solche heiße Sachen . « » O nein ! Gewiß nicht « , rief Hilmar begeistert , » es ist auch gar nicht nötig , es ist gar nichts mehr zu sagen . Sie sitzen da , Worte können da nicht mehr heran . Gespräche haben überhaupt für mich in letzter Zeit etwas Fatales . Miteinander sprechen , das kann jeder , miteinander sein , das ist die Kunst . Also , wenn Sie vielleicht müde sind , hier ist eine Decke , hier ist ein Polster , Sie können ein wenig schlafen . Es würde doch die unterhaltendste Stunde meines Lebens sein . Sie wollen nicht ? Nun , legen Sie sich dieses Polster in den Rücken und dieses hier unter die Füße , so - nun wäre nichts mehr zu bemerken , außer vielleicht , daß Sie noch ein wenig zufriedener aussehen könnten . Haben Sie bemerkt , wenn ein Kind etwas ganz Süßes ißt , dann wird es ernst und die Augen werden groß und füllen sich etwas mit Tränen . So sollten Sie aussehen . « » Ach , « meinte Doralice ungeduldig , » wollen Sie mir auch sagen , wie ich bin ? « » Nein , nein « , versicherte Hilmar , » ich meine nur , in Ihren Augen ist noch ein ganz klein wenig von dem Blick von gestern abend zurückgeblieben . « » Was ist das für ein Blick ? « fragte Doralice . - » Nun , als Sie gestern abend bei der Lampe auf Ihrem Sessel saßen und vor sich hinsahen « , erklärte Hilmar . » Ja , ich habe durch Ihr Fenster zu Ihnen hineingeschaut ; ich tue das immer , natürlich , was soll ich anderes tun ? Sie finden das unerhört . Es ist vielleicht unerhört , aber ich würde noch viel unerhörtere Dinge tun . Sind Sie böse ? « » Ach ja « , sagte Doralice langsam und träge , » gewiß bin ich böse , aber später , nicht jetzt . « - » Gut , später « , schloß Hilmar die Unterhaltung . » Rauchen wir eine Zigarette . « Die Sonne schien heiß auf das Meer nieder , ihr gelber Glanz floß wie Öl an den Wellen herab , Möwen flogen ganz niedrig und langsam über das Wasser und wie leichtes Flügelschlagen klang das Segel in dem schwächer werdenden Winde . Als die Fahrt zu Ende war , als Doralice und Hilmar am Strande niedergeschlagen einander gegenüberstanden , reichte Doralice Hilmar die Hand und sagte : » Danke . « Hilmar zog die Augenbrauen zusammen . » Das Land « , versetzte er grimmig , » das Land ist eine Gemeinheit . « Dann trennten sie sich . Doralice ging lässig und zögernd nach Hause . Der Gedanke an das Mittagessen , an den Dampf der großen Kartoffeln , an Agnes ' strengen , wachsamen Blick und etwas anderes noch kam unerwartet , um sie zu quälen , ein Gefühl des Mitleids für Hans . Sie war die ganze Zeit über so weit fort von ihm gewesen , mit keinem Gedanken war sie zu ihm zurückgekehrt . Nun , wenn sie ihn jetzt zu Hause traurig oder böse oder unangenehm finden würde , so wollte sie liebenswürdig sein und diese gute Regung tat ihr wohl . Zwölftes Kapitel Hans saß am gedeckten Mittagstisch und las . Als Doralice eintrat , schaute er auf und sagte mit seiner gewöhnlichen ruhigen Stimme : » Nun , hast du dich gut unterhalten ? « - » Ja , sehr gut ! « erwiderte sie