Haus will ich sehen « , sagte ich stolz . Sie begriff nicht . » Das große Haus draußen an der Treppe . « » Schaf « , machte sie und haschte nach mir , » da ist doch gar kein Haus mehr . « Ich bestand darauf . » Wir gehen einmal bei Tage hin « , schlug sie einlenkend vor , » jetzt kann man da nicht herumkriechen . Es sind Löcher da , und gleich dahinter sind Papas Fischteiche , die nicht zufrieren dürfen . Da fällst du hinein und wirst ein Fisch . « Damit schob sie mich vor sich her wieder in die hellen Stuben . Da saßen sie alle und sprachen , und ich sah sie mir der Reihe nach an : die gehen natürlich nur hin , wenn es nicht da ist , dachte ich verächtlich ; wenn Maman und ich hier wohnten , so wäre es immer da . Maman sah zerstreut aus , während alle zugleich redeten . Sie dachte gewiß an das Haus . Zoë setzte sich zu mir und stellte mir Fragen . Sie hatte ein gutgeordnetes Gesicht , in dem sich das Einsehen von Zeit zu Zeit erneute , als sähe sie beständig etwas ein . Mein Vater saß etwas nach rechts geneigt und hörte der Marchesin zu , die lachte . Graf Schulin stand zwischen Maman und seiner Frau und erzählte etwas . Aber die Gräfin unterbrach ihn , sah ich , mitten im Satze . » Nein , Kind , das bildest du dir ein « , sagte der Graf gutmütig , aber er hatte auf einmal dasselbe beunruhigte Gesicht , das er vorstreckte über den beiden Damen . Die Gräfin war von ihrer sogenannten Einbildung nicht abzubringen . Sie sah ganz angestrengt aus , wie jemand , der nicht gestört sein will . Sie machte kleine , abwinkende Bewegungen mit ihren weichen Ringhänden , jemand sagte » sst « , und es wurde plötzlich ganz still . Hinter den Menschen drängten sich die großen Gegenstände aus dem alten Hause , viel zu nah . Das schwere Familiensilber glänzte und wölbte sich , als sähe man es durch Vergrößerungsgläser . Mein Vater sah sich befremdet um . » Mama riecht « , sagte Wjera Schulin hinter ihm , » da müssen wir immer alle still sein , sie riecht mit den Ohren « , dabei aber stand sie selbst mit hochgezogenen Augenbrauen da , aufmerksam und ganz Nase . Die Schulins waren in dieser Beziehung ein bißchen eigen seit dem Brande . In den engen , überheizten Stuben kam jeden Augenblick ein Geruch auf , und dann untersuchte man ihn , und jeder gab seine Meinung ab . Zoë machte sich am Ofen zu tun , sachlich und gewissenhaft , der Graf ging umher und stand ein wenig in jeder Ecke und wartete ; » hier ist es nicht « , sagte er dann . Die Gräfin war aufgestanden und wußte nicht , wo sie suchen sollte . Mein Vater drehte sich langsam um sich selbst , als hätte er den Geruch hinter sich . Die Marchesin , die sofort angenommen hatte , daß es ein garstiger Geruch sei , hielt ihr Taschentuch vor und sah von einem zum andern , ob es vorüber wäre . » Hier , hier « , rief Wjera von Zeit zu Zeit , als hätte sie ihn . Und um jedes Wort herum war es merkwürdig still . Was mich angeht , so hatte ich fleißig mitgerochen . Aber auf einmal ( war es die Hitze in den Zimmern oder das viele nahe Licht ) überfiel mich zum erstenmal in meinem Leben etwas wie Gespensterfurcht . Es wurde mir klar , daß alle die deutlichen großen Menschen , die eben noch gesprochen und gelacht hatten , gebückt herumgingen und sich mit etwas Unsichtbarem beschäftigten ; daß sie zugaben , daß da etwas war , was sie nicht sahen . Und es war schrecklich , daß es stärker war als sie alle . Meine Angst steigerte sich . Mir war , als könnte das , was sie suchten , plötzlich aus mir ausbrechen wie ein Ausschlag ; und dann würden sie es sehen und nach mir zeigen . Ganz verzweifelt sah ich nach Maman hinüber . Sie saß eigentümlich gerade da , mir kam vor , daß sie auf mich wartete . Kaum war ich bei ihr und fühlte , daß sie innen zitterte , so wußte ich , daß das Haus jetzt erst wieder verging . » Malte , Feigling « , lachte es irgendwo . Es war Wjeras Stimme . Aber wir ließen einander nicht los und ertrugen es zusammen ; und wir blieben so , Maman und ich , bis das Haus wieder ganz vergangen war . Am reichsten an beinah unfaßbaren Erfahrungen waren aber doch die Geburtstage . Man wußte ja schon , daß das Leben sich darin gefiel , keine Unterschiede zu machen ; aber zu diesem Tage stand man mit einem Recht auf Freude auf , an dem nicht zu zweifeln war . Wahrscheinlich war das Gefühl dieses Rechts ganz früh in einem ausgebildet worden , zu der Zeit , da man nach allem greift und rein alles bekommt und da man die Dinge , die man gerade festhält , mit unbeirrbarer Einbildungskraft zu der grundfarbigen Intensität des gerade herrschenden Verlangens steigert . Dann aber kommen auf einmal jene merkwürdigen Geburtstage , da man , im Bewußtsein dieses Rechtes völlig befestigt , die anderen unsicher werden sieht . Man möchte wohl noch wie früher angekleidet werden und dann alles Weitere entgegennehmen . Aber kaum ist man wach , so ruft jemand draußen , die Torte sei noch nicht da ; oder man hört , daß etwas zerbricht , während nebenan der Geschenktisch geordnet wird ; oder es kommt jemand herein und läßt die Türe offen , und man sieht alles , ehe man es hätte sehen dürfen . Das ist der Augenblick , wo etwas