Gelegenheit , die rechte Zutat zu holen , Kartoffeln , die auf den Fuhrwerken daneben lagen . Es war ein dichtes Gedränge auf dem Markte . Das Summen vieler Stimmen drang herauf ; zwischenhinein lautes Quieken und Schreien , wenn ein Bauer von seinen Spanferkeln eines herausholte und lieblos am Ringelschwanze in die Höhe hielt . » Na also , « dachte Otteneder , » das Geschäft geht ja ! Trotz des Gejammers und der ewigen Unzufriedenheit . « Er sah zum Sternbräu hinüber . Da standen so ein paar Schreihälse . Der Schuster Prantl natürlich , und der geweste defensor ecclesiae , der Buchdrucker Adolf Schüchel . Was sie zu tuscheln hatten mit den Bauern ? Das steckte die Köpfe zusammen ! Das war ein Eifer , ein Reden , ein Gebärdenspiel ! Und eigentlich war es frech , wie diese Schwarmgeister ihr Unwesen trieben . Auf freiem Marktplatze ; unter den Augen der Behörde . Der Bezirksamtmann setzte sich an den Schreibtisch . Er griff nach dem Aktenhefte , welches vor ihm lag . In schöner Rundschrift stand auf dem blauen Deckel : » Betreff Gemeindewahlen in Erlbach . « Otteneder öffnete ihn . Dann zündete er eine Zigarre an und blies den Rauch in die Luft . Und nun war er bereit . Also erstens das Wahlprotokoll . Als beauftragter Kommissär anwesend der königliche Bezirksamtsassessor Max Hartwig . Ergebnis der Wahlen : Bürgermeister Andreas Vöst , Beigeordneter Kloiber , und so weiter . Folium zwei . Gesuch des Pfarrers Baustätter , es wolle der Wahl des Bürgermeisters die Bestätigung versagt werden . Otteneder zog stärker an seiner Zigarre und las einige Sätze vor sich hin . » An der Spitze einer katholischen Gemeinde ... unmöglich ein solcher Mann stehen . ... schweigend zu dulden , nicht vereinbar mit den Pflichten des Seelsorgers . « Er sah nach dem Datum . Erlbach , den 19. November . » Die Wahl war am 18. Teufel , das hat pressiert ! « Folium drei . Wiederholte dringende Vorstellung des Pfarrers Baustätter gegen die Bestätigung des Andreas Vöst . Datum vom 21. November . » Ich muß ganz ergebenst eine äußerst wichtige Mitteilung machen , daß nämlich in den Unterlassenen Papieren meines verstorbenen Amstsvorgängers sich eine dringende Warnung vorfindet , ... « et cetera . Folium vier . Protokoll des königlichen Bezirksamtes Nußbach , den 24. November . Erscheint der Pfarrer Jakob Baustätter und gibt an , was folgt . Meine Pflicht als Seelsorger ... und so weiter . Übergibt gleichzeitig eine Urkunde , Niederschrift des verstorbenen Pfarrers Maurus Held , und bittet um Rückgabe . Folium fünf . Abschrift der von usw. Baustätter übergebenen Urkunde . Das Original auf Wunsch zurückgegeben . » Erlbach , am 16. Juni 1889 . Heute war zum zweiten Male der Austragsbauer Johann Vöst bei mir und klagte bitterlich über die Mißhandlungen , welche er von seinem Sohne erdulden mußte . Er zeigte mir die abschreckenden Spuren derselben . « Otteneder las diese Beschuldigung mit Aufmerksamkeit und schüttelte den Kopf . » Klingt eigentlich sonderbar , « sagte er . » Warum schreibt der Mann das auf ? Wenn es die Leute wußten , war es überflüssig . Wußte es niemand , dann konnte der Pfarrer nur zufrieden sein , daß die Sache wenigstens kein Ärgernis erregte . « Folium sechs . Ergebene Mitteilung des Pfarrers Jakob Baustätter , daß sich in der Gemeinde ernsthafte Stimmen gegen die Wahl erheben . De dato 28. November . Folium sieben . Dringende Beschwerden , nachträglich erhoben von Erlbacher Gemeindebürgern gegen die Person des Andreas Vöst . » Ein hohes Bezirksamt möge die Wahl ungültig erklären , indem die Betreffenden keine Kenntnis hatten , daß etwas vorliegt . Die gehorsamst Unterfertigten sind im christkatholischen Glauben erzogen und sehen mit Furcht und Schrecken , daß ein öffentlicher Feind der Kirche an der Spitze steht . « - » Hm ! Der Satz kommt aus dem Pfarrhof . « - » Die Unterfertigten bitten dringend , daß nicht Streit und Haß in die Gemeinde kommt , indem bereits der Andreas Vöst die gläubigen Christen am Halse würgt und bedroht und es jedenfalls noch viel ärger wird . « Folgen die Unterschriften : Sebastian Stollreiter , Hieranglbauer . Jakob Ertl . Lorenz Deindl . Kaspar Umbricht , Heißbauer . Martin Salvermoser . Georg Fent . Johann Geitner . Lorenz Amesreiter . » Acht Leute . Das muß dem Herrn Baustätter Arbeit gekostet haben ! « Noch etwas ? Bescheinigung des Beigeordneten Kloiber . In der Angelegenheit usw. Sühneversuch abgehalten . Im Verlauf desselben geriet der Bürgermeister Vöst so in Wut , daß er den Hieranglbauern Sebastian Stollreiter angriff und mißhandelte . » Hm ! Endlich etwas Positives ! Wenn die Sache so weit gediehen ist , daß es zu Tätlichkeiten kommt ! « Otteneder trat wieder ans Fenster . Da unten stand noch immer der Schuhmacher Prantl ; er hielt die geballte Faust an die Stirne . Offenbar wollte er recht überzeugend wirken . Und der Bezirksamtmann sagte vor sich hin : » Es schadet nicht , wenn die Leute den Zügel spüren . Ich werde die Bestätigung versagen . « Elftes Kapitel Sylvester Mang war ein stiller und bescheidener Mensch . Er fügte sich in den Willen derer , welche ein Recht auf seinen Gehorsam hatten , und dachte nicht viel über seine eigenen Wünsche nach . Er hatte sich nicht gefragt , ob ihm der geistliche Beruf zusage . Er wußte es nicht anders , als daß er Theologie studieren müsse . So war es bestimmt von Anfang an ; von der Stunde an , in welcher die alte Veronika Mang ihrem Schwager , dem reichen Spanninger von Pasenbach , in die Hand versprach , es solle der kleine Sylvester auf das geistliche Fach studieren und dereinst die Messe lesen zu Ehren Gottes . Sylvester erinnerte sich oft an jenen Tag . Wie die Mutter so stolz war und geschwind aus der Stube lief , daß sie es gleich