, ein grauer Dunst war in der Luft , und häßliche Farbentöne hatte alles , schmutzige und stumpfe ; nichts Leuchtendes war da , welches das Herz leicht macht . Er wunderte sich , daß das Studentenleben so aussah ; ganz anders hatte er es sich vorgestellt . Seine Stube war ein langer und schmaler Raum , der eine Form hatte wie ein Handtuch ; oben am Fenster stand der Schreibtisch mit einem Stuhl davor , dann kam ein Sofa mit einem Sofatisch , dann das Bett , endlich der Waschtisch ; und bildeten diese Möbel eine Reihe , so daß man sich an ihnen allen vorbeidrücken mußte , wenn man zum Schreibtisch gehen wollte . Auf dem Waschtisch hatte er seine neue Spiritusmaschine aufzustellen gedacht ; denn das hatte er sich so schön ausgemalt , wie er sich den Kaffee nachmittags selber kochen werde , und dabei wollte er dann fleißig studieren ; aber die Wirtin sagte , das könne sie nicht erlauben , weil es ihre guten Möbel ruinieren werde , und er solle den Kaffee bei ihr in der Küche bereiten . So ging er jetzt mit der Kaffeemaschine , der Mühle und dem andern Gerät in der Wirtin Küche , und hatten die Leute nur die beiden Räume , also die vermietete Stube und die Küche , in der sie kochten , wohnten und schliefen , nämlich eine sehr dicke und schmutzige Frau , ein finsterer Mann , über den die Frau meistens schimpfte , eine Tochter von achtzehn und einen Sohn von zwölf Jahren . Hans fand die Frau allein vor , die ihm seine Sachen abnahm und sagte , sie wolle ihm den Kaffee schon bereiten , und obzwar ihm die Leute widerstrebten , ohne daß er freilich den Grund recht wußte , so tat doch diese Freundlichkeit seinem einsamen und bedrückten Gemüt wohl , daß er in dem Augenblick eine Zuneigung zu der dicken Frau faßte und sich nach ihrer Einladung auf den Stuhl setzte , den sie vorher mit der Schürze abgewischt . Die Frau begann gleich zu klagen , daß ihr Mann oft keine Arbeit habe und alles vertrinke , und daß die Ferien über das Zimmer leer stehe , und seien die Studenten meistens unsolide und meinten , die Stube sei ungeniert , aber was wolle sie machen , sie sei eine arme Frau ; und nachdem sie sich die Augen mit der schmutzigen Schürze gewischt , fuhr sie fort , daß ihre Tochter ihr auch Sorge mache , die sei hinter den Herren her , mit der werde es noch einmal ein schlimmes Ende nehmen , aber sie könne es nicht halten . Wie sie noch so im Klagen war , kam die Tochter nach Hause und trug einen neuen Hut und fragte ihre Mutter , wie der ihr stehe ; die schlug die Hände zusammen und jammerte über den Hut , da antwortete das Mädchen , den habe sie geschenkt bekommen von einem Herrn , und was sie treibe , das gehe die Mutter gar nichts an . Darauf zog die Frau Hansen in den beginnenden Streit und fragte ihn , ob wohl eine Tochter so antworten dürfe , das Mädchen ließ ihn aber gar nicht zu Worte kommen , sondern sagte , sie wolle essen , und schalt darüber , daß so weniges im Eßschrank lag . Inzwischen war der Kaffee fertig geworden , daß Hans gehen konnte ; er hörte aber noch eine höhnische Bemerkung der Tochter , die auf ihn zielte , die verstand er zwar nicht , indessen machte sie ihn verlegen , und er wußte nicht recht , wie er sich benehmen solle , wenn er wieder in die Küche gehen mußte ; durch die Tür drangen dann noch Worte der Mutter zu ihm , die eine Zustimmung zu den Reden der Tochter zu enthalten schienen . Da fühlte er sich wieder recht elend und unglücklich , und mit Sehnsucht dachte er an seine Heimat und an den Wald , und selbst sein Dachkämmerchen auf dem Löwenhof war ihm jetzt vertraulich in der Erinnerung , wiewohl er nie ein heimliches Gefühl darin gehabt , sondern es immer nur als bloße Unterkunft betrachtet hatte . Denn alles erschien ihm namenlos scheußlich , weil er sich auch eine Studentenbude immer ganz anders gedacht hatte , nämlich als ein Mansardenstübchen , niedrig und klein , aber von quadratischem Grundriß , mit einem alten ledernen Sofa und einem kleinen eisernen Ofen , in dem ein lustiges Feuer brannte , und mit einem großen Bücherbrett voller Bücher . Nach dem Plane , den er sich von seiner Tagesarbeit gemacht , mußte er nun die gehörten Vorlesungen durcharbeiten . So nahm er das erste Heft vor , das enthielt lauter Literaturangaben über den Gegenstand , und er wußte nicht , was er mit diesen beginnen sollte , dachte , er müsse sie wohl auswendig lernen und schreckte dann zurück vor den vielen fremden Namen , an die sich ihm keine Vorstellung knüpfte ; und bei dem zweiten Heft ging es nicht besser , denn hier hatte der Professor ganz weit hergeholte Dinge als Einleitung behandelt , die mit dem Gegenstand nichts zu tun hatten , und weil Hans nicht genau nachschreiben konnte , sondern hatte Lücken lassen müssen , so wurde er aus dem Ganzen gar nicht klug . Derart stieg seine Betrübnis auf einen solchen Gipfel , daß er gar nichts mehr mit sich anzufangen wußte , und weil er gegen seine Unruhe doch irgend etwas tun wollte , so verließ er seine Stube und ging durch die Straßen . Er wurde bald müde , denn das Gehen auf dem harten Pflaster war ihm ungewohnt , und das Geräusch und die Menge der Manschen strengten ihn an , und wenn er die lange Straße hinuntersah , so erblickte er nur himmelhohe Häuser , Drähte und Steinpflaster , und nirgends ein Fleckchen Erde , wäre es auch nur so groß gewesen wie eine Hand . Nirgends war ein Fleckchen