ergeben , was zu Ihrem Heil beschlossen wird - dann , aber nur dann wird Ihre Mutter Sie wieder als ihr Kind aufnehmen « , so hatte der Hauskaplan heute noch einmal zu ihr gesprochen . - Wie schneidender Hohn kam es ihr vor , daß diese Mutter jetzt da drinnen unter ihren Kindern saß , mit ihrer gewohnten Stimme sprach - hier und da klang ein Wort zu ihr herüber . Und sie stand hier draußen und konnte nicht umkehren . - Aber die ganze Welt schien ihr so weit und leer und tot - wo gehörte sie denn hin , wohin würde sie treiben ? Jetzt standen sie da drinnen auf , Stühle wurden gerückt , die Stimmen gingen durcheinander , dann wurde es dunkel , die Fenster verloschen . Ellen stand immer noch unbeweglich und sah starr darauf hin . Nun ging ein Lichtschein durch die oberen Zimmer und allmählich erlosch auch der . Im Hof schlug der Hund an , als ein paar Menschen vorüberkamen - ihr alter Nero . Langsam zog sie die Hände vom Gitter zurück , sie waren wie angefroren an dem feuchten , kalten Eisen , und schauerte zusammen in der Nachtkühle und der leeren Straßeneinsamkeit . - Tags darauf kam Ellen unerwartet und unangemeldet bei ihrer Freundin Lisa an , und die erschrak beinahe über ihre völlige Teilnahmlosigkeit . Ellen lag tagelang oben in ihrem Zimmer und schlief , sie dachte nicht mehr daran , in ihre Stellung zurückzukehren , oder was sonst geschehen sollte . Wenn Briefe kamen , ließ sie dieselben ungelesen liegen , ihr war , als ob alles in das Grab ihres Vaters und ihrer Heimat versunken wäre . Als Reinhard Laurenz dann hörte , daß sie wieder da war , kam er gleich . Fast mit Gewalt zog er sie mit hinaus in die Sommersonne , auf weite Spaziergänge und brachte sie allmählich wieder zum Erwachen . Immer wieder sprach er ihr von der Zukunft , die so licht und froh für sie werden sollte , daß alle dunklen Schatten weichen mußten . Sie sollte sich wieder auf ihre Jugend und ihre Ziele besinnen , sich auflehnen gegen den Schmerz , ihn abschütteln und nur an den neuen Morgen denken , der vor ihr lag . Und er ließ nicht nach , bis sie wieder froh wurde . Von sich selbst sprach er nicht , aber Ellen wußte seine Liebe wohl , es war nur noch ein leises Zögern in ihr und etwas wie Angst vor jeder innerlichen Erschütterung . An einem Sonntagnachmittag waren sie beide mit Lisa hinausgefahren , um die Rennen anzusehen . Das Menschengewühl unter der brennenden Sonne , der Wein und das aufregende Spiel da drunten auf der weiten Sandfläche , wo die dunklen , schimmernden Tiere dahinrasten , brachte sie in seltsame Stimmung - in eine Art von stürmischer Erwartung , als ob jeden Augenblick etwas hereinbrechen , über alles hinfegen könnte . Auf dem Programmzettel fanden sie heraus , daß eins von den Rennpferden Ellen hieß . Darüber lachten sie mit Lisa und wetteten untereinander ; aber als die Freundin wieder ganz im Zuschauen versunken war und sich weit vorbog , um besser zu folgen , gingen ernste Blicke zwischen den beiden andern hin und her . Reinhard stand hinter Ellens Platz , sie sprachen leise zueinander , fast nur indem sie die Lippen bewegten , und mit den Augen . Er fühlte all das Schwanken in ihr , seit langem schon : » Zu mir kommen , Ellen , zu mir , - wir gehören zusammen . « Dann mußten sie wieder laut sprechen - nun kam das Pferd , das Ellens Namen trug , ins Rennen - und Lisa drehte sich um : » Was flüstert ihr denn ? « » Wir machten eine Privatwette ab , ob Ellen siegen wird . « Lisa versank wieder in aufmerksames Zuschauen , und über die beiden kam plötzlich ein gewitterschwüler Übermut . » Es soll gelten « , sagte Ellen leise . » Sie wissen doch , daß ich abergläubisch bin , wenn Ellen siegt - - « » Dann geben Sie mir die Hand , und wir wollen sehen , was unser Schicksal für Sprünge macht . « » Wer soll Sprünge machen ? « fragte Lisa zerstreut , die zufällig das Wort aufgefangen hatte und etwas in Angst vor Ellens plötzlichen Extravaganzen lebte . Aber dann merkte sie es nicht einmal , daß keine Antwort kam - denn eben war eins von den Pferden in die Knie gestürzt . Die andern lachten und sahen sich verwirrt an , darunter zitterte schwerer Ernst . Ellen hatte ihre Hand auf die Banklehne gelegt und Reinhard behielt sie fest in seiner , während sie jetzt wie gebannt das Rennen verfolgten und das Schicksalspferd ein Hindernis nach dem andern nahm , einen Augenblick zurückblieb , sich bäumte , zauderte und dann wieder allen vorankam . Dann zitterten sie beide , als die » Ellen « Siegerin blieb , eine Welle von murmelnder Aufregung durch die Zuschauer lief und Lisa sich atemlos zurücklehnte . - Und nun folgte eine Zeit , wo sie nur von ihrer Liebe und von hellem Sommerjubel wußten , nur daran dachten , daß das Leben ihnen jetzt zusammen gehören sollte wie eine endlose Reihe von schimmernden Morgen ohne dumpfe Mittagsstunden und wehmütiges Abenddämmern . Ellen konnte es manchmal kaum begreifen , daß sie so rasch alles Schwere , was hinter ihr lag , überwinden konnte , aber es schien ihr , als wäre jahrelanges Vergessen dazwischen . Auf Reinhards Wunsch sollte sie jetzt noch eine Zeitlang an die See gehen , damit sie in seiner Nähe bliebe . » Ich kann dich doch nicht hergeben « , sagte er . » Nachher in München verschlingt dich die Arbeit , und wir sehen uns lange nicht wieder . So kannst du dich auch noch einmal ganz ausruhen . « Sie lagen zusammen im Wald , die Sonne flimmerte durch