Wohlan ! « fuhr ich fort . » Da wir einmal im Begriffe stehen , die Auferweckung der Totgesagten in das Werk zu setzen , so wollen wir bei dieser Gelegenheit auch ihn mit auferstehen lassen ! Ist dir das recht ? « Seine mir jetzt so nahen Augen schauten mit unendlicher Liebe in die meinen . » Kannst du es ? Willst du es ? « fragte er . » Für dich so gern ! « antwortete ich . » Denkst du , daß es geschehen kann ? « » Da wir uns lieben , ist es leicht , so leicht ! « » Wie aber wird es wohl zu machen sein ? « » Ich bitte dich , das mir zu überlassen ! Leg deine Hand getrost hier in die meine ! Und nun höre , was ich sage : Fühlst du den Mut , den Heldenmut in dir , mir deine Seele , deinen Geist zu schenken , so feiern wir die Auferstehung hier , indem wir ineinander uns versenken ! « Da schlug er beide Arme um mich , zog mich so fest , so fest an sich , als ob unsere Körper nur einen einzigen Leib zu bilden hätten , und antwortete : » Ich habe den Mut ; ich bin dein ; nimm mich hin ! « Da verlöschte plötzlich das Licht . Es war vollständig herabgebrannt gewesen . Der Pedehr ging fort , dem abzuhelfen . Als er wiederkam , standen wir mit einander draußen auf dem Söller . Der Ustad hatte soeben mit der Hand auf die vor uns liegende , vom Himmel bestrahlte , kleine Welt gedeutet und gesagt : » Es ist , als hätte ich das alles für dich vorbereitet , damit den Seelen meiner Dschamikun nun auch der rechte Geist gegeben werde , jener Geist der liebenden Unerbittlichkeit , der mir die Augen öffnete und uns in diesem Schattenland so nötig ist ! Du hast mich heut verdoppelt , und dadurch auch die Hoffnung auf den Erfolg . Zwei Ustawat15 , und doch ein einziger nur ! Stelle zwei Kerzen nebeneinander . Geben sie zwei Scheine ? Nein . Es ist nun Doppelkerzenlicht ! « Da trat der Pedehr an die Thür und forderte uns auf : » Ihr könnt wieder hereinkommen . Es ist nun heller als vorher . « Wir folgten diesen Worten . Er zeigte nach dem Tische . Da standen jetzt zwei Kerzen statt der einen . Sonderbar ! Der Ustad lächelte . » Siehst du ? « scherzte er mir zu . » Seien wir Autoren oder nur Autor , wir liefern die Gedanken , und er als praktischer Pedehr der Dschamikun ist schnell bereit , sie in Gestalt zu fassen . So soll es immer sein . Dann wird es im Duar bald ein bewegtes , frohes Leben geben ! « Er liebte es , in Bildern zu sprechen . Wer ihn verstehen wollte , hatte nachzudenken . So auch hier . Wen oder was meinte er mit den Dschamikun , denen sein ganzes Herz gehörte ? Wo lag oder liegt wohl der Duar , über den die Glocken des Gebetes für jeden Wunsch erklangen ? In Persien ? Ich will es nicht verraten . Die Folge wird es zeigen ! Wir waren mit unserer Besprechung noch nicht fertig , und doch mahnte der Scheik : » Es ist jetzt wohl schon Mitternacht . Willst du nicht vor der Reise schlafen , Ustad ? Und der Effendi steht noch im Genesen . Durchwachte Nächte sind ihm untersagt . « Da antwortete der erstere : » Ich habe weder Zeit noch Lust zum Ruhen . Was in mir lebt , kennt keine Mitternacht . « Und ich fügte hinzu : » Mein Körper ist gewöhnt , dem Willen zu gehorchen . Ich fühle jetzt noch keine Müdigkeit . Die Seele hat die Macht , ihm , dem Geschwächten , ihre Kraft zu leihen . Ich halte aus , bis wir zu Ende sind . « Da griff der Ustad nach meiner Hand , fühlte den Puls und sagte verwundert : » Wie ruhig und kräftig ! Genau so , wie der meine ! Jawohl , ich glaube , daß wir weitersprechen können . Wo waren wir stehen geblieben ? Doch wohl bei Ahriman . Der wieder erstandene Offizier brachte uns auf ihn . Willst du hier fortfahren , Effendi ? « » Ja , « antwortete ich . » Ich werde dem alten Mir Alai einen Brief nach Bagdad schreiben . Er bekommt ihn durch einige Dschamikun , welche zu ihm reiten , um ihn mit samt seinem dicken Kepek zu holen . Er hat schon vor dem Tag des Wettrennens einzutreffen . Du erlaubst seinem Schwiegervater , an diesem Tage sein Verkaufszelt hier aufzuschlagen . Ich spreche mit ihm , noch ehe du mit ihm abreisest . Er wird seine Tochter und deren Kinder mitbringen . Das giebt ein Wiedersehen , auf welches ich mich unendlich freue . Ist dir diese Anordnung recht ? « » Was du bestimmst , das ist mir immer recht ! Soll Agha Sibil am Tage des Wettrennens überrascht werden , oder willst du ihm schon jetzt alles sagen ? « » Schon jetzt , alles ! Es ist Grausamkeit , einem Menschen eine Freude vorzuenthalten , die man ihm sofort bereiten kann . Und so große seelische Erregungen , wie man hier zu erwarten hat , sollen möglichst vorbereitet sein . « » Ich gebe dir recht . Ist das erledigt ? « » Ja . Nehmen wir also nun Ahriman Mirza wieder vor ! Ich habe zu versuchen , den Beweis zu führen , daß er der Aemir-y-Sillan ist . « » Den hast du schon geführt . Wenigstens für mich ist es so gut wie bewiesen . « » Wodurch ? « » Durch den Ton , in welchem du uns seinen Brief vorlasest . Dieser Ton ist nur der seine . So spricht