nicht bei uns geblieben ! « » Für uns würde das wohl keine Schande sein ! « antwortete Halef streng . » Nein , aber für uns ! Darum bitten wir euch , hier zu bleiben und morgen früh mit nach unserem Lager zu reiten . Ihr könnt diesen Ort wohl auch gar nicht eher verlassen , als bis ihr über die Diebe Gericht gehalten habt ! « Das war freilich ein Grund , welcher sofort wirkte : » Gericht halten ? Allerdings ! « antwortete der Kleine . » Wer soll es thun ? Willst du dich mit einer Dschemmah39 deiner Krieger daran beteiligen ? « » Nein . « » Warum nicht ? « » Weil das Urteil derselben wohl nicht mit dem eurigen übereinstimmen würde . « » Wieso ? « » Jede Dschemmah hat nach dem Gesetze der Wüste zu richten , welches den Pferderaub mit dem Tode bestraft . Euer Urteil aber wird sich dieser Strenge wahrscheinlich nicht bedienen . « » Nicht ? « fragte Halef im Tone der Ueberraschung . » Warum denkst du das ? « Der Scheik dachte nach , wie er sich am besten auszudrücken habe . Leider verhinderte mich sein Vollbart , seine Gesichtszüge zu studieren . Sie kamen mir verlegen und doch auch wieder pfiffig vor . Er wollte unbefangen erscheinen , und doch hätte ich behaupten mögen , daß er grad jetzt befangen sei . Dann antwortete er : » Man hört von euch , daß ihr ganz anders denkt , als andere Leute denken . Ihr handelt nach einer Gerechtigkeit , welche lieber verzeiht , als daß sie sich den Vorwurf der Härte machen läßt . Und hart wäre es doch wohl , wenn diese zwölf Personen wegen nur zwei Pferden alle sterben müßten ! « » Nur zwei ? Ich sage dir , daß diese zwei Hengste mehr wert sind als hundert , als tausend andere Pferde ! Die Zahl kommt also hier ganz und gar nicht in Betracht . « » So , aber doch der Umstand , daß ihr euch schon wieder in ihrem Besitz befindet ! « » Das ist richtig . Wir werden also nicht vom Tode sprechen . Aber eins dieser edlen Pferde ist geschlagen worden . Das ist etwas , was nicht vergeben werden kann ! « » Rechne die zerbrochenen Knochen der beiden Unvorsichtigen ab , welche von den Hufen getroffen worden sind ! « » Abrechnen ? Wie kommst du mir vor ? Ist es deine Absicht , der Dawa wekeli40 dieser Missethäter zu sein und sie zu verteidigen ? Wer nicht mit richten will , hat auch nicht zu beschönigen . Ich werde also mit meinem Sihdi beraten , und was wir bestimmen , das wird ausgeführt . Jetzt aber - - jetzt - - o , Sihdi , halte mich ! Der Schwindel ist wieder da . Ich sehe nichts und muß mich niedersetzen ! « Er griff nach dem vor ihm stehenden Pferde , um sich festzuhalten . Ich schlang den Arm um ihn und führte ihn an das Feuer . Dort ließ ich seine Decke ausbreiten und legte ihn auf dieselbe nieder . War ich erst besorgt gewesen , so wurde mir nun angst um ihn . » Was fehlt dem Scheik der Haddedihn ? « erkundigte sich Nafar Ben Schuri . » Hat er vielleicht den Suchuna41 ? « » Nein , « antwortete ich . » Oder die Berdija42 ? « » Nein . « » Oder die Chumma mutallati43 ? « » Auch diese nicht . Er hat gestern vergifteten Kaffee getrunken . Davon ist ihm noch übel . Weiter ist es nichts . « Ich wußte , daß ich log ; aber die Klugheit verbot mir , die Wahrheit zu sagen . Ich war jetzt beinahe überzeugt , es mit einer schweren , typhösen Erkrankung zu thun zu haben , mußte dies aber verheimlichen , um mir die Bedingungen einer wenigstens den Umständen angemessenen guten Krankenpflege zu ermöglichen . Daß es sich um eine ansteckende Krankheit handle , brauchte jetzt noch niemand zu wissen . Später freilich hatte ich es unter allen Umständen für meine Pflicht zu halten , die Dinarun vor Ansteckung zu bewahren . Glücklicherweise hatten wir unsere Sachen wieder , auch unsere kleine Reiseapotheke . Ich beeilte mich also , Halef Chinin zu geben . Dann lag er still und mit geschlossenen Augen da , als ob er schlafe . Die aus dem Lager gekommenen Dinarun waren mit Proviant versehen . Es wurde gegessen . Die Portion Halefs bot ich ihm nicht an , sondern hob sie auf . Für unsere beiden Pferde sorgte ich selbst . Dann setzte ich mich zu Halef hin , um das zu thun , was ich auch in der vorigen Nacht mir vorgenommen aber leider nicht gethan hatte - - zu wachen . Für Nafar Ben Schuri war an der anderen Seite des Feuers ein Lager zurecht gemacht worden . Da saß er , rauchte einen Tschibuk und schien in Nachdenken versunken zu sein . Mit wem er sich im stillen beschäftigte , das sagten mir die Blicke , welche er von Zeit zu Zeit zu mir herübersandte . Seine Leute hatten sich so gelagert , wie es in ihrem Belieben lag . Eine gewisse Ordnung schien dabei nicht beabsichtigt zu sein . Einmal stand ich auf , um nach den Gefangenen zu sehen . Ihre Fesseln waren nicht übermäßig streng angelegt , doch brauchte ich nicht besorgt zu sein , daß sie sich losmachen würden , weil sie rings von den Dinarun umgeben waren und ich ja die Absicht hatte , nicht zu schlafen . Sie lagen mir so nahe , daß mir nichts entgehen konnte . Ich wollte die beiden Verletzten untersuchen , um ihnen , falls möglich , ihre Schmerzen zu erleichtern ; sie duldeten das aber nicht . Dann legte ich dem , den wir für ihren Anführer gehalten hatten , einige Fragen vor , die