. Kampfesmüde stürzte sie an seine Brust , und während er sie heiss und immer heisser umschlang und ihr Hals und Antlitz mit glühenden Küssen bedeckte , stammelte sie halb besinnungslos : » Ich liebe Dich , ich liebe Dich - thu ' mit mir , was Du willst . « Mit geschlossenen Augen lag sie in seinen Armen . Und die Wellen seiner lang zurückgedrängten Leidenschaft brachen über ihr zusammen , und in dem lodernden Wonnebrand , den er geträumt hatte , hielt er die Geliebte umschlungen zu überseligem Rausch . Draussen aber tobte der Sturm , prasselte der Regen gegen die niederen Fenster , krachte der Donner , und die grellblauen Blitze des Frühlingsgewitters erhellten die Liebesnacht der endlich Ueberwundenen . - - - - - - - - - - - - - - Draussen in der Natur hatte sich ein jäher Umschlag vollzogen . Auf die warmen Vorfrühlingstage war wieder Winterkälte gefolgt , und in dem Blumengeschäft von Schmidt , in dem Lena seit ein paar Tagen als Volontärin arbeitete , mussten alle die Vorsichtsmassregeln zur Erhaltung und Verpackung kostbarer Pflanzen wieder angewendet werden , die sonst nur der Höhepunkt des Winters vorzuschreiben pflegt . Der Einblick , der ihr in das Geschäft gewährt wurde , machte Lena grosse Freude . Zuversichtlich war sie davon überzeugt , dass sie es in dieser Branche zu etwas bringen würde . Selbständig zu sein , frei disponieren zu dürfen , ihrer Vorliebe für alles Schöne , Dekorative die Zügel schiessen lassen zu können , dünkte ihr sichere Gewähr für Erfolg . Bei den kleinen Diensten , die man von ihr verlangte , zeigte sie in der That eine bedeutende Geschicklichkeit , ja mehr als das , ein ausgesprochenes Talent . Die schwere Kunst des Bindens ging ihr bald so geläufig von der Hand , als ob sie sie ihr Lebenlang geübt habe , und in geschmackvollen Zusammenstellungen von Blumenarrangements übertraf sie bald die meisten der seit Jahren angestellten jungen Damen . Dem Chef des Berliner Hauses Schmidt war es sehr angenehm , seinem langjährigen Kunden schon nach vierzehn Tagen eine ungewöhnlich befriedigende Auskunft über seinen Schützling geben zu können . » Fräulein Weiss ist förmlich prädestiniert für unsere Kunst « , versicherte er zu wiederholten Malen und fügte hinzu , dass er glücklich sein würde , wenn er eine solche Kraft für sich selbst gewinnen könnte . » Ein wahrer Segen , dass die junge Dame sich draussen im Westen etablieren will . Die Konkurrenz würde uns sonst bange machen können . « Bornstein klopfte dem verbindlichen Herrn mit protegierender Geste auf die Schulter . Er nahm die Bewunderung auf , wie sie gemeint war , als ein liebenswürdiges Kompliment , aber er konnte es seiner Eitelkeit nicht versagen zu erwidern , dass das Haus Weiss jedem Wettbewerb mit dem Hause Schmidt aus alter Freundschaft aus dem Wege gehen werde . Gleich in den ersten Tagen des März war in dor Potsdamerstrasse zwischen Kurfürsten- und Bülowstrasse , unter Mehlmanns Oberaufsicht ein hübscher Laden mit einem sehr geräumigen Schaufenster und einer behaglichen kleinen Wohnung gemietet worden . Mehlmann engagierte auch das notwendige Personal und hatte sich anheischig gemacht , am ersten April morgens ein fix und fertig ausgestattetes Geschäftslokal zu übergeben . In dem Schaufenster sollten nur Dahlower Produkte prangen . Bornstein und Lena gaben ihre Zustimmung . Die Massregeln des Alten mussten respektiert werden , wenn man ' s nicht mit ihm verderben wollte , und Lena war viel zu klug , um nicht zu wissen , wie nötig sie Mehlmanns Gefälligkeiten noch haben würde . Darum schluckte sie auch den Wunsch herunter , die Blumenarrangements für das Schaufenster selbst zu machen . Um sich aber als zukünftige Prinzipalin nicht ganz hintenan setzen zu lassen , mahnte sie den Alten nachdrücklich bei der bitteren Kälte , die noch immer herrschte , recht vorsichtig bei dem Transport zu sein . Sie war stolz , bei dieser Gelegenheit ihre , bei Schmidt jüngst erlernte Weisheit an den Mann bringen zu können . Der Alte murmelte etwas von langem Winter , der ihr bei ihrer Unerfahrenheit teuer zu stehen kommen werde , versprach aber im übrigen alles bestens zu besorgen . - In Frau Wohlgebrechts kleinem Stübchen neben der Leihbibliothek war von den hartnäckigen Winterlaunen , die so manchem zu schaffen machten , nicht viel zu spüren . Der ganze Raum schien wie von Sonnenschein und Rosen durchstrahlt und durchduftet zu sein . Auf dem schwarzen Rosshaarsofa sass Gerhart und schrieb mit heissen Wangen und flammenden Augen ein Frühlingsdrama , das er schon lange knospend in der Brust getragen , und das nur Lottes Küsse bedurft hatte , um zur Blüte aufzuspringen . Seine ganze Zukunft , so schien es ihm , hing an diesem Stück . Dieser eine Wurf sollte ihn unter die Ersten reihen , und dazu war Lottes Liebe , ihre völlige Hingabe ihm nötig gewesen . So wie er sie jetzt besass , war sie ihm Weib , Modell und Muse zugleich . Er bedurfte ihrer steten Nähe , um schaffen zu können . Sobald ihm ein Gedanke , eine Form versagte , riss er sie an sich und berauschte sich an seinen eignen heissen Liebkosungen aufs neue für sein Werk . Lotte hatte sich anfangs geweigert , den ganzen Tag über bei Gerhart zu sein . Nachdem er ihr aber mit Bitten und Flehen und tausend Liebesbeweisen klar gemacht hatte , dass er nur dann etwas zu leisten im Stande sei , wenn sie an seiner Seite bliebe , seiner Sehnsucht jeden Augenblick erreichbar , nachdem er ihr versichert , dass jedes andere Mädchen , nachdem es sich dem Geliebten in freier Liebe hingegeben , noch zu ganz anderem sich verstehen , ganz zu ihm halten , unter einem Dach mit ihm leben würde , hatte sie endlich nachgegeben . Und sie kam und blieb über alles gern . Lena , die ganz in einem neuen Leben aufging , war ihr fremd und fremder geworden , und