; schließlich , mit einer letzten krampfhaften Überwindung , warf er die Hände über den Kopf . » Alles ! « preßte er polternd hervor und verschwand erschöpft . » Ihr habts vernommen , ihr seid Zeugen « , sprach Conrad , nach dem Volke gewandt . Hierauf lehnte er sich mit beiden Armen auf den Sims und sprach in das Zimmer hinein : » Vater « , sagte er feierlich , » Ihr sollt es nicht bereuen ; das gelobe ich Euch mit heiligem Schwur . Ihr sollt von nun an einen treuen , dankbaren Sohn an mir haben , der es Euch und der Mutter an nichts wird fehlen lassen . Und so Gott will , wird fortan Friede und Frohsinn im Pfauen walten . « Jetzt spürte er sich von seiner Schwester innig umarmt , die er tiefbewegt küßte . Hernach blieb sein Geist gelähmt . Der nachträgliche Schreck über seine Vermessenheit ließ das Bewußtsein seines Erfolges noch nicht aufkommen . Auch die Umstehenden verharrten betäubt . Verlegenheit herrschte um und um , die Verlegenheit der Gedankenunzulänglichkeit angesichts einer plötzlichen folgenreichen Schicksalswendung . Gewohnheitshalber räumte das Gesinde den Erdboden vom überflüssigen Zeug , Matratzen , Kissen , Kleiderfetzen , Hüte und Scherben und was sonst noch nicht da her Gehörendes umherlag , in zweckmäßiger , doch unbewußter Arbeit . Unterwürfig , Dank und Glückwunsch im Auge , näherten sich die Musikanten , ließen jedoch , was sie sagen wollten , unausgesprochen . Die Waldishofer , die eben jetzt geräuschvoll von der Verfolgung zurückmarschierten , singend und prahlend , verstummten vor dem geheimnisvollen Schweigen . » Conrad , was ist gegangen ? « flüsterte Leutolf . Conrad gab keine Antwort , und da er den Doktor mit der abgespannten Miene eines von der Arbeit Ausruhenden um die Ecke biegen sah , eilte er diesem eifrig entgegen . » Wie stehts ? « erkundigte er sich besorgt . » Doch hoffentlich keine ernsten Verletzungen ? « Der Doktor kniff ein Auge zu und blinzelte mit dem andern herüber , ehe er geruhte , sich zu äußern . » Du kannst Gott danken , daß es so abgelaufen ist , oder vielmehr der Bernerin , daß sie Decken herbeibefahl . Es wäre sonst möglicherweise nicht so gnädig abgelaufen . Denen , die zum Fenster herauszogen , hats keinem etwas getan , es gibt zum Glück manchmal solche Wunder ; dagegen von den ersten , welche das Treppchen herabkamen , liegt einer in Behandlung . « Dann verschluckte er die Stimme : » Ein gutartiger Oberschenkelbruch « , munkelte er undeutlich mit geiziger Betonung . Conrad war nicht im reinen , ob er sich nun über die Gutartigkeit Glück wünschen oder über den Oberschenkelbruch härmen solle . » Wo liegt er ? « fragte er einstweilen . » Wir haben ihn vorläufig in der Scheune verbunden . « » Wer pflegt ihn ? « » Die Lisabeth und die Brigitte . « Hiermit entfernte sich der Doktor , der Haustüre zu . Danach ward es wieder stille , so stille , daß der Stundenschlag der Kirchturmsglocke , der jetzt zufällig tönte , wie ein wichtiges Ereignis wirkte . Automatisch zählte ein jeder nach : Eins - zwei - - » sieben Uhr « , lautete der Schluß . » Wie ? schon sieben Uhr ? « lief es erstaunt durch die Menge , obschon niemand wußte , warum er erstaunte . Jedermann empfand , es müsse noch etwas dazu geschehen , sei es nun , um das Ergebnis zu ergänzen , sei es , um es wieder umzustoßen . Da polterte des Pfauenwirts Stimme scheltend aus dem Innern der Stube : » Was steht ihr da und guckt die Backen hinab wie die Schafböcke ! So laß doch wenigstens deinen Leuten einen Trunk aufwarten . Sie habens wahrlich verdient . « Conrad atmete auf . » Von welchem Wein ? « fragte er in gehorsamem Ton . » Was fragst du mich , Dilldapp ? Du hast ja jetzt zu verfügen . « Und ein Bund Schlüssel flog Conrad vor die Füße . Hiermit war der Bann gehoben und die Spannung gelöst . Alles drängte sich zu Conrad heran , um ihm zu der erlangten Herrschaft Glück zu wünschen . » Also , von nun an Pfauenwirt ! Ich wünsche Euch Gesundheit und langes Leben , und daß es Euch wohl ergehe . « » Und ich eine brave Frau ins Haus . « » Und ich erlaube mir denn doch auch , Ihnen von Herzen zu gratulieren . « Eine Unzahl Hände schob sich vor , Hände von jeder Größe und Beschaffenheit , er wußte gar nicht , wohin zunächst greifen . Die eine schüttelte , die andere drückte und quetschte seine Rechte , einige zerrten ihm vor Freude beinahe die Schulter aus dem Gelenke , manche wieder legten nur schüchtern die Finger auf , die Gewährung des Grußes von ihm erwartend . Der Wachtmeister aber prügelte ihn vor Begeisterung . » Meister « , lächelten die Kellnerinnen , halb furchtsam , halb vertraulich , und ihr Auge bat um Verzeihung für Vergangenes , um Nachsicht für Zukünftiges . Was tat Conrad ? Er umarmte eine jede . Wahrhaftig , er umarmte sie . Und schämte sich nicht und es reute ihn nicht . Josephine aber , im Begriff , ihm die Hand zu reichen , strahlend und lächelnd , warf sich plötzlich auf einen Stuhl und weinte wie ein Bächlein . » Ich mags Euch halt so von Herzen gönnen « , klagte sie und war gar nicht zu trösten . Von allen Seiten jubelte in endloser Wiederholung , wie das Halleluja am kantonalen Gesangfest , sein Name ; jenes Eigenwort , das von allen Wörtern der Sprache dem Menschen am süßesten klingt , wenn es aus dem Munde der Freundschaft tönt . Und sie waren ihm wirklich Freund , alle , ohne Unterschied , die ihn jetzt umzingelten , Bekannte wie Unbekannte ; das las er am guten