es an boshaften Bemerkungen nicht fehlen , weist auch auf den Titel hin , den Abu Hodail Hallâf für seine Arbeit wählte - die nannte nämlich der alte Schriftsteller » Der Zweifel « - die merkwürdige Verwandtschaft mit dem Titel , den Abu Hischam für seine Arbeit wählte , der dieselbe » Der Zweifler « nannte , reizt den jungen Hamadany zu nichtswürdigen Betrachtungen , über die natürlich Abu Hischam fast aus der Haut fahren will . Indeß - gefolgt von Said und Suleiman , betreten nun Abu Maschar und Al Battany den Hof . Der Letztere sagt sehr laut , sodaß Abu Hischam und Hamadany ihr unerquickliches Gespräch gleich abbrechen : » Lieber Abu Maschar ! Du scheinst die Verhältnisse in der Chalifenburg durchaus nicht zu kennen . Wir werden tatsächlich verfolgt und sind nicht unsres Lebens sicher . Du kennst doch meinen Freund , den allmächtigen Ssabier Thabit ibn Quorrah , der in der Chalifenburg mehr zu sagen hat als der Vezier - und weißt Du , was mir Thabit schreibt - da lies ! Er schreibt , er könne uns nicht mehr schützen und bäte uns , in drei Tagen Bagdad zu verlassen und nicht vor Jahresfrist wiederzukommen ! « Abu Maschar liest und schüttelt den Kopf und meint ganz ruhig : » Ein Ort ist genauso sicher wie der andre . Ich bleib hier . Mir wird Niemand was tun . « Battany zuckt die Achseln . Auch Kodama , Jakuby , Safur und Osman sind auf den Hof gekommen . Alle lesen den Brief des allmächtigen Thabit ibn Quorrah . Und Alle kriegen nun das Reisefieber in heftigster Form . Nur Osman will dableiben , er hält sein Leben nicht für gefährdet , da er zu viel einflußreiche Freunde in der Chalifenburg zu haben glaubt . Said und Suleiman wollen auch in Bagdad bleiben - der Erstere , weil er seine Güter nicht im Stich lassen möchte - der Letztere , weil er unter allen Umständen auf Saids Kosten leben möchte . Abu Maschar bleibt natürlich aus reiner Halsstarrigkeit , er sagt : » Ich kann ebenso leicht auf der Reise getötet werden wie in Bagdad . Wir können überall sterben . Dem Tode werden wir doch nicht fortlaufen können . Und einmal müssen wir doch Alle sterben . Die Furcht vor dem Tode ist lächerlich . « » Und Du ebenfalls ! « brüllt ihm Battany zu , der schon gereizt wird , wenn er den Propheten bloß ein Wort sagen hört . Der Prophet schweigt nun . Die Andern aber , die Bagdad verlassen wollen , entwickeln ihre Reisepläne - ihnen kommt der Brief des Thabit ibn Quorrah im Grunde genommen garnicht ungelegen - der Brief ist ihnen eigentlich höchst angenehm . Das Reisefieber liegt ja grade in der Luft - Es ist auch wieder mal eine entsetzliche Seuche im westlichen Stadtviertel , wo die armen Leute wohnen , ausgebrochen ... Battany will nach Indien . Abu Hischam gedenkt , nach Persien zu wandern . Safur sehnt sich plötzlich nach Ägypten . Hamadany wäre gern in Byzanz . Kodama wählt die bequeme Karawanenstraße nach Mekka und beabsichtigt , dort längere Zeit zu bleiben . Jakuby geht nach Nordafrika . Abu Hanifa möchte nach Südarabien . Alle wollen in der Welt vom Bunde der lauteren Brüder erzählen - der Bund soll ein Weltbund werden ! Osman streckt dem Safur und dem Abu Hischam bereitwillig Geld vor . Eine prächtige Zukunft leuchtet vor Aller Augen auf . Safur ist froh , für einige Monate von der Tarub befreit zu sein . Das Reisefieber läßt die lauteren Brüder nicht mehr los . Jetzt gehts in die große Welt - in die große Welt - man weiß sich vor Seligkeit garnicht zu lassen . Sechzehntes Kapitel Die indischen Teppiche sind so weich - der Fuß versinkt darin wie in einer grünen Wiese . Und Al Battanys Fuß versinkt auch in diesen indischen Teppichen . Diese Teppiche ruhen aber in dem Palaste eines indischen Nabobs , der in der Nähe von Benares wohnt . Schon achtmal hat sich der Mond gerundet - und achtmal ward er wieder verdunkelt - seit die lauteren Brüder Bagdad verließen . Die Christen schreiben bereits das Jahr 894 . Die Zeit eilt . Der Astronom Al Battany ist ganz betäubt von den gewaltigen Eindrücken seiner Reise . Ihm ist zu Mut , als hätt er zum ersten Mal das Hochgebirge - oder als hätt er zum ersten Mal das ewige unermeßliche Meer geschaut . Indien ist viel reicher , größer und tiefer - als er je gedacht . Ihn erdrückt fast der Reichtum , der ihn umgibt . Und er fühlt es jetzt erst - wieviel die Araber den Indern verdanken - - - Bagdad wäre ohne Indien nur ein ganz gewöhnliches Wüstendorf . Der Astronom vergißt beinahe vollständig das , was die Araber von den andern , auch höher entwickelten Völkern haben . Indien wird dem Al Battany zum Paradies . Und der Blick des Gelehrten wird immer stolzer - ihm ward so viel Ehre zuteil . Indische Gelehrte und indische Fürsten haben den großen Astronomen mit einer Ehrfurcht begrüßt , als wenn er als Feldherr Alle besiegt hätte - nicht als käme er als einfacher Mann zum heiligen Ganges . Battany wäre noch viel glücklicher gewesen , wenn er das schäumende Wasser seiner Eitelkeit mehr eingedämmt hätte ... Aber - er hatte auch zu viel Triumphe gefeiert . Eine Gesandtschaft aus Peking war sogar gekommen , um Bagdads größten Gelehrten zu begrüßen - vor dem hatte sich ein Dutzend vornehmster Chinesen so schrecklich tief verbeugt . Die Chinesen teilten dem Battany mit , daß bereits der Chalif von Peking vom Bunde der lauteren Brüder gehört habe und daß Er - der Sohn der Sonne - der gelehrten Gesellschaft die herzlichsten Glückwünsche übersende . Und die chinesische Gesandtschaft überreichte dem Araber eine mit Edelsteinen besetzte Kassette , in der sich viele kleine Kunstwerke aus Elfenbein , Ebenholz und Perlmutter befanden . Und