. Wenn ich sage wir , so meine ich natürlich mich . Denn Sie sprechen immer vernünftig . Vielleicht ein bißchen zu sehr . « Rex lächelte . » Nun gut ; ich will ' s Ihnen glauben . « » Also die Hohenlohes « , fuhr Czako fort . » Ja , wie steht es damit ? Wie liegt da die Sache ? Da kommt hier so Anno Domini ein Burggraf ins Land , und das Land will ihn nicht , und er muß sich alles erst erobern , die Städte beinah und die Schlösser gewiß . Und die Herzen natürlich erst recht . Und der Kaiser sitzt mal wieder weitab und kann ihm nicht helfen . Und da hat nun dieser Nürnberger Burggraf , wenn ' s hoch kommt , ein halbes Dutzend Menschen um sich , schwäbische Leute , die mit ihm in diese Mördergrube hinabsteigen . Denn ein bißchen so was war es . Und geht auch gleich los , und die Quitzows und die , die ' s sein wollen , rufen die Pommern ins Land , und hier auf diesem alten Cremmer Damm stoßen sie zusammen , und die paar , die da fallen , das sind eben die Schwaben , die ' s gewagt hatten und mit in den Kahn gestiegen waren . Allen vorauf aber ein Graf , so ein Herr in mittleren Jahren . Der fiel zuerst und versank in den Sumpf , und da liegt er . Das heißt , sie haben ihn rausgeholt , und nun liegt er in der Klosterkirche . Und dieser eine , der da voran fiel , der hieß Hohenlohe . « » Ja , Czako , das weiß ich ja alles . Das steht ja schon im Brandenburgischen Kinderfreund . Sie denken aber immer , Sie haben so was allein gepachtet . « » Immer vorsichtig , Rex ; im Kinderfreund steht es . Gewiß . Aber was steht nicht alles - von Kinderfreund gar nicht zu reden - in Bibel und Katechismus , und die Leute wissen es doch nicht . Ich zum Beispiel . Und ob es nun drinsteht oder nicht drinsteht , ich sage nur : so hat es angefangen , und so läuft der Hase noch . Oder glauben Sie , daß der alte Fürst , der jetzt dran ist , daß der zu seinem Spezialvergnügen in unser sogenanntes Reichskanzlerpalais gezogen ist , drin die Bismarckschen Nachfolger , die sich wahrhaftig nicht darnach drängten , ihre Tage vertrauern ? Ein Opfer ist es , nicht mehr und nicht weniger , und ein Opfer bringt auch der alte Fürst , gerade wie der , der damals am Cremmer Damm als erster fiel . Und ich sage Ihnen , Rex , das ist das , was mir imponiert ; immer dasein , wenn Not an Mann ist . Die Kleinen von hier , trotz der Loyalität bis auf die Knochen , die mucken immer bloß auf , aber die wirklich Vornehmen , die gehorchen , nicht einem Machthaber , sondern dem Gefühl ihrer Pflicht . « Rex war einverstanden und wiederholte nur : » Schade , daß wir so spät an dem Denkmal vorbeikommen . « » Ja , schade « , sagte Czako . » Wir müssen es uns aber schenken . Im übrigen , denk ich , lassen wir in dem , was wir uns noch weiter zu sagen haben , die Hohenlohes aus dem Spiel . Andres liegt uns heute näher . Wie hat Ihnen denn eigentlich die Schmargendorf gefallen ? « » Ich werde mich hüten , Czako , Ihnen darauf zu antworten . Außerdem haben Sie sie durch den Garten geführt , nicht ich , und mir war immer , als ob ich Faust und Gretchen sähe . « Czako lachte . » Natürlich schwebt Ihnen das andre Paar vor , und ich bin nicht böse darüber . Die Rolle , die mir dabei zufällt - der mit der Hahnenfeder ist doch am Ende ' ne andre Nummer wie der sentimentale Habe-nun-ach-Mann - , diese Mephistorolle , sag ich , gefällt mir besser , und was die Schmargendorf angeht , so kann ich nur sagen : Von meiner Martha laß ich nicht . « » Czako , Sie münden wieder ins Frivole . « » Gut , gut , Rex , Sie werden unwirsch , und Sie sollen recht haben . Lassen wir also die Schmargendorf so gut wie die Hohenlohes . Aber über die Domina ließe sich vielleicht sprechen , und sind wir erst bei der Tante , so sind wir auch bald bei dem Neffen . Ich fürchte , unser Freund Woldemar befindet sich in diesem Augenblick in einer scharfen Zwickmühle . Die Domina liegt ihm seit Jahr und Tag ( er hat mir selber Andeutungen darüber gemacht ) mit Heiratsplänen in den Ohren , mutmaßlich weil ihr die Vorstellung einer stechlinlosen Welt einfach ein Schrecknis ist . Solche alten Jungfern mit einer Granatbrosche haben immer eine merkwürdig hohe Meinung von ihrer Familie . Freilich auch andre , die klüger sein sollten . Unsre Leute gefallen sich nun mal in der Idee , sie hingen mit dem Fortbestande der göttlichen Weltordnung aufs engste zusammen . In Wahrheit liegt es so , daß wir sämtlich abkommen können . Ohne die Czakos geht es nun schon gewiß , wofür sozusagen historisch-symbolisch der Beweis erbracht ist . « » Und die Rex ? « » Vor diesem Namen mach ich halt . « » Wer ' s Ihnen glaubt . Aber lassen wir die Rex und lassen wir die Czakos , und bleiben wir bei den Stechlins , will sagen bei unserm Freunde Woldemar . Die Tante will ihn verheiraten , darin haben Sie recht . « » Und ich habe wohl auch recht , wenn ich das eine heikle Lage nenne . Denn ich glaube , daß er sich seine Freiheit wahren will und mit Bewußtsein auf den Célibataire lossteuert . « » Ein Glauben , in