geregnet . Als es endlich doch aufhörte , da war es gerade um acht Tage zu spät . Das Heu war zwar aus weiser Vorsicht in große Schober gesetzt worden , aber die Nässe war doch durchgedrungen . Als man die Haufen öffnete , dampfte und stank es . Dumpfe Gärung hatte sich darin entwickelt . Manches Heu war wie verbrannt . Kein Vieh wollte das verdorbene Futter mehr anrühren . Statt auf den Heuboden , wanderte es auf die Düngerstätte oder in den Stall zum Einstreuen . Nun schien die Sonne durch volle vierzehn Tage herrlich . » Der alte Gott lebt noch ! « sagte der Pfarrer von der Kanzel , » seht , wie hat Er es so herrlich hinausgeführetl « Die Bauern hörten sich das mit an ; dem Herrn Pastor durfte man ja nicht widersprechen . Aber in ihren geheimsten Gedanken war nicht viel von Ergebenheit in die Ratschlüsse des Höchsten zu finden . » Wenn die Not am größten , ist Gottes Hilfe am nächsten « und » Wer Gott dem Allerhöchsten traut , der hat auf keinen Sand gebaut « . Das waren ja alles sehr schöne Sprüche , aber manchmal sah es wirklich danach aus , als ob man im himmlischen Rate - ebenso wie bei der irdischen Obrigkeit - recht wenig Verständnis für das besäße , was dem Landmanne frommt . Wie konnte es sonst geschehen , daß jetzt ununterbrochen schönes Wetter war , wo ein solcher Tag , vierzehn Tage früher , alles gerettet hätte . Nun war das schöne Heu zu Mist geworden . Mancher schüttelte den Kopf ; wirklich , es ging zu verkehrt zu in der Welt ! Man wußte nicht mehr , was man denken sollte . Die Kornernte begann . Stroh war viel da , soviel stand fest . Und wo kein Lager gewesen , konnte man auch mit den Ähren leidlich zufrieden sein . Aber wo sich das Getreide zeitig gelegt hatte und nicht wieder aufgestanden war , da sah es trostlos aus . Jetzt erst beim Mähen merkte man , was das für ein Fitz und Filz geworden war . Kaum daß die Sense durchdringen konnte . Noch einmal so viel Zeit als sonst brauchten die Schnitter . Allerhand Übelstände zeigten sich . An manchen Stellen war das Getreide zweiwüchsig geworden durch die anhaltende Nässe . An den Ähren fand sich reichliches Mutterkorn . Der Rost und andere Krankheiten hatten vieles verdorben . Den August hindurch blieb trockene , milde Witterung . So viel Einsehen hatte der liebe Gott doch , daß er die Roggenernte wenigstens nicht auch noch verregnen ließ . Den Lästerzungen und Nörglern war dadurch einigermaßen der Mund gestopft , und mancher , der durch die frühere Heimsuchung vor den Kopf gestoßen worden , machte wieder seinen Frieden mit dem lieben Gott . Ja , der Herr Pastor durfte von der Kanzel herab sagen : so viel der Güte und Treue hätten wir gar nicht verdient . - Es war nicht alles verloren . Die Grummeternte stand noch aus , vielleicht mochte sie ein wenig die Lücke ausfüllen , welche das Verderben des Heues in die Futtervorräte gerissen hatte . Der Hafer stand nicht schlecht . Streifenweise hatte ihn freilich die Zwergzikade arg mitgenommen . Die Kartoffel stand üppig , die Knollen waren zahlreich und gut entwickelt . Wenn der September sie nicht verdarb , mußte es eine gute Kartoffelernte geben . * * * Der Büttnerbauer hatte angefangen , sein Korn zu schneiden . In diesem Jahre bildete Roggen seine Hauptfrucht . Ein Schlag , wo er besonders dick gesät hatte , war ihm gänzlich durch Lager verdorben ; an anderen Stellen , wo das Getreide weniger dicht gestanden , hatte es der Wind zum Teil wieder aufgerichtet . Es war eine große Sache darum , wenn der erste Sensenhieb ins Korn getan wurde . Schon mehrfach in den letzten Tagen hatte der Büttnerbauer die Felder umgangen oder war auch in der Wasserfurche ein Stück hineingeschritten , um die Ähren auf ihre Reife hin zu prüfen . Farbe des Strohes und Löslichkeit der Körner wollte ihm noch immer nicht gefallen . Endlich , eines Abends , gab der Alte die Losung : Morgen beginnt die Kornernte ! Karl dengelte die Sensen bis in die sinkende Nacht hinein . Am nächsten Morgen bei Tagesgrauen ging es hinaus . Das große Stück dicht am Hofe , welches seiner geschützten Lage wegen zuerst gereift war , kam zunächst daran . In einer Reihe traten sie an , ohne besonderen Befehl . Ein jedes kannte seinen Platz von früheren Jahren her . Der Vater an erster Stelle , hinter ihm zum Abraffen der Ähren Toni . Darauf Karl , dem seine Frau beigegeben war . Ernestine hatte die Strohseile zu drehen für die Garben . Die Bäuerin blieb ihres Leidens wegen im Hause . Die Sensen sirrten . Bald lag eine ganze Ecke des Feldes in Schwaden . Als arbeite eine Maschine , so regelmäßig flog die Sense in der Hand des alten Bauern in weitem Bogen . Ganz unten am Boden faßte sein kräftiger Hieb das Korn und legte es in breiten Schwaden hinter die Sense . Karl konnte es nicht besser als der Alte , trotz der dreißig Jahre , die er weniger auf dem Rücken hatte . Der Abstand zwischen den beiden Männern blieb der gleiche . Der Sohn trat dem Vater nicht auf die Absätze , wie es wohl sonst geschieht , wenn ein junger und kräftiger Schnitter einem alten folgt . Die Frauen hatten genug zu tun , die Ähren hinter den Sensen abzuraffen und auf Schwad zu legen . So hatte man bereits eine halbe Stunde gearbeitet , und der alte Mann hatte noch nicht den Wink zu einer Ruhepause gegeben . Toni fing an , Zeichen von Müdigkeit an den Tag zu legen . Die Arbeit war dem Mädchen nie besonders von der Hand geflogen ; in ihrem jetzigen Zustande wurde ihr jede Anstrengung doppelt schwer