er auch nicht erwachte , als Schipper sich an seiner Seite ins Heu warf . Stille Stunden verrannen . Schipper , der einen Schlaf hatte wie eine Katze , wurde mehrmals wach . Es ging schon gegen Morgen , als er aus der Stube des Grafen herauf ein Geräusch vernahm . Lautlos erhob er sich und glitt über die Leiter hinunter . Eine halbe Stunde später rasselte in der Küche der Wecker , und Franzl erwachte . » He , Schipper , auf , der Wecker is gangen ! « Als er keine Antwort hörte , griff er nach rechts und links ins Heu . » Wo bist denn , Schipper ? « Erschrocken sprang er auf . » Um Gotts willen ! Ich kann doch net verschlafen haben ? « Ein Blick auf die Fensterluke beruhigte ihn ; draußen graute kaum der Tag . Er griff nach seiner Joppe und stieg in die Küche hinunter , auf deren Herd ein kleines Feuer flackerte . Schipper kam aus der Grafenstube , ein Leintuch in der Hand . » Was is denn ? « fragte Franzl . Schipper drückte das Leintuch in eine irdene Schüssel und stellte sie über das Feuer . » Heut hat er an schiechen Hamur . In der Nacht hat ihm träumt , daß er den Bock net kriegt . Und wie er aufwacht , is ihm der ganze Fuß steif gwesen . Mach nur , daß d ' weiter kommst , und schau , daß der Bock bald da is ! Da wird ihm gleich wieder besser . Ich muß ihm warme Tücher machen und muß ihm den Haxen frottieren . Mir scheint , ' s Zipperl fangt wieder an . « » Mein Gott , der arme Herr ! « Franzl rannte zum Brunnen , um sich zu waschen . Er dachte nicht an das Frühstück und war mit Büchs und Bergstock schon davongerannt , noch ehe das Tuch in der Schüssel warm wurde . Als er den Platz erreichte , auf dem Graf Egge geschossen hatte , begann der helle Tag . Der Wand zu Füßen fand er über dem groben Geröll die roten Spuren auf drei getrennten Stellen . Kopfschüttelnd betrachtete er die Schweißfährten , die ihm unerklärlich waren . Er grübelte nicht lange , sondern begann über den Wechsel anzusteigen . Nach langem Suchen fand er in der Steinrinne den Platz , wo der kapitale Bock im Augenblick des Schusses gestanden hatte . Abgeschossenes Haar und noch feuchter Schweiß bezeichnete die Stelle . Franzl atmete erleichtert auf ; die lichte Farbe des mit kleinen Bläschen durchsetzten Schweißes verriet den tödlichen Lungenschuß . Ruhig stieg Franzl weiter ; er konnte den Weg , den das Wild genommen , nicht verfehlen ; zur Linken war der Absturz , zur Rechten die glatte Wand ; auch machte es ihm keine Sorge , als schon nach kurzer Strecke die Schweißfährte zu Ende ging - der Bock mußte wenige Minuten nach dem Schuß verendet sein und konnte keine hundert Sprünge mehr gemacht haben . Franzl stieg und stieg , kam von Rinne zu Rinne , von einer Scharte zur andern . Nichts . Befremdet stieg er zurück , begann wieder von Anfang an zu spüren und spähte bei jedem Schritt hinunter auf das offene Kiesfeld , auf dem er das Wild , wenn es vom Wechsel in die Tiefe gestürzt wäre , sofort hätte entdecken müssen . Zwei volle Stunden waren ihm bei nutzloser Arbeit vergangen , als er den Grafen mit Schipper , der den Hund an der Leine führte , durch die Latschen gegen die Felswand steigen sah . Schon von weitem schrie Graf Egge : » Hornegger ? Was is denn ? « Und Franzl , mit vor Aufregung heiserer Stimme , rief aus der Wand herunter : » Da kenn ich mich nimmer aus , Herr Graf ! Der schönste Lungenschweiß , aber weit und breit kein Bock net ! « » Was ! Ah , das wär net übel ! Mir scheint , da muß ich selber nauf ! « Graf Egge legte die Büchse ab und zappelte über das Geröll empor , als wären plötzlich alle Schmerzen in seinem Knie geschwunden . Schipper lief ihm nach und faßte seinen Arm . » Aber Herr Graf ! Was machen S ' denn ! Sie ! Und da naufsteigen ! Mit Ihrem Fuß ! « » Laß aus ! Fuß hin oder her , es gibt keine Wand , in die ich um so einen Bock net naufsteig . Wenn der junge Lapp da droben den Verstand verliert , muß ich selber suchen . Laß aus ! « Graf Egge riß sich los und begann erregt über den Wechsel emporzuklimmen . Schweigend folgte ihm Schipper mit dem Hund . Droben in der Steinrinne trafen sie mit Franzl zusammen . Ohne auf ihn zu hören , ließ Graf Egge sich vor der Rotfährte aufs Knie , musterte den Schweiß und jedes abgeschossene Haar . Als er sich aufrichtete , nickte er beruhigt . » Der Bock muß liegen . Schipper ! Laß den Hund aus ! « » Aber Herr Graf ! « mahnte Franzl . » In er Wand laßt man doch kein Hund aus ! Der Hund is hitzig . Wenn er abfallt ? « An Graf Egges Schläfen schwollen die Adern . » Laß den Hund aus ! « Er trat zur Seite , um Platz für Schipper zu machen , der den Hund auf die Rotfährte setzte und die Leine löste . Winselnd nahm Hirschmann die Fährte an und verschwand hinter der Scharte . Franzl wollte folgen , aber Graf Egge schrie ihn an : » Laß mich voraus ! « Sie stiegen zur Scharte hinauf , Schipper als der letzte . Als der Wechsel eben wurde , sahen sie den Hund wieder zurückkommen , mit suchender Nase . Das war ein gutes Zeichen , und Graf Egge lachte : » Natürlich ! Der Bock liegt drunten . Und dort