vorgezeigt und sein Inhalt verlesen wurde , da hat er ' s nicht ertragen können und ist davongegangen . Das alles hat mir den Beweis gegeben . Und ich wiederhole , der , der diesen Mord auf seine Seele geladen hat , ist kein anderer wie Lehnert Menz . « Die Mehrzahl stimmte zu . Nur der jüngere Gerichtsmann , der in einer Art Eifersucht gegen den alten Klose war , unterhielt allerlei Zweifel ( oder gab es wenigstens vor ) und gab diesen Zweifeln auch Ausdruck . Alles , was eben gesagt worden sei , sei , seiner Ansicht nach , viel zu schwach , um darauf hin eine Verhaftung vornehmen zu können . Es lasse sich schlechterdings nicht sagen , niemand anders sei oben im Gebirge gewesen , im Gegenteil , man wisse nie , wer oben gewesen und wer nicht . Lehnert Menz sei gescheit und umsichtig , und gerade , daß er auf der Hampelbaude vorgesprochen und genächtigt habe , das beweise sein gutes Gewissen . Auch daß er sich hier im Saal immer an der Tür gehalten und die Vorlesung der letzten Worte kaum abgewartet habe , spräche nicht so sehr gegen ihn , als es schiene , wohl aber spräche das für ihn , daß er der erste gewesen sei , der auf Hilfe gedrungen habe . Ja , rasche Hilfe , das sei das einzig Richtige gewesen , und er für seine Person beklage jetzt aufrichtig , daß man nicht gleich gestern abend diese Hilfe geleistet . » Mondschein war . Und vielleicht hätten wir ihn um Mitternacht noch am Leben gefunden . « Auch diese Rede ( was den alten Klose sichtlich verstimmte ) wurde beifällig aufgenommen , und weil man sich , wie das so leicht geschieht , infolge dieser immer persönlicher werdenden Fehde nicht recht einigen konnte , stand man eben auf dem Punkt , die Frage nach der Täterschaft vorläufig wenigstens ganz fallenzulassen , als der Grenzaufseher und gleich nach ihm der junge Forstgehilfe , die man beide zu weiterer Nachforschung an Ort und Stelle zurückgelassen hatte , voll großer Aufregung eintraten . Sie waren erschöpft , denn es war immer schwüler geworden : trotzdem ließ sich unschwer von ihrer Stirn lesen , daß sie gute Botschaft brächten und ihr Suchen nach einem Anhaltspunkte nicht vergeblich gewesen sei . » Nun , ihr Herren « , empfing sie der alte Klose mit der ihm eigenen Bonhomie . » Was bringt ihr ? Aber erst einen Cognac , und dann euren Bericht ! Eine Bärenhitze ! Maywald , wir wollen Tür und Fenster aufmachen . So ! Nun herangerückt ! Und nun , ihr Herren , was gibt es ? « Der Grenzaufseher , welcher der ältere war , nahm zunächst das Wort und erzählte mit vieler Anschaulichkeit , wie sie , nach Ausmessen der Fußspuren ( denn was anderes habe sich nicht finden lassen wollen ) , nahe daran gewesen wären , unverrichtetersache wieder umzukehren , als sein Kamerad , und hierbei wies er auf den jungen Forstgehilfen , eines angebrannten Papierstückchens ansichtig geworden wäre , das an der abgestochenen schmalen Lehmwand des Weges geklebt hätte . Dies Papierstückchen sei , wie sie gleich vermutet , ein Schußpfropfen gewesen , was sie denn bestimmt habe , dasselbe sorglich auseinanderzufalten und zu glätten . Hier sei es und könne vielleicht zur Entdeckung des Täters führen ; denn wie leicht zu sehen , sei es kein gewöhnliches Stück Zeitungspapier , sondern ein Stück von einem alten Kalender , und der Monat sei noch halb und die Jahreszahl 1816 noch ganz deutlich zu lesen . Er glaube , daß das wichtig sei ; denn in demselben Hause , drin man einen alten Kalender von 1816 finden werde , werde man mutmaßlich auch den Mörder finden . Alles war unter diesem Berichte des Grenzaufsehers in Aufregung geraten , weil jeder fühlte , daß die nächste Stunde schon das Geheimnis aufklären müsse . Natürlich war eine Haussuchung nötig , und zur Frage stand nur noch das eine , bei wem damit begonnen werden solle . » Bei wem anfangen ? « fragte der Alte . » Bei Lehnert Menz « , antwortete der Forstgehilfe . » Gut . Und wann ? « » In dieser Minute noch . Denn er hat viel Freundschaft hierherum , und erfährt er , was wir vorhaben , oder wohl gar , wonach wir suchen , so wandert der Kalender in den Ofen oder er selber in die Welt . Er hat es schon lange vor . « Alle waren einverstanden . Nur einige wenige blieben im Kretscham zurück , der Rest aber erhob sich und ging auf Wolfshau zu . Bei der großen Hitze , die herrschte , zog man es vor , die ganz in greller Sonne liegende Chaussee zu vermeiden und lieber , von dem hochgelegenen Kretscham aus , gleich nach links hin bergab zu steigen , um hier , im Schatten der Berglehne , den Weg an der Kühlung gebenden Lomnitz hin zurückzulegen . Unterwegs wurden einige wieder unsicher , und Zweifel ließen sich hören , die , wenn sie nicht geradezu von dem jüngeren Gerichtsmann ausgingen , so doch wenigstens durch eben diesen genährt wurden . Ein halbverbrannter Papierpfropfen sei gefunden worden , soviel stehe fest , aber dieser Pfropfen brauche keineswegs aus dem Gewehre des Wilddiebs zu stammen . Auch Opitz habe geschossen , wenn nicht im Kampf ( worüber sich vielleicht streiten lasse ) , so doch jedenfalls ein paar Not- und Signalschüsse , was aus seinen eigenen Aufzeichnungen hervorgehe . Solcher Äußerungen wurden in der Arrieregarde mehrere laut , aber an der Spitze der Kolonne , wo neben Klose der aus Erdmannsdorf herbeigekommene Gendarm Brey marschierte , hielt man an der einmal gefaßten Meinung fest und war nur einigermaßen überrascht , als man , im Näherkommen an das Inselchen und seine Stellmacherei , Lehnert Menz , in der Tür stehend , gewahr wurde , damit beschäftigt , ein paar überhängende Rosenzweige