herab auf die » Heiden « in der Welt da draußen . Doch ihr dreimal am Tage Beten ( nach jedem Mahl kniet jeder schottische Hausherr mit seiner Familie nieder und beginnt ein halbstündiges » Prayer « ! ) läßt ihnen noch Zeit genug für Gastfreiheit und Bildung . Der » ruchloseste « Poet wird nicht aus der Bibliotek eines solchen Frommen ausgeschlossen ; denn dieser bleibt ein gebildeter Mann , obwohl er mit dem Papst in Rom an Unfehlbarkeit wetteifert . Auch scheint seine Gastfreiheit schätzenswerther , als die hochmüthig prahlerische Freigebigkeit Englands . Schottland ist arm . Darum darf man nicht verkennen , daß die Religiosität des Schotten sich zwar auch in Formeln und Riten , aber nicht minder in echter rechter » kindness « gegen seinen Nächsten zeigt , die ihm ein Opfer , wie dem Engländer ein bloßer Sport . Kein anziehender Gesellschafter , der Schotte ! Sehen wir einen Sprößling der Grampians , so denken wir unwillkürlich an einen grauen schottischen Regentag . Ein Fremder , den sie mit Güte überschütten , wird sich im Leben nicht wohl bei ihnen fühlen . Sie finden es nicht comfortabel , ihre Bildung zum Besten zu geben , und jammern lieber über das Wetter , natürlich ein unerschöpflicher Unterhaltungsstoff . Geiz ( Armuth ! ) , Trunkenheit ( Klima ! ) , Pharisäismus ( Kirche ! ) mag man hier als häufige Fehler finden , Frömmigkeit und Biedersinn als häufigere Vorzüge , tiefen Sinn für Natur , Freiheit und Poesie als allgemeines Erbgut . Wie den Griechen und Italienern der Sinn für äußere menschliche Schönheit angeboren , wie die deutsche Race mit besonderer Empfänglichkeit für Musik begabt scheint , so mag man die ganze britische Nation getrost als das Volk der Poesie bezeichnen . Diese nordischen Stämme brachten mit sich die germanische Empfänglichkeit für freie Natur , noch verstärkt durch ihr Leben als Jäger und Krieger . Abgeschlossen von der übrigen Welt durch ihre insulare Stellung , bildete sich eine beschränkte , aber achtungswerthe Vaterlandsliebe in ihnen aus . Die langen Fehden der Schotten und Angeln begeisterten sie für kriegerischen Ruhm , und die Normannen brachten ihnen den Cultus der Chevalerie . Heine wundert sich affecktirt , daß die Engländer den Shakespeare hervorbrachten . Das wirklich Wunderbare wäre , wenn irgend ein anderes Volk ihn hervorgebracht hätte , oder wenn die Schotten nicht ihren Scott und Burns besäßen . Und wie stolz sind sie auf diese Zwei ! Man wundere sich noch , daß die Briten im Durchschnitt die größten Dichter erzeugten ! Kunst geht erstens nach Brot und zweitens nach Ruhm d.h. bei Lebzeiten . Der Nachruhm freilich - wir Deutschen sind sehr freigebig mit diesem werthvollen Artikel . Aber da ist noch ein Unterschied zwischen der gähnenden Goethe-Pfafferei und der innigen herzlichen Liebe der Schotten für ihre Dichter . Der echte Scotchman hat drei hauptsächliche Gedanken : Kirche , Hochland und Sir Walter . Unsere Kirche , unsere Natur , unser Poet sind doch die besten ! Es scheint charakteristisch , daß sie zwei Landstriche » Sir Walters Land « und » Burns ' Land « benennen . Trotz allem Traphic und Common Sense blieben die Briten doch sicher naiver , natürlicher , poetischer und enthusiastischer , als die Leute auf dem Continent . Kirkcaldy hat eine geräumige Kirche und will natürlich eine größere bauen . » Kirchenbauen « scheint eine Epidemie in Großbritannien . Der Clergyman gilt für einen der besten Prediger in Midlothian und ist ein gebildeter Mann , der lange Zeit in Berlin Theologie studierte und schlechtes Deutsch spricht , was viel sagen will für einen Briten . Uebrigens steht die gute Stadt in einem gewissen Zusammenhang mit deutscher Sprache und Literatur , auch durch Seehandel mit Deutschland , da sie in Verbindung steht mit dem größten German Scholar , Thomas Carlyle , der hier als junger Schulmeister lebte . Dieser außerordentliche Mann , der vielleicht noch mehr Bewunderer zählte , wenn das Corybautengekreisch seiner Verehrer nicht die Stimme ihres Gottes übertönte , bewahrte eine Vorliebe für diesen Aufenthalt seiner Jugendtage . Er besuchte , von seiner Seherhöhle in Chelsea aus , oft seinen ehemaligen Wohnsitz . Hier wandelte auch einst ein anderer Prophet , Adam Smith , in seinem Garten am Meer , wo er seine » wealth of nations « schrieb . Ja , und da wäre nun Perth ! Die » Schöne Stadt « nennt es sich selbst , alldieweil der Zauberstab des Dichters die » Schöne Maid von Perth « heraufbeschwor . Da hockt man nun in alterthümlicher Klause , in einer alten lauschigen Inn , eine alte Chronik neben sich , worin Erbauliches von Leben und Ende des schottischen Nationalheros William Wallace berichtet . Die Moncrieff-Ruine immer noch ragt , immer noch glitzert der Tay so klar , daß man die Kiesel auf seinem Grunde zählt . Auf dem Anger , wo einst die beiden Claus gefochten , tummeln sich heut Criket-Schläger und die Enkelinnen der Schönen Maid von Perth - ach , sie lassen uns nur den Verfall alles Schönen bedauern . Aber noch duften die herrlichen Blumenbeete der Stadt , noch duftet der sagenlispelnde Wald . Sagen rauscht der alte Park , Und die alte Lady drinnen Am Kamin erinnert stark An die Scott ' schen Häuptlinginnen . Um sie her sitzt all ihr Clan , Und der ältste Sohn wird treten , Wenn die Abendstunden nahn , In die Mitte erst und beten . Beten nach dem Abendbrod , Mittag auch und Abendessen . Ach , ich leide große Noth , Der ich Beten längst vergessen . Dunkeld ! Wohl sieht man hier vor seines Geistes Auge Vernam ' s Wald anrücken auf Dunsinan , hier wo Macbeth verzweifelt wie ein Bar mit der Meute focht . Doch mit leiblichen Augen sieht man hinter jedem Meilenstein pinselnde Ladies aufgepflanzt . Ein Blick über die Schulter der edlen Künstlerinnen - - kehrten mir lieber Hochlandkühe den interessanten Rücken ! Blair Athole , schon ein richtiger Hochlandweiler