ich will dir was sagen . « » Was kann sie dir zu sagen haben ? « dachte er , aber er tat , wie sie ihm geheißen . Hinter der Gardine halb verborgen , wartete er , doch sie kam nicht . Von Minute zu Minute schwoll die Bitterkeit in seiner Seele höher empor . Seine schönen Reden über den Torfbau und Heines » Buch der Lieder « fielen ihm ein , und er zuckte höhnisch die Achseln über die eigene Dummheit . Ihm war zumute , als sei er im Laufe dieses Nachmittags um Jahre reifer geworden . Und dann plötzlich kam ihm die Frage zu Sinn : Was hast du hier zu suchen ? Was gehen dich die fröhlichen Menschen an , die lachen und einander gefallen wollen und gedankenlos in den Tag hineinleben ? Ein Narr , ein Elender warst du , als du glaubtest , auch du hättest ein Recht , froh zu sein ; auch du könntest werden wie sie . Der Boden brannte ihm unter den Füßen . Ihm war zumute , als versündige er sich , wenn er noch ein einzige Minute an diesem Platz verweilte . Er schlich sich in den Hausflur , wo seine Mütze hing . » Sagen Sie meinen Schwestern , « bat er das Dienstmädchen , das wartete , » ich ginge heim , um einen Wagen für sie zu besorgen . « Wie erlöst atmete er auf , als die Haustür hinter ihm ins Schloß fiel . Das Unwetter hatte sich gelegt - ein leiser Nachregen sprühte vom Himmel , kühlend sauste der Sturm über die Heide , und am Rande des Horizontes , wo eben das letzte Abendrot verglomm , zuckte aus glühroten Wolken das Leuchten des abziehenden Gewitters . Als wäre die wilde Jagd hinter ihm her , so jagte er auf den regendurchweichten Wegen zum Walde , der sich mit friedbringendem Rauschen über seinem Haupte schloß . - Das feuchte Moos duftete , und von den Fichtennadeln sickerten leuchtende Tröpfchen hernieder . Als er die Heide betrat und das väterliche Heimwesen in düsteren Umrissen vor seinen Blicken liegen sah , da breitete er die Arme aus und rief in den Sturm hinein : » Hier ist mein Platz - hier gehör ' ich her - und ein Schuft will ich sein , wenn ich mir noch einmal in der Fremde meine Freude suche . Hiermit schwör ' ich es , daß ich alle Eitelkeit abtun will und allem törichten Streben entsage . Jetzt weiß ich , was ich bin , und was nicht zu mir paßt , das soll mir verloren sein . Amen ! « So nahm er Abschied von seiner Jugend und von seinem Jugendtraum . 13 Als er am andern Morgen erwachte , fand er die Mutter neben seinem Bette sitzen . » Du schon auf ? « fragte er verwundert . » Ich hab ' nicht schlafen können , « sagte sie mit ihrer leisen Stimme , die immer klang , als bäte sie um Entschuldigung für das , was sie sagte . » Warum nicht ? « fragte er . Sie antwortete nicht , aber sie streichelte sein Haar und lächelte ihn traurig an , da wußte er , daß die Zwillinge geschwatzt hatten , daß der Gram um ihn es war , der sie nicht ruhen ließ . » Es war nicht so schlimm , Mutter , « sagte er tröstend , » sie haben sich ein bißchen über mich lustig gemacht , weiter nichts - « » Die Elsbeth auch ? « fragte sie mit großen ängstlichen Augen . » Nein , die nicht , « erwiderte er , » aber « - er schwieg und drehte sich nach der Wand . » Aber ? « fragte die Mutter . » Ich weiß nicht , « erwiderte er , » aber es ist ein aber dabei . « » Du tust ihr vielleicht Unrecht , « sagte die Mutter , » und sieh , dies hat sie dir durch die Mädchen geschickt . « Sie zog einen länglichen Gegenstand aus der Tasche , der sorgsam in Seidenpapier gehüllt war . Darin lag eine Flöte , aus schwarzem Ebenholz gedreht , mit glänzend silbernen Klappen versehen . Paul wurde rot vor Scham und Freude , aber die Freude verflog , und als er das Instrument eine Weile angesehen hatte , sagte er leise : » Was fang ' ich nun damit an ? « » Du wirst darauf spielen lernen , « sagte die Mutter mit einem Anflug von Stolz . » Es ist zu spät , « erwiderte er mit traurigem Kopfschütteln , » ich hab ' jetzt anderes vor . « - Ihm war , als ob er genötigt würde , etwas Verstorbenes wieder aus dem Grabe hervorzuzerren . - - » Na , du scheinst dich gestern schön blamiert zu haben , « sagte der Vater , als er mit ihm am Kaffeetisch zusammentraf . Er lächelte still in sich hinein , und der Vater brummte etwas von Mangel an Ehrgefühl . Die Zwillinge hatten große , verträumte Augen , und wenn sie einander ansahen , flog ein seliges Leuchten über ihr Gesicht . Die wenigstens waren glücklich . - - Die Wochen vergingen . - Die Ernte kam unversehrt in die Scheuern - dank Pauls unermüdlicher Fürsorge . Es war ein gesegnetes Jahr , wie es seit langem nicht gewesen . Der Vater aber rechnete bereits , wie er den Ertrag am besten für seine Torfspekulation verwenden könnte . Er schwadronierte in der alten Weise weiter , und je weniger Herr Douglas nun von sich hören ließ , desto mehr prahlte er in den Kneipen von dem Segen seiner Teilnehmerschaft . Da er sich einmal aufs Schwindeln eingelassen hatte , so mußte er jede Lüge durch eine neue überbieten . - Mochte Herr Douglas noch so langmütig sein , der Unfug , der mit seinem Namen getrieben wurde , mußte ihm schließlich zu