Hause treffe ; denn bei so wählerischen Stiftsdamen weiß der Kuckuck , was sie einem für Schwäger aussuchen ! « » Ja so ! « brummte der Vater gutmütig , » hätt ich gewußt , was da steht , so blieb der Brief in der Tasche . Aber tut die Augentröckner weg und eßt eure Suppe ! « Seine Art zu reden tröstete die Mädchen ein bißchen ; es war doch das Freundlichste , was sie in der ganzen Zeit gehört , und sie aßen mit dem Vater zu Ende . Als die Magd nichts mehr im Zimmer zu tun hatte und Martin seinen Wein gemächlich austrank , während die Frauenzimmer nach bestehender Sitte des Hauses noch so lange ihre Plätze behielten , nahm er in gemütlichem Tone wieder das Wort . » Da das leidige Verhältnis , das uns alle behext , durch Arnolds arglosen Scherz einmal berührt worden ist , so wollen wir vernünftig ein bißchen weiter davon reden ! Ihr haltet euch sehr achtungswert ; wir glauben , die Mutter und ich , daß ihr den Umgang mit den jungen Leuten wirklich meidet ; hinwieder wissen wir nicht , woran wir mit der Zukunft sind und ob ihr selbst etwas mehr im klaren seid ? Vielleicht , dachten wir , finden sie sich doch allmählich zurecht und sich selbst wieder , und zwar ohne die zwei seltsamen Beisterne ! Da kommt neulich der Laufknabe von der Post und erzählt , er habe auch die Fräuleins am Schalter gesehen . Haben sie Briefe hingebracht ? frag ich , und er sagt : Nein , sie haben Briefe geholt , die für sie dort lagen . - Gut , ich weiß schon , was es ist , gab ich zur Antwort . Verkehrt ihr also poste restante mit ihnen ? « » Ja ! « entgegneten die Töchter beide zugleich . » Und in welchem Sinne ? Der hoffenden Zuversicht oder der entsagenden Freundschaft ? Ihr seht , daß ich mich in dem Sprachgeiste auszudrücken weiß , der in der bewußten Korrespondenz walten wird ! « » Unsere Freunde entsagen nicht , solange sie zweier Herzen sicher sind , die es nicht von ihnen verlangen ! « Dies sagte Nettchen , und Setti fügte hinzu : » Wie wollten wir freilich die Hoffnung aufgeben , der geliebten Personen verlustig gehen und dagegen für das ganze Leben erst recht eine spottende Nachrede eintauschen ? « » Gut getrumpft ! « sagte der Vater , mit innerer Trauer der Gattin gedenkend , die mit ebenso fest eingewurzeltem Gegensinne in derselben Stunde in einem fernen Trauerhause am Tische sitzen und vom Leichenmahle genießen mochte . » Liebe Kinder ! « fuhr er nach einem kurzen Schweigen fort , » wie lang wollt ihr denn eigentlich auf das vermeintliche Glück warten ? Wenn ich nur das wüßte ! Ja , wenn ihr zwanzig Jahre alt wäret , wie die Liebhaber , dafür diese von eurem Alter , das ließe sich hören ! « » Immer das gleiche ! « riefen die Töchter durcheinander , » habt doch Geduld , in wenig Jahren werden wir mit ihnen gleich alt scheinen , sie so alt wie wir und wir so jung wie sie , wenn wir nur erst verbunden sind ! Sie werden Männer sein ! Übrigens bekommen sie schneller die ihnen gebührende Stellung , als manche glauben , und dann hat das Elend ein Ende ! « » Trumpf ! « rief der Vater lachend , aber voll Verwunderung über die Reden der Töchter ; » das tönt ja alles wie im heroischen Zeitalter , wo Männer und Frauen ewig jung blieben ! Wir wollen es abwarten , und mögt ihr nicht eine Zeit erleben , wenn es nach eurem Willen geht , wo ihr wirklich heroischer Kräfte bedürftet ! Jetzt wollen wir die Sitzung aufheben . Heute abend muß ich in eine Versammlung wegen der kommenden Wahlen gehen und kann nicht wegbleiben . Da wäre es artig von euch , wenn ihr statt meiner euch auf den Bahnhof begeben und die Mutter abholen wolltet . Ich weiß , es tut ihr gut , wenn sie euch unerwartet dort trifft ! « Die Töchter versprachen , es zu tun , und erröteten leise aus geheimer Freude über den erhaltenen Auftrag . Martin Salander ging in sein Geschäft , arbeitete ein paar Stunden darin und dann noch eine gute Zeit in der Wahlsache , indem er Briefe und andere Papiere durchging und dies oder jenes anmerkte . Es handelte sich um die Ermittelung einer Vorschlagsliste für die Kreiswahlen in den Großen Rat des Standes Münsterburg , die Durchmusterung der bisherigen Inhaber der Stellen , den Ersatz abgehender , den Eintritt neuer Mitglieder . Salander freute sich immer noch seiner Unabhängigkeit von allen Wahlverlegenheiten in Ansehung seiner eigenen Person , indem er trotz seiner oft in Anspruch genommenen Dienste und mehrfachen Zumutens dem förmlichen Amts- und Titelwesen ferngeblieben . Jetzt wollte es ihm aber heimlich bedünken , daß er , wie so mancher andere auch , vieles doch am besten in dem gesetzgebenden Rate vertreten und sagen könnte , als am entscheidenden Orte ; denn was half es ihm , wenn er in freien Vereinen und Zusammenkünften eine Meinung durchsetzte gegen irgendeinen Gegner , der dann in der Behörde saß und dort allein das Wort hatte . Er brachte aber nicht über sich , was doch gang und gäbe ist , sich selbst vorzuschlagen , d.h. vertraulich den andern Führern zu eröffnen , daß er Lust verspüre , gewählt zu werden ; und um nicht den Anschein davon zu gewinnen , nahm er ausdrücklich an der Leitung der heutigen Zusammenkunft teil , während diejenigen wegblieben , die genannt zu werden wünschten oder wußten , daß es geschah . Freilich nicht alle ; denn einige wiederum erschienen freimütig und setzten sich breit hin . Im Saale zu den Vier Winden , der den verschiedensten Parteien und Vereinen als Sammelort diente , fand Salander zwei lange Tische von