blasses Gesichtchen glüht ! Ja , siehst du , kleine , tapfere Bürgerin , die Politik - « » Die Politik ? Ach Papa , ich bin ja nur ein Mädchen , ein kleines , dummes - was geht mich die Politik an ? Ich erzähle ja nur nach ! « Sie lächelte schelmisch . » Du wirst doch um Gottes willen nicht denken , daß die Grete den Männern ins Handwerk pfuschen will ? Gott soll mich behüten ! Aber ich meine , « fuhr sie ernst fort , » hier handle es sich ja nur um allgemein Menschliches , um Recht und Unrecht , um moralische Kraft und Feigheit , um wahren Stolz und Niedertracht ... Und wäre deine Schilderung wirklich die Signatur unserer Zeit und bliebe maßgebend für immer , ei , da möchte man doch lieber gleich eine Mumie von Memphis oder Theben sein und vor Jahrtausenden gelebt haben ! Aber das ist nicht wahr ! « Sie schüttelte energisch den Kopf . » Wir leben trotz alledem in einer großen Zeit , wenn wir auch inmitten einer gewaltigen Brandung ringen müssen , sagt Onkel Theobald immer . Das Gute und Echte wird schon obenauf kommen , und die widerlichen Blasen , die der Kampf jetzt auf die Oberfläche treibt , werden nicht ewig glitzern und die Schwachen blenden ... Und du solltest nicht zeigen , wie du fühlst ? Aus Menschenfurcht dich verschließen ? Du , ein unabhängiger Mann , solltest nicht nach deiner Façon ruhig und zufrieden werden dürfen ? Was helfen dir Gnaden- und Gunstbeweise von außen , wenn du innerlich darbst und entbehrst - « Er zog sie plötzlich unter die Hängelampe , bog ihren Kopf zurück und sah ihr mit düsterdrohendem Blick tief in die Augen , die offen und furchtlos zu ihm aufblickten . » Ist das Hellseherei , oder schleicht man mir nach ? ... Nein , meine Gretel ist ehrlich und wahrhaftig geblieben ! Da gibt ' s kein Falsch ! « Und er schlang seinen Arm wieder um ihre Gestalt . » Mein braves Mädchen ! Ich glaube , du wärst die einzige Tapfere in der Familie , die zu mir hielte , wenn mich die Welt in Bann und Acht erklärte - « » Natürlich , Papa , dann erst recht ! « » Würdest mir helfen , eine unselige Schwäche zu überwinden ? « » Ganz selbstverständlich , mit aller meiner Kraft , Papa ! Probiere es nur mit mir ! Ich habe Courage für zwei . Hier meine Hand zu Schutz und Trutz ! « Ein schönes Lächeln , halb schalkhaft , halb ernst , flog um ihre Lippen . Er küßte sie auf die Stirn , und wenige Augenblicke nachher trat sie wieder in den Salon . Tante Sophie war nicht mehr da . Sie war mit ihrem Silberkorb hinuntergegangen und machte jedenfalls schleunigst den Theetisch zurecht . Der Bediente löschte eben den Kronleuchter aus und Reinhold nahm das Konfekt , Stück um Stück , von den Kristallschalen und legte es , pünktlich sortiert » zum Wegschließen « in verschiedene Glasbehälter . Die Frau Amtsrätin aber saß behaglich zwischen Plüschpolstern hinter einem Sofatisch - weil es oben durch fortgesetztes Lüften schauerlich kühl , hier unten aber noch so köstlich warm und mollig sei , wie sie sagte - und legte ihre allabendliche Patience ... Großmama und Bruder hatten somit nicht viel Zeit für die Heimgekehrte , und das » Gutenacht « beider klang recht zerstreut und obenhin . Das junge Mädchen vermißte nichts , gar nichts ! - Sie war froh , so leichten Kaufs für heute davon zu kommen - hier oben war sie fertig ... Nur als sie draußen durch den dämmerigen Flursaal schritt , da stand einer im Fenster und sah anscheinend in den Hof hinunter - der Herr Landrat ! - An ihn hatte sie auch nicht mehr gedacht ; Kopf und Herz waren ihr übervoll von der rätselhaften Art und Weise , wie sie ihren Vater eben gesehen . Für ihr klares , entschiedenes Denken und Fühlen war ein solch düster geheimnisvoller Seelenzwiespalt etwas ganz Verwunderliches , solch eine Männerseele in ihrem Widerstreit mochte wohl schwer zu verstehen sein ... Ob den dort , den kühlgewordenen , in Amt und Würden stehenden Mann , nun doch auch vielleicht für einen Moment die Erinnerung packte und ihn hinübersehen ließ nach dem Gange , wo einst das Goldhaar der schönen Blanka durch die grünen Blätter und Ranken geleuchtet ? » Gute Nacht , Margarete ! « sagte er in diesem Augenblick in einem anderen Tone , als die beiden Beschäftigten im Salon . » Gute Nacht , Onkel ! « 10 Die » Hofstube « hatte von jeher etwas Verlockendes für Margarete gehabt . Sie lag im Erdgeschoß des spukhaften Flügels und stieß dicht an die ehemalige Schlafstube der Kinder . Ein gleicher halbdunkler Gang , wie der unheimliche droben , lief hinter den Zimmern weg und trennte , auch um die Ecke laufend , die Küche von der Wohnstube . - Die beiden Etagen standen in keiner Verbindung - es war » zum Glück « keine Treppe da ; man brauchte deshalb keine Angst zu haben , daß es der weißen Frau oder dem Spinnwebenrock auch einmal einfallen könnte , herunter zu huschen , wie Bärbe immer sagte . - Die Zimmerreihe der unteren Etage wurde in ihrer Mitte durch eine Thüre unterbrochen , die nach dem Hofe ging , eine mächtige , schwere Thüre mit massivem Klopfer , und zu beiden Seiten flankiert von Steinfiguren im Hochrelief . Breite Stufen führten von ihr nieder auf den Kiesweg , der den Rasen durchschnitt und direkt nach dem Brunnen lief . In der Hofstube standen lauter Möbel aus der Rokokozeit , die Tante Sophie gehörten . Sie waren spiegelblank poliert , die Metallbeschläge blitzten , und altes ererbtes , vielfach gekittetes Meißener Porzellan stand auf den geschweiften Platten der Kommoden und auf dem Schreibtisch mit seinem hohen Aufsatz voll zahlloser