und atmete tief und sah sich mit Entzücken in ihrer stillen Raststätte um . Die Fichten waren der unteren Äste schon beraubt , aber junger Nachwuchs bildete von außen einen Halbkreis um den Hain , exotische Topfpflanzen füllten die kahlen Stellen zwischen den Stämmen der alten Bäume . Zarte , südländische Palmen , Ficus , Daphnen , Begonien ließen sich ' s wohl sein im Schutze der nordischen Riesen . Die Königin der Araucarien , die Excelsia , breitete ihre farrenkrautähnlichen Zweige in majestätischer Anmut aus . Harzgeruch erfüllte die Luft , die Vögel sangen , im Grase schwirrte und summte es . Mit reichgefülltem Gurt kehrten emsige Bienen vom Besuche der blühenden Sommerlinden heim . Alles eifrig , alles beschäftigt , alles , was da schwebte , flog und kroch , sich selber so wichtig und so kühn in seiner Schwäche , so unverdrossen in der Ausübung seiner kleinen Kräfte . Lotti schaute und lauschte und gab sich völlig dem Gefühl der süßesten Ruhe hin . Still genoß sie die köstliche Stunde , dieses bewegte , rastlose und doch so friedvolle Leben und Weben um sie her ... halb unbewußt , gedankenlos ... da plötzlich erklang aus der Ferne das Geläute eines Glöckleins . Zwölf Uhr . - In zwei Stunden muß sie fort , Gottfried erwartet sie , und das darf nicht umsonst geschehen . Er hat eine herbe Enttäuschung gehabt , als er kam und sie nicht zu Hause traf . Er wird die Zeit sehr lang finden und sich gewiß mit der Vorstellung quälen , daß sie nicht kommt . Aber sie wird kommen ! und wenn sie scheiden müßte , ohne diejenigen gesehen zu haben , denen zuliebe sie eine Art von Flucht unternommen hat . Diese sind übrigens vielleicht schon längst von ihrem Kirchgang zurück , warum bildet Lotti sich denn ein , daß sie gerade hier vorüberkommen müssen ? Sie erhob sich , um den Hain zu verlassen , und im selben Augenblick vernahm sie das Gleiten langsamer Schritte über den Kies und sah ein weißes Kleid durch die Zweige der kleinen Bäume schimmern . Halwig und Agathe näherten sich , schon waren ihre Stimmen deutlich zu unterscheiden . Lotti eilte ihnen entgegen , war aber noch nicht auf dem Wege angelangt , als sie zögernd stehenblieb . Die beiden Menschen , die da einherwandelten , boten den seltensten Anblick , der auf Erden zu finden ist : den des vollkommenen Glückes . Sie hielten einander umschlungen . Sein Kopf war leicht geneigt , der ihre leicht erhoben , sie sahen einander in die Augen und flüsterten sich lächelnd und leise einzelne Worte zu . Sie schienen sich in Ausdrücken der Zärtlichkeit überbieten zu wollen , allein ihr Wetteifer hatte nichts Unruhiges , nichts Stürmisches . In diesem Kampf zu siegen oder zu unterliegen mußte gleich süß sein . Da war kein Ringen , kein Sehnen , kein banger Zweifel , da war Erfüllung mit ihrem himmlischen Frieden . Sie kamen näher , ganz nah . Lotti meinte , von ihnen bemerkt worden zu sein ... doch irrte sie . Hermann und Agathe gingen vorbei , jedes blind für alles , was nicht das andere war , jedes dem andern eine ganze Welt . Nun waren sie am Ende des Weges angelangt , schritten über den Vorplan - verschwanden im Hause . Lotti folgte ihnen nicht . Was soll ich bei euch , dachte sie , ihr braucht keinen Dritten . Einige Zeit verweilte sie noch , sinnend und träumend , in dem Haine , der ihr zuerst eine traute Gastfreundschaft und später , ohne daß sie es gewollt und gesucht , ein sicheres Versteck geboten hatte , dann trat sie ruhig den Rückweg an . Die Hitze war drückend geworden . Lotti schlich mehr , als sie ging , sie hatte ja keine Eile ; kam immer noch zu dem ausbündigen Vergnügen zurecht , ein paar Stunden lang vor dem Stationshäuschen auf und ab zu wandeln . Weit und breit kein Schatten , nur Wiesen und Felder . Nichts als schon in ziemlicher Nähe der Station , neben dem Grenzpfahl des Halwigschen Besitzes , ein steinernes Kreuz , von vier jungen Pappeln umgeben . Dort ließ sich ebenfalls ein wenig rasten , aber nicht im Schatten : davon war nicht die Rede , die Sonne stand ja noch im Scheitel . Gleichviel . Eine Landstreicherin , wie Lotti nachgerade geworden , dankt Gott auch für die Wohltat , auf steinerne Stufen gelagert , die Zeit , deren sie zuviel hat , an sich vorüberziehen zu lassen . Sie trat an das Kreuz heran und bemerkte bald , daß sie keinen besseren Punkt hätte finden können , um Villa Halwig noch einmal recht nach Herzenslust zu betrachten . Das tat sie lange , und das innigste Gebet für die Erhaltung fremden Glückes , das einer Menschenbrust entsteigen kann , wurde zu Füßen des steinernen Kreuzes gesprochen . Sodann setzte Lotti ihren Weg fort . Sie begann ihre ganze Ausfahrt höchst drollig zu finden . Die Einladungen Halwigs und Agathens hatten sie mit dem Gefühl einer Verpflichtung belastet , dem sie gemeint durchaus genugtun zu müssen . So hatte sie sich denn aufgemacht , war gekommen und hatte , statt der sehnsüchtig ihrer wartenden Freunde , ein Liebespärchen gefunden , das verspätete Honigwochen beging und dem man keinen größeren Gefallen erzeigen konnte , als es allein zu lassen . Sie kam sich ein wenig lächerlich vor , die gute Lotti , aber was schadet das einer so anspruchslosen Persönlichkeit wie ihr ? - Nicht das geringste ; und sie lachte im stillen und fühlte sich seelenvergnügt , obwohl von einem gewissen Unbehagen ergriffen , das - ein klägliches Ende ihrer poetischen Pilgerfahrt - durch ganz prosaischen Hunger hervorgerufen wurde . Sie beschleunigte ihre Schritte . Ihre Absicht war , an der Tür des Stationshäuschens zu pochen und von seinen Einwohnern für Geld und gute Worte eine kleine Stärkung zu erlangen . Das Pochen blieb