und unmittelbar nach der kirchlichen Handlung brach man auf , um , nach monatelangem Eingeschlossensein in der Stadt , einmal außerhalb ihrer Mauern aufatmen und sich der Krokus- und Veilchenpracht in Villa d ' Este freuen zu können . Und alles freute sich wirklich , am meisten aber Melanie . Sie war glücklich , unendlich glücklich . Alles , was ihr das Herz bedrückt hatte , war wie mit einem Schlage von ihr genommen , und sie lachte wieder , wie sie seit lange nicht mehr gelacht hatte , kindlich und harmlos . Ach , wem dies Lachen wurde , dem bleibt es , und wenn es schwand , so kehrt es wieder . Und es überdauert alle Schuld und baut uns die Brücken vorwärts und rückwärts in eine bessere Zeit . Wohl , es war ihr so frei geworden an diesem Tag , aber sie wollt es noch freier haben , und als sie , bei Dunkelwerden , in ihre Wohnung zurückkehrte , drin die treffliche römische Wirtin außer dem hohen Kaminfeuer auch schon die dreidochtige Lampe angezündet hatte , beschloß sie , denselben Abend noch an ihre Schwester Jacobine zu schreiben , allerlei Fragen zu tun und nebenher von ihrem Glück und ihrer Reise zu plaudern . Und sie tat es und schrieb . » Meine liebe Jacobine . Heute war ein rechter Festestag und , was mehr ist , auch ein glücklicher Tag , und ich möchte meinem Danke so gern einen Ausdruck geben . Und da schreib ich denn . Und an wen lieber als an Dich , Du mein geliebtes Schwesterherz . Oder willst Du das Wort nicht mehr hören ? Oder darfst Du nicht ? Ich schreibe Dir diese Zeilen in der Via Catena , einer kleinen Querstraße , die nach dem Tiber hinführt , und wenn ich die Straße hinuntersehe , so blinken mir , vom andern Ufer her , ein paar Lichter entgegen . Und diese Lichter kommen von der Farnesina , der berühmten Villa , drin Amor und Psyche sozusagen aus allen Fensterkappen sehen . Aber ich sollte nicht so scherzhaft über derlei Dinge sprechen , und ich könnt es auch nicht , wenn wir heute nicht in der Kapelle gewesen wären . Endlich , endlich ! Und weißt Du , wer mit unter den Zeugen war ? Unser Hauptmann von Brausewetter , Dein alter Tänzer von Dachrödens her . Und lieb und gut und ohne Hoffart . Und wenn man in der Acht ist , die noch schlimmer ist als das Unglück , so hat man ein Auge dafür , und das Bild , Du weißt schon , über das ich damals so viel gespottet und gescherzt habe , es will mir nicht aus dem Sinn . Immer dasselbe Steinige , steinige . Und die Stimme schweigt , die vor den Pharisäern das himmlische Wort sprach . Aber nichts mehr davon , ich plaudre lieber . Wir reisten in kleinen Tagereisen , und ich war anfänglich abgespannt und freudlos , und wenn ich eine Freude zeigte , so war es nur um Rubens willen . Denn er tat mir so leid . Eine weinerliche Frau ! Ach , das ist das Schlimmste , was es gibt . Und gar erst auf Reisen . Und so ging es eine ganze Woche lang , bis wir in die Berge kamen . Da wurd es besser , und als wir neben dem schaumenden Inn hinfuhren und an demselben Nachmittage noch in Innsbruck ein wundervolles Quartier fanden , da fiel es von mir ab , und ich konnte wieder aufatmen . Und als Ruben sah , daß mir alles so wohltat und mich erquickte , da blieb er noch den folgenden Tag und besuchte mit mir alle Kirchen und Schlösser und zuletzt auch die Kirche , wo Kaiser Max begraben liegt . Es ist derselbe von der Martinswand her und derselbe auch , der zu Luthers Zeiten lebte . Freilich schon als ein sehr alter Herr . Und es ist auch der , den Anastasius Grün als Letzten Ritter gefeiert hat , worin er vielleicht etwas zu weit gegangen ist . Ich glaube nämlich nicht , daß er der letzte Ritter war . Er war überhaupt zu stark und zu korpulent für einen Ritter , und ohne Dir schmeicheln zu wollen , find ich , daß Gryczinski ritterlicher ist . Sonderbarerweise fühl ich mich überhaupt eingepreußter , als ich dachte , so daß mir auch das Bildnis Andreas Hofers wenig gefallen hat . Er trägt einen Tiroler Spruchgürtel um den Leib und wurde zu Mantua , wie Du vielleicht gehört haben wirst , erschossen . Manche tadeln es , daß er sich geängstigt haben soll . Ich für mein Teil habe nie begreifen können , wie man es tadeln will , nicht gern erschossen zu werden . Und dann gingen wir über den Brenner , der ganz in Schnee lag , und es sah wundervoll aus , wie wir an derselben Bergwand , an der unser Zug emporkletterte , zwei , drei andre Züge tief unter uns sahen , so winzig und unscheinbar wie die Futterkästchen an einem Zeisigbauer . Und denselben Abend noch waren wir in Verona . Das vorige Mal , als ich dort war , hatt ich es nur passiert , jetzt aber blieben wir einen Tag , weil mir Ruben das altrömische Theater zeigen wollte , das sich hier befindet . Es war ein kalter Tag , und mich fror in dem eisigen Winde , der ging , aber ich freue mich doch , es gesehen zu haben . Wie beschreib ich es Dir nur ? Du mußt Dir das Opernhaus denken , aber nicht an einem gewöhnlichen Tage , sondern an einem Subskriptionsballabend , und an der Stelle , wo die Musik ist , rundet es sich auch noch . Es ist nämlich ganz eiförmig und amphitheatralisch , und der Himmel als Dach darüber , und ich würd es alles sehr viel mehr noch genossen haben , wenn ich