griff endlich doch in die Kassenschublade und zählte das verlangte Geld auf den Tisch , alles ohne ein Wort zu sagen . Er hatte Angst vor mir , das war ganz sicher . Er und ich , wir sprachen von der Sache nicht weiter , und das Los blieb in meiner Tasche . Die vierzehn Tage vergingen wie alle anderen , ich las und trank , rauchte oder schlief und war immer schlecht gelaunt . An den Gewinn dachte ich schon längst nicht mehr . Da erschien eines Abends der Händler wieder , als gerade das Gastzimmer Kopf an Kopf besetzt war . Er winkte mir schweigend , ihm zu folgen . Gewonnen , flüsterte er , als wir draußen vor der Tür standen , gewonnen ! Ich habe das Geld mitgebracht . Wieviel lassen Sie mich verdienen , wenn ich es gleich auszahle ? Hinter uns erschien in diesem Augenblick wie ein schwarzer Schatten der Alte . Was gibt ' s ? fragte er , hat das Los gewonnen ? Der Mann hob warnend den Finger . Pst ! flüsterte er , nicht so laut , die anderen merken es . Das schöne Geld könnte gestohlen werden . Es ist eine große Summe , und ich bin ein geschlagener Mann , wenn mich Diebe überfallen . Nachher wollen wir alles besprechen , wenn die Gäste fort sind . Er ging voran in das Zimmer , und ich folgte ihm , halb berauscht vor Freude . Also endlich sollte meine Erlösungsstunde schlagen , endlich sollte ich wieder Geld besitzen , viel Geld , wie der Mann gesagt hatte ! - Ach , dieses Gefühl , diese rasende Freude . Ich trank und trank , bis meine Augen die Dinge ringsumher nicht mehr mit Sicherheit unterscheiden konnten . Ich wollte das langweilige Dorf verlassen , mit dem schnell erworbenen Reichtum in eine größere Stadt ziehen und dort durch Leihgeschäfte mühelos immer mehr Geld verdienen , ich schmiedete Pläne über Pläne , und in allen spielte mein Vermögen die Hauptrolle . Karten und Würfel gingen von Hand zu Hand , ich trank und verlor viel Geld , aber ich lachte darüber . Was machte das aus , da ich ja reich war ! Aber wieviel mochte es nur sein ? - Heute blieben auch die Gäste länger als sonst . Ungeduld brannte in allen meinen Adern . Mitternacht war vorüber , als endlich die letzten halbbetrunkenen Bauern abzogen . Jetzt waren außer mir selbst nur noch mein Vater und der Händler im Schenkzimmer . Die Tante saß nickend in der Küche . Wieviel ist es ? fragte flüsternd der Alte , und : wieviel ist es ? wiederholte ich zitternd vor Begier . Der Mann sah von einem zum andern . Zwanzigtausend harte Taler , raunte er . Habe es ja gesagt , die Sechsundzwanzig ist eine Glücksnummer . Was soll ich haben , wenn ich das Geld gleich auszahle anstatt in sechs Wochen ? Mir flirrte und flunkerte es vor den Augen . Tausend Taler ! rief ich sofort . Das ist fürstlich bezahlt , also zahl das Geld aus ! Da legte sich eine Hand auf meine Schulter . Langsam , langsam , rief der Alte , was geht es dich an , wieviel ich dem Händler geben will ? Du ? Ich starrte ihn an , unfähig , mehr als das eine Wort herauszubringen . Natürlich , bestand er , das Geld gehört mir , ich habe das Los bezahlt und kann zehn Zeugen bringen , daß ich die Wahrheit sage . Heißer rann es durch meine Adern . Mir hast du das Geld geliehen , schrie ich , und du kannst es zurückerhalten , sobald mir das Geld ausbezahlt ist . Gib her , Mann , hier hast du das Los und tausend Taler sind für dich ! Der Mann griff nach dem Papier . Ein solches Trinkgeld bot ihm bestimmt niemand , am wenigsten aber der habsüchtige Alte . Er stand deshalb ganz auf meiner Seite und begann hastig die Kassenscheine auf den Tisch zu zählen . Dann machte er sich davon , so rasch ihn die Füße trugen . Der Vater legte seine Hand auf das Geld . Mir gehört es , raunte er , und ich werde es behalten . Ergib dich im Guten , oder - Ich sah ihm aus nächster Nähe ins Auge . Oder ? zischte ich . Du wanderst morgen ins Gefängnis . Ich habe das Los bezahlt , ich bin hier im Dorf als anständiger Mann bekannt , ich betreibe ein ehrliches Handwerk , du aber bist ein Tagedieb und Herumtreiber , der jetzt auch noch seinen alten Vater bestehlen will ! Die Habgier mußte ihn völlig verblenden , mir so drohend gegenüberzutreten . Ein Schein nach dem andern verschwand in seinen Taschen . Und da , Kameraden , da war ' s um mich geschehen . Er hatte das Wort stehlen ausgesprochen , hatte meine Ehre tief verletzt . Ich ergriff einen schweren Hammer , der zufällig auf dem Tisch lag - - « Der alte Matrose hielt einen Augenblick inne . Kalter Schweiß perlte von seiner Stirn , die Stimme klang kaum verständlich - Unter den Leuten herrschte Totenstille - - » Vor meinen Augen war alles rot , wie zuckende Blitze « , fuhr er nach einer Pause fort . » Ich weiß nur noch , daß mir die völlige Besinnung erst später zurückkehrte . Und da war ich nüchtern auf einen Schlag . Vor mir am Boden lag mit gespaltenem Schädel mein Vater , und seine gebrochenen Augen schienen starr zu dem Mörder aufzusehen . Langsam rann das Blut über die Kassenscheine , die er im Fallen mit sich vom Tisch gerissen hatte . Alles war totenstill um mich herum , nur ein eintöniges leises Geräusch hörte ich , ganz leise wie das Ticken einer Uhr . Es war Blut , das langsam über die Stufen der Kellertreppe hinabtropfte und in mir ein eisiges Grauen wachrief