kaufen und damit eine Freude machen zu können . Die Stände ( Buden ) der aus ganz Vorarlberg und noch weiterher gekommenen Krämer sind den ganzen Tag derart belagert , als ob da um halbe Preise verkauft würde , obwohl vielmehr das gerade Gegenteil der Fall zu sein pflegt . An diesem Tage wird mancher noch unerfahrene Vogel gerupft ; am meisten aber scheint man es auf die ziemlich vollen Beutelchen der Sennen abgesehen zu haben , die dieses Fest gewissermaßen als das ihrige betrachten , weil sie da die Erzeugnisse der Alpenwirtschaft zu verhandeln pflegen . Man erkennt sie schon an den Hüten als Älpler , da auf diesen neben den Rosmarinstengeln der Geliebten auch die seltensten , zu dieser Zeit nur noch auf den höchsten Bergen wachsenden Frühlingsblumen zu stecken pflegen . Die Sennen sind neben den großen Alpenbesitzern die Helden des Tages . Aber diese Ehre ist eben nicht umsonst . Man scheint sie dafür herzunehmen , daß sie , die den ganzen Sommer nie aus der Alp kamen , nun schon seit Monaten kaum einem Menschen einen Kreuzer verdienen und gewinnen ließen . Manchem geht in seinem Eifer , zu geben und zu erfreuen , beinahe der halbe Sommerlohn drauf . So wird denn der schäbige Eigennutz der Wirte und Krämer zum dunkeln Hintergrund , von dem sich die Gutmütigkeit der Festgäste um so schöner abhebt . Es ist die Freude am Umgang mit Menschen und an ihren Werken , die die Bewohner der einsamen Alpen unvorsichtig macht , wo sich ' s ja doch nur um Kreuzer und Batzen handelt . Die wohlbeleibten Käse- und Butterhändler , die , von Sennen und Alpenbesitzern umgeben , beim Kaufhause stehen , der Schellengießer , bei dem die Älpler für den Tag der Heimfahrt sich einrichten , und auch die Tuch- und Lederhändler wissen davon zu erzählen , daß diese Leute schon noch rechnen können , sobald ihr gutes Herz nicht mehr mit im Spiel ist . Auf dem Platz unter der Kirche , rechts und links , wird den ganzen Tag hindurch gehandelt und gelärmt , daß kein Mensch mehr etwas hört vom Tosen der Ach , die sich hart neben dem Platze zwischen niedergestürzten Trümmern des hochaufragenden Fluhfelsens dem Schnepfauer Walde zuwälzt . Die sagenumwobene Kanisfluh und die stolze Liggsteinpyramide schauen ernst und still auf das bunte Getriebe herunter . Doch was kümmern die tausend Geschäftigen hier die ernsten Berge mit ihren dunkeln Tannen und den wunderbaren Sagen ? Nur die buschigen , wunderbar duftenden Bergblumen und Alpenrosen auf den Hüten der Sennen vermögen die Blicke der Mädchen zu fesseln , die immer ungeduldiger auf die Tanzstunde warten . Beinahe unerträglich wird nachmittags nach der Vesper die Lage derjenigen , die den Ihrigen noch nicht gesehen oder doch noch nicht gesprochen haben , obwohl ihnen ihre Brüder und Freundinnen schon vor einer Weile sagten , daß » seine « Geschäfte bereits abgetan seien und » er « nun jeden Augenblick kommen müsse . Ihre Ungeduld hinter einem Lächeln verbergend , stehen die Wartenden dutzendweise auf dem etwas erhöhten Eingang zur Brücke , welche über die Ach führt , und überblicken immer wieder mit einem leisen Seufzer verstohlen den Platz , während sie , scheinbar die Lustigsten , mit jedem Vorübergehenden ein recht lautes Gespräch anzufangen suchen . Bei diesen stand heut ' auch des Krämers Zusel in aller Pracht und Herrlichkeit , noch schöner , frischer , als da sie zum erstenmal als Biggel auftrat Sie hatte beinahe ihre Freude am Ärger ihrer ehemaligen Schulgefährtinnen , den die immer ungeduldiger Wartenden ihrem Scharfblicke vergebens zu verbergen suchten . Warum auch trauten diese Tröpflein einem Mannsbild und banden ihre Hoffnungen , ihr Glück , die ganze Zukunft an seine Launen fest ? Früher freilich - noch als unerfahrenes Kind - hätte auch sie lange so hier stehen und , ihre De- und Wehmut hinter einem bittersüßen Lächeln so gut als eben möglich verbergend , auf ihn warten können . Nun aber war das denn doch überwunden ... Statt nur gezwungen zu lächeln , konnte sie lachen über ihren guten Heuer , den sie nicht eine Minute lang aus dem Auge verlor . Dort drüben stand er bei einigen Bekannten und drehte sich auf den hohen Absätzen der noch gestern abends geflickten Stiefel herum , daß die silberne Uhrkette flog , an welcher sich - wie Neider und Spötter behaupteten - in wohlverwahrter Tasche ein neugewachsener Erdäpfel befinden sollte . Sei dem nun , wie ihm wolle , die silberbeschlagene Tabakspfeife war entschieden nur entlehnt . Der Heuer aber wußte sich damit zu stellen , daß einem ordentlichen Bäuerlein beinahe angst neben ihm werden mußte . Die Blicke aber , die er dann der Zusel drüben vor der Brücke zuschießen ließ , waren denn doch wieder so demütig bittend , daß man es wirklich bewundern mußte , wie diese nur im Kopfumdrehen wieder so streng und stolz und kalt werden konnten . Alles Drängen und Drücken brachte ihn nicht weg von seinem Platze zwischen der bereits heisern Obsthändlerin und dem Laden des Buchbinders , mit dem er zuweilen um den Preis eines silberbeschlagenen Gebetbuches stritt und sich schließlich , als der Buchbinder nachzugeben begann , in seiner Verlegenheit noch derart erhitzte , daß er von dem in den nahen Bergen schon furchtbar tosenden Herbststurme nichts bemerkte , bis das Fluchen des Buchbinders und der übrigen Krämer ihn auf ein Naturereignis aufmerksam machte , welches jetzt gerade recht kam , um seine Geldnot zu verbergen . Die Berge waren schon ganz dunkel , wie glühend rot auch die Abendsonne über den Schnepfauer Wald , der immer näher und näher zu kommen schien , hereinleuchten mochte . Jetzt war alles ganz still , dennoch schien ein gewaltiger Sturmwind alles und alle zu erfassen und zu drehen . Die Krämer begannen so schnell als möglich einzupacken , denn es nahm wohl nur noch der Wind etwas von ihrer Ware mit . Viele Bauern eilten zum Pfarrer und baten ihn , die