welche darauf stand , hielt das Ehrgefühl und die Achtung , welche die Baubrüder überall genossen , selbst der Nimbus des Geheimnißvollen , der sie umgab , davon zurück , die geweihte Sprache einem Profanen mitzutheilen , und die Geschichte der Bauhütten hat kein Beispiel dafür , daß dies je ein freier Maurer gethan und seinen Schwur des Schweigens gebrochen hätte . Diese geweihte Sprache war für die Bauleute unter sich Mittel der Mittheilung , besonders zu der Zeit , da die Schreibkunst noch zu den seltenen Künsten gehörte , und auch später , wo die viel beschäftigten Steinmetzen selten Zeit fanden sie zu üben . Auch die Lehrlinge wurden gleichsam spielend mit Sinn und Bedeutung der Symbole vertraut , da sie dieselben täglich vor Augen hatten und bei der Arbeit den Unterricht der älteren Kameraden benutzten . Natürlich gab es auch hier wieder verschiedene Grade , und dem Lehrling enthüllte sich nicht gleich das Ganze der Albertinischen Baulehre . Ein Symbol war oft erst wieder das Symbol eines Symbols für einen höheren Begriff , der nur den Gesellen deutlich war , und Manches war wieder noch diesen , oder doch manchen unter ihnen verschlossen , was der Werkmeister im höheren Sinne aufzufassen verstand . Diese Meister machten die Projecte , Aufrisse und Grundpläne nach dem Grundsatz des Acht- und Sechsortes . Danach mußten die Gesellen in der Hütte die Profile auf dem winkelrecht behauenen Stein aufreißen und rein ausarbeiten . Man bediente sich dazu der Maßbretter , schablonenartig geschnittene Bretter , welche auf den Stein gelegt wurden und diese danach behauen . Besonders war dies eine Arbeit der Lehrlinge , indeß die Gesellen mehr nach selbständigen Entwürfen aus dem Freien arbeiteten . König Max , der in seiner Jugend eben Alles zu lernen suchte , und der in der Mathematik und Geometrie genug Kenntnisse besaß , um bei seinen Fähigkeiten schnell die ersten Grade der freien Steinmetzkunst durchlaufen zu können , hatte sich in der Bauhütte zu Wien als Mitglied aufnehmen lassen , denn Niemand , selbst fürstliche und geistliche Personen nicht , durften die Bauhütte betreten , noch einer Zeche oder einem Hüttentage beiwohnen , wenn sie nicht selbst Mitglieder waren : nur solchen , welche das Paßwort zu geben vermochten , öffnete sich die Bauhütte , darum mußte der König heute auch alle seine Begleiter von sich lassen , weil sie sämmtlich zu den Profanen gehörten . Der Propst Anton Kreß und der Hüttenmeister hatten die Ehre seine nächsten Begleiter zu sein . Niemand nannte ihn hier König oder Majestät , sondern Alle redeten ihn nicht anders an , denn mit Du und Bruder Max . Der König besichtigte den neuen Bau an der Lorenzkirche mit Kennerblick , und da alle Baubrüder an ihre Arbeit gingen , legte er selbst mit Hand an ' s Werk , um zu zeigen , daß er die Baukunst noch in jedem Stück verstehe . Bald stand er auf der höchsten Gerüstspitze des neuen Thurmes mit einem Fuß , indeß er mit dem anderen nach seiner waghalsigen Gewohnheit anderthalb Schuh weit in die Luft maß . Mit seiner Rechten schwang er die Kelle , und fügte den nächsten Stein ein , weil er , wie er sagte , nicht dagewesen sei , um den Grundstein zu legen . Unten auf dem Platz um die Kirche stand vieles Volk und jauchzte dem kühnen Fürsten zu , der so , fast dreihundert Fuß hoch , in schwindelnder Höhe über der Menge schwebte , als sei er es nicht anders gewohnt . Und die Steinmetzen lobten auch den Bruder Max , der es den kühnsten und geschicktesten unter ihnen gleich zu thun verstehe . Und wieder stieg er herab , stand vor der prächtigen Brautthür , über deren Portal die herrlichste , kunstvoll gearbeitete Fensterrose prangte , und welche die fünf klugen und thörichten Jungfrauen schön in Stein gemeißelt umstehen , und trat durch das erhabene Portal in den noch erhabeneren Raum . Der Propst , der ihn begleitete und sich nicht recht getrauen mochte , manche etwas zu tiefgehende Frage des Königs zu beantworten , hatte Ulrich neben sich gewinkt . Es bedurfte hier keiner Vorstellung . » Das ist das Monogramm des Bruders Ulrich , « sagte Kreß , auf ein Kreuz mit dem Winkelmaß durchschnitten deutend , das sich an einem Kapital befand , welches eine zierlich gearbeitete Krone von Eichenlaub schmückte . Das war der Vorstellung genug , denn Maxens Blicke , die mit Befriedigung auf den Werken ruhten , wandten sich in gleicher Weise zu dem Steinmetzen , dem es nun vergönnt war , an seiner Seite zu wandeln . Und so gingen sie durch den erhabenen Bau , der im reinsten gothischen Baustyl die Wunderwerke desselben verkündete . Wie war hier alles Starre an Pfeilern und Gewölben verschwunden , wie hatte sich hier Alles gelös ' t in ein durchaus gegliedertes und bewegtes Leben . Zu prachtvollen Säulen waren die Pfeiler emporgewachsen , und ringsum aus der Außenfläche ihres Kernes schwangen sich leichte Halbsäulchen und Röhrenbündel empor , daß die Masse des Pfeilers gleich der Garbe eines lebendig bewegten Springquells aus dem Boden aufgestiegen schien . In den Bögen , welche die Pfeiler verbanden , neigte sich diese Springfluth im rythmischen Spiele und doch in sicherer Geschlossenheit gegeneinander , an den Oberwänden des Mittelschiffs stieg sie in ungehemmter Kraft empor , an allen Linien des Gewölbes strahlte sie herüber und hinüber . Was noch an lastender Form die Seiten- und Oberwände hätte bilden mögen , verschwand dadurch , daß sie zu weiten und hohen Fenstern sich auseinander dehnten , während doch ein elastisch gespanntes Sprossenwerk in ähnlichen flüssigen Formen gebildet , allen Eindruck eines leeren Raumes aufhob . Die gesammte innere Architektur war zum Ausdruck von Kraft und Bewegung geworden ; sie zog die Sinne und das Gemüth des Beschauers unwillkürlich aufwärts , und doch war Alles von jenem klaren Ebenmaße erfüllt , welches mit der Bewegung zugleich die erhabenste Ruhe , mit der Kraft die edelste Majestät