gewiß auch gestern geglaubt haben , daß Regen komme . Sie begossen die Gewächse , weil ich es angeordnet habe , und weil es bei uns eingeführt ist , daß der , welcher wiederholt den Anordnungen nicht nachkömmt , des Dienstes entlassen wird . Es sind aber endlich auch noch andere Dinge außer den Tieren , welche das Wetter vorhersagen , nämlich die Pflanzen . « » Von den Pflanzen wußte ich es schon , und zwar besser als von den Tieren « , erwiderte ich . » In meinem Garten und in meinem Gewächshause sind Pflanzen , « sagte er , » welche einen auffallenden Zusammenhang mit dem Luftkreise zeigen , besonders gegen das Nahen der Sonne , wenn sie lange in Wolken gewesen war . Aus dem Geruche der Blumen kann man dem kommenden Regen entgegen sehen , ja sogar aus dem Grase riecht man ihn beinahe . Mir kommen diese Dinge so zufällig in den Garten und in das Haus ; Ihr aber werdet sie weit besser und weit gründlicher kennen lernen , wenn Ihr die Wege der neuen Wissenschaftlichkeit wandelt und die Hilfsmittel benützt , die es jetzt gibt , besonders die Rechnung . Wenn Ihr namentlich eine einzelne Richtung einschlagt , so werdet Ihr in derselben ungewöhnlich große Fortschritte machen . « » Woher schließt Ihr denn das ? « fragte ich . » Aus Eurem Aussehen , « erwiderte er , » und schon aus der sehr bestimmten Aussage , die Ihr gestern in Hinsicht des Wetters gemacht habt . « » Diese Aussage war aber falsch , « antwortete ich , » und aus ihr hättet Ihr gerade das Gegenteil schließen können . « » Nein , das nicht , « sagte er , » Eure Äußerung zeigte , weil sie so bestimmt war , daß Ihr den Gegenstand genau beobachtet habt , und weil sie so warm war , daß Ihr ihn mit Liebe und mit Eifer umfaßt ; daß Eure Meinung desohngeachtet irrig war , kam nur daher , weil Ihr einen Umstand , der auf sie Einfluß hatte , nicht kanntet , und ihn auch nicht leicht kennen konntet ; sonst würdet Ihr anders geurteilt haben . « » Ja , Ihr redet wahr , ich würde anders geurteilt haben , « antwortete ich , » und ich werde nicht wieder so voreilig urteilen . « » Ihr habt gestern gesagt , daß Ihr Euch mit Naturdingen beschäftiget , « fuhr er fort , » darf ich wohl fragen , ob Ihr eine bestimmte Richtung gewählt habt , und welche ? « Ich war durch die Frage ein wenig in Verwirrung gebracht , und antwortete : » Ich bin doch im Grunde nur ein gewöhnlicher Fußreisender . Ich besitze gerade so viel Vermögen , um unabhängig leben zu können , und gehe in der Welt herum , um sie anzusehen . Ich habe wohl vor kurzem alle Wissenschaften angefangen ; aber davon bin ich zurückgekommen , und habe mir nur hauptsächlich die einzelne Wissenschaft der Erdbildung zur Aufgabe gemacht . Um die Werke , welche ich hierin lese , zu ergänzen , suche ich auf den Reisen , die ich in verschiedene Landesteile mache , zu beobachten , schreibe meine Erfahrungen auf , und verfertige Zeichnungen . Da die Werke vorzüglich von Gebirgen handeln , so suche ich auch vorzüglich die Gebirge auf . Sie enthalten sonst auch vieles , das mir lieb ist . « » Diese Wissenschaft ist eine sehr weite , « entgegnete mein Gastfreund , » wenn sie in der Bedeutung der Erdgeschichte genommen wird . Sie schließt manche Wissenschaften ein , und setzt manche voraus . Die Berge sind wohl jetzt , wo diese Wissenschaft noch jung ist , und wo man ihre ersten und greifbarsten Züge sammelt , von der größten Bedeutung ; aber es wird auch die Ebene an die Reihe kommen , und ihre einfache und schwerer zu entziffernde Frage wird gewiß nicht von geringerer Wichtigkeit sein . « » Sie wird gewiß wichtig sein « , antwortete ich . » Ich habe die Ebene und ihre Sprache , die sie damals zu mir sprach , schon geliebt , ehe ich meine jetzige Aufgabe betrieb , und ehe ich die Gebirge kannte . « » Ich glaube , « entgegnete mein Begleiter , » daß in der gegenwärtigen Zeit der Standpunkt der Wissenschaft , von welcher wir sprechen , der des Sammelns ist . Entfernte Zeiten werden aus dem Stoffe etwas bauen , das wir noch nicht kennen . Das Sammeln geht der Wissenschaft immer voraus ; das ist nicht merkwürdig ; denn das Sammeln muß ja vor der Wissenschaft sein ; aber das ist merkwürdig , daß der Drang des Sammelns in die Geister kömmt , wenn eine Wissenschaft erscheinen soll , wenn sie auch noch nicht wissen , was diese Wissenschaft enthalten wird . Es geht gleichsam der Reiz der Ahnung in die Herzen , wozu etwas da sein könne , und wozu es Gott bestellt haben möge . Aber selbst ohne diesen Reiz hat das Sammeln etwas sehr Einnehmendes . Ich habe meine Marmore alle selber in den Gebirgen gesammelt , und habe ihren Bruch aus den Felsen , ihr Absägen , ihr Schleifen und ihre Einfügungen geleitet . Die Arbeit hat mir manche Freude gebracht , und ich glaube , daß mir nur darum diese Steine so lieb sind , weil ich sie selber gesucht habe . « » Habt Ihr alle Arten unsers Gebirges ? « fragte ich . » Ich habe nicht alle , « antwortete er , » ich hätte sie vielleicht nach und nach erhalten können , wenn ich meine Besuche stettig hätte fortsetzen können . Aber seit ich alt werde , wird es mir immer schwieriger . Wenn ich jetzt zu seltnen Zeiten einmal an den Rand des Simmeises hinaufkomme , empfinde ich , daß es nicht mehr ist wie in der Jugend , wo man keine Grenze kennt als das Ende des