freilich titulierten ihn auch Esel oder so . Das waren aber nur die , welchen er , dasselbe Epitheton gegeben hatte - was er oft sogar schriftlich , schwarz auf weiß , tat . Gut , dieser Mensch hatte eigentlich nur wenig wahre Freunde ( Bekannte genug ) , denn er war so eine Art von Vagabond , wenn auch nicht in der schlimmsten Bedeutung des Worts . Er war ein Literat . Zu den Freunden , die ihn ertrugen und nicht Esel nannten , gehörte erstens ein Schulmeister namens Roder , zweitens ein ältlicher Herr , Wachholder genannt , und drittens - ein junges Mädchen ( beruhige dich , Nannette , sie war höchstens elf Jahr alt , als wir schieden ) , namens Elise Ralff . Wir wohnten in einer großen Stadt , wo es viel Staub gibt und aus der sie mich , höchstwahrscheinlich aus Sorge um meine Gesundheit , wegjagten , weil jener Staub mich stets zum Husten brachte , ziemlich dicht zusammen und betrugen uns gegeneinander , wie gute Freunde sich betragen müssen . Sogar der Pudel Rezensent , mein vierter Freund , fühlte oft eine menschliche Rührung darüber , wie es in der Tat ein vortreffliches Vieh ist , was du auch dagegen sagen magst , Nannerl ! Und nun höre - grimme Othelloin , das Liebe und Getreue gilt den drei Freunden und halt nicht einem Frauenzimmer , du Eifersucht ! Da wir nun aber einmal dabei sind , so laß dir auch weitererzählen , liebe Nannette . Mit diesen Freunden lag ich an dem Tage , an welchem ich den letzten Staub von den Füßen über jene Sand-Stadt schüttelte , in einem Holze , wo wir den ganzen Tag über Vogelnester gesucht , Blumen gepflückt und Märchen erzählt hatten , als auf einmal ein Gefühl bodenloser Einsamkeit und moralischen Katzenjammers usw. usw. über mich kam . Da stieg plötzlich , mitten im grünen Walde , wo die Vögel so lustig sangen und die Sonne so hell und fröhlich durch die Zweige schien , ein Gedanke in mir auf , ein Gedanke an ein kleines hübsches Mädchen , mit welchem ich einst zusammen gespielt und an das ich oft - oft gedacht hatte in spätern Jahren . - Daran aber dacht ich in dem Augenblick nicht , daß zwischen dem Kinderspiel und dem Waldtage so lange Zeit lag ; - ich dachte - ich dachte : Heinrich , warum gehst du nicht nach München , wo du geboren bist , wo dein - Onkel Pümpel , wo dein - kleines liebes Mühmchen Nannette wohnt ? Wie ein Lichtstrahl , viel heller und fröhlicher als die Sonne -durchzuckte mich das , ich sprang auf , warf den Hut in die Luft und schrie : Hurra , ich gehe nach München zu meinem Onkel Pümpel , zu meiner Kusine Nannerl ! - Die Freunde sahen mich verwundert und lächelnd an , und der Lehrer Roder sagte : Junge , das wäre prächtig , wenn du - solide würdest ! ( Gib mir einen Kuß , Schatz , und ich erzähle weiter . ) Sieh , da wand die kleine Liese Ralff dem Pudel einen hübschen Waldblumenkranz um den Pelz , sie drückten mir alle die Hand - das kleine Mädchen weinte sogar - und - - - ich ging nach München . Lange Jahre waren hingegangen , seit ich meine Vaterstadt nicht gesehen hatte , und ganz wehmütig gestimmt schritt ich in der Abenddämmerung durch die alten bekannten Gassen der Altstadt . Da lag das Haus meiner Eltern - Fremde wohnten darin . Ich lugte durch die Ritze eines Fensterladens und sah zwei Kinder , die allein am Tische bei der Lampe saßen ; sie waren sehr eifrig in ein Gänsespiel vertieft , und ich dachte an unsere Jugend , Nannerl , und das Herz ward mir immer schwerer . - Seidelgasse Nr. 20 , da stand ich nun vor einem andern Haus . Dort hing ein altes wohlbekanntes Schild , Pümpel ' s Buchhandlung darauf gemalt . Der Laden war bereits geschlossen , der Onkel jedenfalls schon im Hofbräuhaus ; ein Lichtschein erhellte noch die Fenster des obern Stockwerks . Ich wagte kaum die Klingel zu ziehen . Endlich tat ich ' s aber doch . Mein Gott , ebenso jämmerlich klang die Glocke schon vor zehn Jahren . Schlürfende Schritte näherten sich - die Tür ging auf ; wahrhaftig , da war sie noch , die dicke Waberl , eher jünger als älter ! Der Pudel und ich hätten sie beinah über den Haufen geworfen ; sie kannte mich nicht und stand starr vor Schrecken und Verwunderung , als ich mit meinem vierbeinigen Begleiter in zwei Sätzen die Treppe hinauf war . Eine kleine , runde ... ( Au , mein Ohr ! Hör einmal , Nannette , das ist das Ohr , in welches es bei mir hineingeht , was wird das für eine Ehe abgehen , wenn du mir das abkneifst ! Nannette , ich würde in deiner Stelle mal das andere , zu welchem es herausgeht , nehmen ! ) Dame trat mir entgegen : Der Vater ist nicht zu Haus , mein Herr ! - - - Ich antwortete nicht , sondern nahm ihr das Licht aus der Hand - die kleine runde Dame erschrak ebenfalls gar sehr - und hielt es so , daß mir der Schein voll ins Gesicht fiel . Herr Gott , der Vetter Heinrich ! rief die kleine , rrr ... Dame . ( Nannette , sag mal , ich glaube , ich habe dir in dem Augenblick einen Kuß gegeben ? ) O welch abscheulicher Bart - - und eine Brille trägt er auch ! Waberl , Waberl , schnell nach dem Bräuhaus : der Vetter Wimmer sei da ! Ja , er war da , der Vetter Heinrich Wimmer , und der alte Onkel kam auch ; er umarmte den Landläufer und steckte ihn in seinen Sonntagsschlafrock : er wollte - -