Mann in der Burg , der weiß allen Zauber . Ein großes Buch hat er mitgebracht , das liest er unserer Herzogin vor , da steht alles drin geschrieben , wie man die in der Luft zwingt und die in der Erde und die im Wasser und Feuer , die lange Friderun hat ' s den Knechten heimlich erzählt , die Herzogin hab ' ihn verschrieben , daß das Herzogtum fester werde und größer , und daß sie jung und schön bleibe und ewig zu leben komme ... « » Ich will zum heiligen Mann gehen « , sprach Audifax . » Sie werden dich schlagen « , warnte Hadumoth . » Sie werden mich nicht schlagen « , sagte er , » ich weiß etwas , das biet ' ich ihm , wenn er mir den Zauber weist ... « Es war Abend worden . Die Kinder standen von ihrem Steinsitz auf - Ziegen und Gänse wurden zusammengerufen , wohlgeordnet , wie eine Heerschar , zogen sie den Burgweg hinauf und rückten in ihren Ställen ein . - Desselben Abends las Ekkehard der Herzogin den Schluß des ersten Buchs der Äneide , den Herr Spazzo tagszuvor unterbrochen : wie die Sidonierin Dido erstaunt bei des Helden Anblick ihn und die Seinen unter ihr gastlich Dach einladet , und beifällig nickte Frau Hadwig zu Didos Worten : » Mich auch hat ein gleiches Geschick durch mancherlei Trübsal Umgeschüttelt und endlich im Lande hier ruhen geheißen ; Fremd nicht blieb ich dem Kummer und lernt ' Unglücklichen beistehn . « Jetzt sendet Äneas den Achates zu den Schiffen , daß er ' s dem Sohn Ascanius ansage , denn ganz auf Ascanius ruht die zärtliche Sorge des Vaters . Frau Venus aber bewegt neue List im Busen , in Didos Herz soll der Liebe Flamme entzündet werden , da entrückt sie den Ascanius weit in den Hain Idalia und wandelt den Gott der Liebe in Ascanius ' Gestalt , die Flügel legt er ab , an Schritt und Gang ihm gleich stellt er sich mit den Troern in Karthagos Königsburg und eilt zur Königin hin - » mit den Augen an ihm , mit der Seele Haftet sie , oft auch im Schoß erwärmt ihn Dido und weiß nicht , Welch ein Gott ihr genaht , der Elenden ! Er , sich erinnernd Dein , acidalische Mutter , vertilgt des Sichäus Gedächtnis Allgemach und mit lebender Glut zu gewinnen versucht er Ihr längst kühleres Herz und der Seel ' entwöhnete Regung « . » Haltet ein « , sprach Frau Hadwig . » Das ist wieder recht schwach ausgesonnen . « » Schwach ? « frug Ekkehard . » Was braucht ' s den Gott Amor selber « , sprach sie . » Könnt ' es sich nicht ereignen , daß auch ohne Trug und List und sein Einschreiten des ersten Gemahls Gedächtnis in einer Witib Herzen zurückgedrängt würde ? « » Wenn der Gott selber das Unheil anstiftet « , sprach Ekkehard , » so ist Frau Dido entschuldigt und sozusagen gerechtfertigt - das hat wohl der Dichter andeuten wollen ... « Ekkehard mochte glauben , er habe eine feine Bemerkung gemacht . Frau Hadwig aber stand auf . » Das ist etwas anderes « , sprach sie spitzig , » sie bedarf also einer Entschuldigung . An das habe ich nicht gedacht . Gute Nacht ! « Stolz ging sie durch den Saal , vorwurfsvoll rauschte ihr langes Gewand . » Sonderbar « , dachte Ekkehard , » mit Frauen den teuern Virgilius lesen , hat Schwierigkeit . « Weiter gingen seine Gedanken nicht ... Andern Tags schritt er durch den Burghof , da trat Audifax , der Hirtenknabe zu ihm , hob das Ende seines Gewandes , küßte es und sah fragend an ihm hinauf . » Was hast du ? « frug Ekkehard . » Ich möcht ' den Zauber haben « , sprach Audifax schüchtern . » Was für einen Zauber ? « » Den Schatz zu heben in der Tiefe . « » Den möcht ' ich auch haben « , sprach Ekkehard lachend . » O , Ihr habt ihn , heiliger Mann « , sprach der Knabe . » Habet Ihr nicht das große Buch , aus dem Ihr unserer Herrin des Abends vorleset ? « Ekkehard schaute ihn scharf an , er ward mißtrauisch und gedachte der Art , wie er auf dem hohen Twiel eingeführt worden . » Hat dir ' s jemand eingegeben « , fragte er , » daß du so zu mir redest ? « » Ja . « » Wer ? « Da fing Audifax an zu weinen : » Hadumoth ! « sprach er . Ekkehard verstand ihn nicht . » Wer ist Hadumoth ? « » Die Ganshirtin « , sprach der Knabe schluchzend . » Du redest Torheit , geh deiner Wege ... « Aber Audifax ging nicht . » Ihr sollt mir ' s nicht umsonst geben « , sagte er , » ich will Euch was Schönes zeigen . Es müssen viele Schätze im Berg sein , ich weiß einen , der ist aber nicht der rechte . Ich möcht ' den rechten finden . « Ekkehard ward aufmerksam : » Zeig ' mir , was du weißt ! « Audifax deutete bergabwärts . Da ging Ekkehard mit ihm zum Burghof hinaus und die Stufen des Burgwegs hinunter ; auf des Berges Rückseite , wo der Blick zu des hohen Stoffeln tannigem Haupt hinüberstreift und zum hohen Höwen , bog Audifax vom Weg ab , sie gingen durchs Gebüsch , kahl , in verwittertem Grau strebte die Felswand vor ihnen zur Himmelsbläue empor . Audifax bog einen Strauch zurück und riß das Moos auf ; in dem grauen Klingstein , der des Berges Kern ist , ward eine gelbe Ader sichtbar ; in eines Fingers Breite zog sie durchs Gestein . - Audifax löste ein Stück ab , versteinten Tropfen gleich saß