daß ihre vier Gäule den - Spat haben - - « Der Ritter nickte beifällig , und der Handel war geschlossen . XVII Der Ritter und die Herzogin Der Ritter stand vor der Herzogin , und zierlich bog er sich hinab , ihre Hand zu küssen . Der Handkuß ist die beste Ouvertüre zu dem Gespräch mit einer Dame . Die Adligen kultivieren den Handkuß - wir Bürgerlichen höchstens die Kußhand . Die Adligen haben den Handkuß vor uns voraus ; es gibt nichts Passenderes und Graziöseres , als einer schönen Dame passend und graziös die Hand zu küssen . Während sich die Dame majestätisch emporrichtet und den Kopf in den seligen Nacken wirft , daß die kohlschwarzen Locken wie verliebte Schlangen um den alabasternen Hals flattern : beugt der Ritter seinen untertänigen Rücken und drückt den Kuß auf die zierliche , souveräne Rechte , höfliche Grüße winselnd , süße Beteuerungen und galante Lügen . Gibt es etwas Liebenswürdigeres als den Handkuß ? Wenn man mit der Hand anfängt , wer weiß , wo man aufhört ! Als Ritter Schnapphahnski der Herzogin Hand geküßt hatte , hob er sich langsam empor und ließ die erwartungsvolle Dame in ein Antlitz schauen , auf dem der Reiz der jugendlichsten Schüchternheit sich so geschickt mit der Frivolität der Erfahrung zu vereinigen wußte , daß der Herzogin unwillkürlich ein Seufzer entfuhr , ein Seufzer , wie sie ihn lange nicht geseufzt hatte , einer jener Seufzer , für die man gern eine Million gibt , für die man sich in Fetzen schießen läßt , für die man tausend Eide schwört , aber auch tausend Eide bricht ! Aus ihren besten Zeiten hatte sich die Herzogin diesen Seufzer aufbewahrt . Herr von Schnapphahnski erschrak ordentlich , daß die Herzogin noch so natürlich seufzen könne , und schnell die Hand aufs Herz legend , fragte er in so naivem Tone als nur irgend möglich : » Gilt dieser Seufzer Ihnen oder mir , gnädige Frau ? Ihnen kann er unmöglich gelten , denn in heiterer Hoheit sehe ich Sie vor mir thronen , erhaben über allen Seufzern , über jenen Lauten des Schmerzes und der Sehnsucht , die nur mir gehören - ja , gnädige Frau , Ihr Seufzer gehörte mir , er war mein Seufzer , er war die Huldigung , mit der ich Ihnen nahte , mit der ich mich über die Seufzerbrücke des Lebens zu Ihnen hinüberrettete ! « » Jedenfalls weiß dieser Schnapphahnski seine Phrasen abscheulich zu verdrechseln « , sagte der Baron , indem er den Grafen mehr in die Tiefe des Gemaches zog . Doch der Ritter war bereits im besten Zuge : » Am ersten Tage « , fuhr er fort , » lachte Gott und machte das Licht ; am zweiten wurde er noch heiterer und schuf den Himmel . Am dritten Tage wurde er ernst und trocken und schuf die trockne solide Erde ; doch am vierten wurde er phantastisch und erfand den Mond und die Sterne , und am fünften wandelte ihn endlich der Humor an , und er erschuf , was sich regt in den Höhn und den Tiefen - am sechsten Tage seufzte er aber und erfand den Menschen , er erfand die Liebe , und seit Jahrtausenden weht nun dieser Schöpfungsseufzer des sechsten Tages durch die Herzen aller Erschaffenen , einem ewigen Echo gleich , das von einer Seele zu der andern widertönt , immer neue Töne schaffend , Töne der Freude und Töne des Schmerzes , harmonische und herzzerreißende . « » Es ist schade , daß der Ritter kein Pastor wurde « , murmelte der Baron in das Ohr des Grafen . » Sehn Sie nur , wie er gestikuliert : wie ein verrückt gewordener Telegraf ! Hat man je etwas Tolleres erlebt ? « Die Herzogin hatte sich indes aufmerksamer emporgerichtet . Sie warf den roten Kaschmirschal in geheimnisvollere Falten , und dem Ritter das adlige Profil zeigend , den Handschuh der zierlichen Hand und den kleinen Fuß , erwiderte sie mit freundlichem Lächeln ? » Aber , in der Tat , Herr Ritter , Sie führen eine wahre Seufzerkonversation ; Sie müssen entsetzlich unglücklich sein - « » Entsetzlich ! gnädige Frau - « » Aber geistreiche Leute sollten nie unglücklich sein ; wenigstens sollten sie nie so sehr an ihrem Glück verzweifeln , daß sie sich länger als einen Tag lang ärgerten oder ennuyierten . - Sagen Sie mir aufrichtig , Herr Ritter , sind Sie seit gestern unglücklich oder seit heute ? « » Seit zehn Minuten , gnädige Frau ! « Der Ritter faltete die Hände und sah die Herzogin mit schwärmerischen Augen an . Die Herzogin hätte tausend Louisdor darum gegeben , wenn es ihr möglich gewesen wäre , in diesem Augenblick leise zu erröten . » Sehn Sie nur , wie er wedelt und scharwenzelt « , murmelte der Graf . - » Wie ein junger Hund vor einer alten Katze « , erwiderte der Baron . - » Ich hätte ihn nie für einen so großen Komödianten gehalten . « - » Er hat sich zehn Jahre lang jeden Tag vor dem Spiegel im Gestikulieren geübt . « - » Es ist gar kein Zweifel mehr , daß er die Herzogin erobert . « - » Gott sei gedankt , so erobere ich die vier Hengste ! « - Graf und Baron zogen sich etwas zurück , und unser Schnapphahnski fuhr fort , seine Liebesleiden so rührend zu entwickeln wie noch nie ein Ritter vor ihm . Mit jeder Sekunde wurde seine Beredsamkeit blumenreicher und ergreifender ; seine Worte galoppierten wie geflügelte Rosse über die Hindernisse der kitzlichsten aller Unterredungen . Wie ein Dichter in dem windstillen Raume seines Studierzimmers sich so lebhaft in den fürchterlichsten Sturm auf offener See versetzen kann , daß er während der Schilderung desselben unwillkürlich nach dem Kopfe greift , um den Hut festzuhalten , so wußte Herr von Schnapphahnski in der Nähe einer fast sechzigjährigen Dame derart