? - Weil ich wünschte , daß wir über gewisse politische Herzensneigungen sympathisiren und - - Eventuell dafür conspiriren möchten ? - Eventuell , wenn ' s sein muß , diplomatisiren möchten . - Wissen Sie denn nicht , daß es für einen Polizeichef schon gefährlich ist , wenn er überhaupt » politische Herzensneigungen « besitzt ? - Wenn er sie besitzt - nein ; aber wenn er diesen Besitz gesteht - ja . Doch wir beginnen bereits zu diplomatisiren , merke ich und ich wünschte , mit Ihnen in der That offen verkehren zu können . Es lag eine nicht zu verkennende Herzlichkeit in dem Tone des Polizeipräsidenten , so daß der Prinz nicht umhin konnte , ihm die Hand zu reichen . - Das können Sie - sagte er mit Wärme - indem er sich erhob . Arm in Arm verließen sie als wirkliche Freunde den Saal , in dem die Vorlesung bereits begonnen hatte . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Man wird sich erinnern , daß später Herr v. M. - wie man sagte , wegen zu großer Popularität seines Postens enthoben und auf - Reisen geschickt wurde . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Als sie die Linden hinabschritten , machte Herr v. M. den Prinzen auf die große Menge der nach der Versammlung unter den Zelten hin Ausströmenden aufmerksam . - Zwei Dritttheile von ihnen - sagte er - sind Neugierige , die mit demselben Interesse nach einer Menagerie wie nach einer Volksversammlung ziehen . Von dem übrig bleibenden Dritttheil derer , die aus wirklichem Interesse an der Sache theilnehmen , müssen wir mindestens ein neues Dritttheil Phantasten rechnen und ein anderes Dritttheil Unzufriedene aus Prinzip , oder Eigennützige , die aus Eitelkeit oder andern Motiven sich einen Namen erwerben wollen . Das letzte Dritttheil aber besteht aus Spionen und den wenigen ehrlichen und wirklich politischen Gebildeten . - - Was ist Ihnen , Prinz ? - wandte sich plötzlich Herr v. M. an diesen - Sie zittern . - Die Lippen des Prinzen zuckten convulsivisch , aber es drang kein Laut aus Ihnen hervor . Er deutete nur auf einen elegant gekleideten Mann vor ihnen , der mit einer an seinem Arm dahinschreitenden Dame in lebhaftem Gespräch begriffen war . Herr v. M. lächelte . Es ist der Chevalier St. Just - sagte er leise , wie zur Beruhigung des Prinzen . - Ich weiß es - flüsterte dieser - und die Dame ? - Die Dame - erwiederte Herr v. M. mit Unbefangenheit - ist eine gute Freundin von mir . Der Prinz athmete wieder auf : es war also nicht die Gräfin Bedford . - Eine gute Freundin des Polizeipräsidenten - meinte der Prinz , welcher sich zur Gleichgültigkeit zwang - in der That , ich hätte nicht gedacht , daß sogar Sie das allgemeine Schicksal theilten , betrogen zu werden . - Betrogen zu werden ? - wie so ? Weil meine gute Lucie mit dem Chevalier nach der Volksversammlung unter den Zelten geht ? Wahrlich , Sie haben recht , ich wäre nicht werth , Polizeipräsident zu sein , wenn meine Geliebte es wagen dürfte , mich auf offner Straße zu compromittiren . - Also wußten Sie um diesen Spaziergang ? - Er geschah auf meine ausdrückliche Bitte . - Ah so . Der Zweck ist also ein Staatsgeheimniß ? - Im Gegentheil : es geschah in Ihrem Interesse . - Sehr verbunden . Und Sie meinen , es wird Ihrer Freundin gelingen ? - Es ist bereits gelungen . Als wir sie passirten , hat sie mir den Stand der Dinge mitgetheilt . - Sie hat uns ja nicht bemerkt - sagte der Prinz , dessen Erstaunen wuchs . - Daß es Ihnen so schien , ist mir ein Beweis mehr für das Talent meiner Freundin . Doch ich vergaß , Sie zu fragen , ob Ihnen Baronin Alice über den Chevalier Mittheilungen gemacht ? - Ja , und wie mir dünkt , sehr wichtige . Erlauben Sie mir vorher eine Frage : Ist Ihnen der Name Gilbert bekannt ? - Gilbert ? - Gilbert ? sagte Herr v. M. mit bedächtigem Tone , als suche er in dem Schatze seiner polizeilichen Erinnerungen nach Etwas . - Ists mir doch , als hinge dieser Name mit einem gewissen Vorfall in Straßburg zusammen , der großes Aufsehen machte . Es handelte sich dabei um den Raub einer jungen Dame von hohem Adel , veranlaßt , wie man damals sagte , durch den Fürsten Lichninsky . Richtig , jetzt erinnere ich mich . Gilbert ist seit langer Zeit im Dienste des Fürsten und von diesem zu Mancherlei benutzt worden , zum Beispiel als Unterhändler bei der Herzogin Nagas und bei andern dergleichen Geschäften . Auch hier in Berlin hat er vor einigen Jahren eine Rolle gespielt . Er war es , welcher den famösen Perlhalsbandbetrug gegen die Solotänzerin Philippine durchführte , wegen dessen der Fürst von dem verstorbenen Könige aus Preußen verbannt wurde und nach Spanien ging . Gilbert ist von Geburt ein Deutscher , aus Wien , wenn ich nicht irre . Aus unbekannten Ursachen , das Gericht sagt : aus unglücklicher Liebe , ging er nach Frankreich und nannte sich nach seiner Mutter , welche eine Französin war , Gilbert . In Paris lernte er den Fürsten kennen , liirte und compromittirte sich mit ihm bei dem Straßburger Vorfall und wurde zu lebenslänglicher Galeerenarbeit verurtheilt . Er bewerkstelligte jedoch bald seine Flucht , trieb sich dann in Algier und Italien umher und kehrte unmittelbar vor der französischen Revolution nach Paris zurück . So weit reichen meine Berichte . Gestern ist mir dieser Name wieder hier in Berlin begegnet - bei welcher Gelegenheit , weiß ich mich nicht mehr