Nacht beschehen sei . Q. Warumb sie stöttere , sie sölle nur frei bekennen , daß ihre Straf geringer würd . Ob sie nit den alten Seden dorten dem Satan übergeben , daß er ihn durch die Luft geführet , und nur sein Hirn und Haare noch zum Theil oben in der Eichen geklebet ? R. Sie wisse nit , ob es sein Haar und Hirn gewest , auch nit , wie es dorten hinkommen . Weilen ein Grünspecht eines Morgens so jämmerlich geschrieen , wäre sie an den Baum getreten ; item , der alte Paasch , so das Geschrei auch gehöret , wäre ihr alsobald gefolget mit seiner Holzaxt . Q. Ob der Grünspecht nicht der Teufel gewesen , so den alten Seden selber gehohlet ? R. Das wisse sie nicht . Er müsse aber schon lange todt gewest sein , dieweil das Hirn und Blut so der Junge vom Baum gehohlet , schon betrucknet gewesen . Q. Wie und wann er denn zu Tode kommen ? R. Das wisse der allmächtige Gott . Es hätte wohl Zutern sein klein Mädchen ausgesaget , daß sie eins Tages als sie Nessel vor das Vieh an Seden seinem Zaun gepflücket , vernommen , daß der Kerl sein gluderäugigt Weib bedräuet : er wölle es dem Priester sagen , daß sie , wie er nunmehro gewißlich in Erfahrung gezogen , einen Geist habe , worauf der Kerl auch alsbald verschwunden sei . Doch wären solches Kinderreden , und wölle sie Niemand nit damit beschweren . Hierauf sahe abermalen Dn . Consul dem Haubtmann steif ins Angesicht , und sagte : die alte Lise Kolken müsse noch heute eingehohlet werden , worauf aber der Haubtmann keine Antwort gab , und er fortfuhre : Q. Sie verbleibe also dabei , daß sie Nichtes vom Teufel wisse ? R. Dabei verbliebe sie und werde sie verbleiben bis an ihr selig Ende . Q. Und doch hätte sie sich , wie Zeugen gesehen , von ihm an hellem Tage in der Sehe umbtaufen lassen . Hier verfärbete sie sich aber eins und hielt ein wenig inne . Q. Warumb sie sich wiederumb verfärbe ? sie sölle doch umb Gottes willen an ihre Seligkeit gedenken und die Wahrheit bekennen . R. Sie hätte sich in der Sehe gebadet , angesehen der Tag sehr heiß gewesen , das sei die reine Wahrheit . Q. Welche keusche Jungfer sich wohl in der Sehe bade ? du leugst oder wiltu etwan auch leugnen , daß du den alten Paassch sein klein Mägdlein durch einen Stuten behext ? R. Ach wohl , ach wohl ! Sie liebte das Kindlein wie ihr eigen Schwesterken , hätte sie nit blos mit allen andern umbsonst informiret , besondern auch in der großen Hungersnoth sich den Bissen oftmalen aus dem Munde gezogen und ihr denselben eingestecket . Wie sie darumb ihr solch Leid hätte zufügen mügen ? Q. Wiltu noch immer leugnen ? Ehre Abraham wie verstockt ist sein Kind ! - Schaue denn her , ist das keine Hexensalbe12 so der Büttel diese Nacht aus deinem Koffer gehohlet ? Ist das keine Hexensalbe , he ? R. Wäre nur eine Salbe vor die Haut , so darnach fein weiß und weich werden sölle , wie der Apotheker in Wolgast ihr gesaget , bei dem sie solche gekaufet . Q. Hierauf fuhr er kopfschüttelnd fort : Was ? Wiltu denn auch endlich noch leugnen , daß du diesen verschienen Sonnabend den 10ten July , Nachts umb 12 Uhrenden Teufel deinen Buhlen auf dem Streckelberg mit gräulichen Worten angerufen , er dir darauf als ein großer und haarigter Riese erschienen und dich umbhalset hab , und geherzet ? Bei diesen Worten wurd sie blasser denn ein Leich , und fing an also heftig zu wanken , daß sie sich an einen Stuhl halten mußte . Als ich elender Mensch , der ich wohl vor sie mich in den Tod geschworen , solches sah und hörete , vergingen mir die Sinnen , also daß ich von der Bank stürzete und Dn . Consul den Büttel wieder hereinrufen mußte , umb mir aufzuhelfen . Als ich mich in etwas wieder vermündert13 und der dreuste Kerl unsere gemeine Verstürzung sahe , schrie er greinende das Gericht an : Ist ' t rut , ist ' t rut , hett se gebichtet14 ? worauf Dn . Consul ihme abermals die Thüre wies mit vielen Scheltworten , wie man sich selbsten abnehmen kann , und will dieser Bub genug dem Amtshaubtmann immer die Vetteln zugeführet haben , wie es heißt , denn sonsten achte ich , wär er nicht so dreust gewesen . Summa : ich wäre fast umbkommen in meim Elend , wenn ich nicht das Röslein gehabt , so mit des barmherzigen Gotts Hülf mich wacker hielt , als nunmehro das ganze Gericht aufsprange , und mein hinfällig Kind bei dem lebendigen Gott und ihrer Seelen Seligkeit beschwore , nit ferner zu leugnen , sondern sich über sich selbsten , wie über ihren Vater zu erbarmen , und die Wahrheit zu bekennen . Hierauf thät sie einen großen Seufzer , und so blaß sie gewesen , so roth wurde sie , inmaßen selbsten ihre Hand auf dem Stuhl wie ein Scharlaken anzusehen war , und sie die Augen nit von dem Boden hube . R. Sie wölle auch jetzunder die reine Wahrheit bekennen , da sie wohl sähe , daß böse Leute sie des Nachts beschlichen . Sie hätte Birnstein vom Berge gehohlt , und bei der Arbeit nach ihrer Weiß , und umb sich das Grauen zu vertreiben , das lateinische Carmen gerecitiret , so ihr Vater auf den durchlauchtigsten König Gustavum Adolphum gesetzet , als der junge Rüdiger von Nienkerken der oftermalen in ihres Vaters Haus gekommen und ihr von Liebe vorgesaget , aus dem Busch getreten wäre , und da sie für Furcht aufgeschrieen , sie auf lateinisch angeredet und in seinen Arm genommen . Selbiger hätte einen großen Wulfspelz angehabt , damit die Leute