' s Geschmack war das nun freilich nicht und er sprach sich gegen Eduard darüber aus . Was kannst Du denn dagegen haben ? fragte ihn dieser . Ich mag solch lautes Glück nicht . Liebe bedarf nicht des Trompetentusches ; wahrhaft beglückt sie nur in der Stille , und solch ein Gepränge ist mir überhaupt zuwider . Sei nicht wunderlich , bedeutete ihn Eduard . Bis zum Sylvesterabend hast Du Dein Glück fast eine Woche lang still genossen , und Du mußt dann auch damit zufrieden sein , es auf die Weise bekannt machen zu lassen , die meinem Vater zusagt . Was gibt es da bekannt zu machen ? sagte Reinhard verdrießlich . Was kümmert es die Fremden ? Und die Bekannten ahnen es wohl Alle , seit sie mich täglich und zu allen Stunden in Eurem Hause sehen . Du glaubst es nicht , wie solche prunkende Schaustellungen mir zuwider sind . Prunkende Schaustellungen ? fragte Eduard ; die hat man meinen Eltern niemals vorgeworfen , und ich wüßte nicht , wie sie jetzt mit einem Male dazu kommen sollten ? Du meinst , sagte Reinhard rasch , die Verlobung mit einem Candidaten der Theologie sei eben kein Ereigniß , auf das man besonders stolz zu sein brauchte ! Da hast Du recht , und vielleicht bin ich so sehr gegen diese Ballparade , weil ich das selbst empfinde . Vielleicht wäre ich weniger dagegen , wenn ich mit Rang und Würden aufträte , so aber ...... In Eduard ' s Seele war wirklich kein Gedanke der Art gekommen . Er empfand seines Schwagers Aeußerung fast wie eine Beleidigung ; doch hatte er sich von je gewöhnt , in diesem Punkte , in dem Reinhard von kranker Empfindlichkeit war , Nachsicht und Schonung gegen ihn zu üben . Er ließ ihn also nicht zu Ende sprechen . Gönne uns doch die Freude , zu zeigen , daß Jenny eine Wahl getroffen , sagte er , die uns lieber ist , als alle Leute von Rang und Würden , die sie ausgeschlagen ! - Damit war die Sache abgethan ; aber Eduard fühlte , daß seines Vaters Ansicht von Reinhard nicht ungegründet sei , und auch ihm wurde bange , ob der , den er mit vollstem Vertrauen seinen Freund nannte , sich zu Jenny ' s Gatten eigne . Doch war das nur eine vorübergehende Idee , die bald verschwand , wenn er sah , wie Reinhard ' s ganzes Wesen , seine stolze Kälte , seine schroffe Abgeschlossenheit vor einem Blicke Jenny ' s sich in Liebe auflösten ; wie er in einer andern Luft zu athmen , Alles in anderm Lichte zu sehen schien , wenn er sich in der Nähe seiner Braut befand . Unter Vorbereitungen mancher Art kam der Sylvesterabend heran . Man hatte die Säle des Hauses mehr als gewöhnlich ausgeschmückt , und selbst die Freunde des Hauses ahnten heute irgend etwas Besonderes , obgleich Herr Meier immer Wohlgefallen daran hatte , sein Haus in einer gewissen Eleganz zu zeigen . Nach den ersten Tänzen wurde die Gesellschaft in das Treibhaus geführt , das für die Aufstellung der Tableaux eingerichtet war . Man hatte als erstes Bild Bendemann ' s » Trauernde Juden « gewählt , die in der letzten Ausstellung mit großem Beifall aufgenommen worden waren . Die breiten Thürflügel , welche das Treibhaus von dem Saale trennten , waren zurückgeschlagen . Sie bildeten einen Rahmen , der die Bilder einschloß , und ein allgemeiner Ruf der Bewunderung wurde laut , als das Aufziehen des Vorhanges das Bild enthüllte , für das die herrlichen Tropengewächse des Treibhauses den Hintergrund gaben . Steinheim , der den Greis darstellte , war durch seine kräftige Gestalt und sein ausdrucksvolles Gesicht , das durch den künstlichen Bart und die orientalische Kopfbedeckung an Bedeutung gewann , vortrefflich für seine Rolle geeignet . Eine junge Verwandte des Hauses , die seit einigen Jahren verheirathet und Mutter des Knaben war , dessen wir schon bei der Probe gedachten , stellte die junge Frau mit dem Kinde vor . Zu Steinheim ' s Füßen ruhte , verhüllten Angesichts , Therese , und , die rechte Hand auf die Laute gelehnt , das schöne Haupt auf den andern Arm gestützt , saß Jenny an Steinheim ' s Seite . Man konnte nichts Edleres , nichts Ergreifenderes sehen , als den Ausdruck hoffnungsloser Trauer in ihren jugendlichen Zügen . Darüber war nur Eine Stimme , daß diese Darstellung einen lebhafteren Eindruck mache , als Bendemann ' s Bild selbst , während sonst fast immer dergleichen weit hinter dem Originale zurück bleibt . Man konnte nicht genug sehen und bewundern , und Erlau mußte endlich , trotz aller Bitten , den Vorhang herunter lassen , um die Mitwirkenden nicht zu sehr zu ermüden . Kaum sah Reinhard seine Braut das Treibhaus verlassen , um ihr Costüm auf ihrer Stube zu wechseln , als er ihr nacheilte . Er wünschte sie einen Augenblick allein zu sehen , was ihm bis dahin nicht gelungen war , da er versprochen hatte , durch keine auffallende Annäherung den Aeltern die Freude der Ueberraschung zu verderben . Voll Liebe flog Jenny ihm entgegen ; ihre Arme schlangen sich um seinen Hals , und als er sie umfaßte , hob er die kleine anmuthige Gestalt in die Höhe und ließ sie nur ungern zur Erde hinunter , als sie lachend ausrief : Du weißt wohl , mein Himmel ist in Deinen Armen , aber da heute auf Erden Sylvester und Ball bei uns ist , so werde ich doch nun zu den Erdensöhnen hinuntereilen müssen , also laß mich fort ! bat sie und wollte sich ihm entziehen . Reinhard aber hinderte sie daran . Laß mich noch einmal in Deine Augen sehen , bat er . O ! rief er dann und küßte trunken Jenny ' s lange Wimpern , die süßen Augen sind ja licht und fröhlich - nun bin ich ruhig , nun geh '