Kirche gegangen bin ich nicht viel , es wollte sich mir so oft nicht schicken , und unserein hat gar so viel zu sinnen , ds Geistliche kann man nicht immer im Kopf haben , aber ich muß bekennen : allemal , wenn ich in die Kirche kam oder zum Nachtmahl , nahm ich mir vor , mehr zu gehen . Es wohlete mir allemal , es war mir fast der Seele nach , wie es mir ist , wenn ich zur Selteni einmal badete . Es düechte mich allemal , ich hätte mehr Mut und es habe mir wieder gluteret vor den Augen und ich könnte alles ruhiger nehmen . Es het mih mengist düecht , so wie wir ehemals alles , was wir öppe mit einander gehabt haben , im Beten haben liegen lassen , so sollte man im Sonntag alles liegen lassen , was die Welt einem die Woche über angehängt hat , und wie man am Sonntag ein sauberes Hemd anzieht , so sollte man auch die Seele säubern und reinigen , es würde manchen Unflat weniger geben auf der Welt . Aber wenn üsereim schon zuweilen etwas zSinn chunt , so ist man dann z ' hilässig , darnach z ' lebe , wenn es schon gut wäre . Aber es muß anders kommen , und am Sonntag komme ich gerne ; Gott und Menschen können dann sehen , ob wir einander lieb haben oder nicht . « Die Freude des wiedergewonnenen Glückes hielt den Schlaf ferne von ihrem Lager ; es dämmerte draußen , die Sonne stieg herauf , ihre freundlichen Strahlen kamen als liebliche Boten und döppeleten an die Augen der Menschen , daß sie schauen sollten des Herrn Herrlichkeit und schaffen ihre Werke , während der Herr dazu ihnen leuchte . Wonnereich und glücklich ging das alte Ehepaar in den jungen Tag hinein . Alles Übel war versenkte , und ein neues Leben blühte im Herzen , oder es war vielmehr das alte Leben , das neu aufgetaucht war unter dem Übel hervor , mit dem es bedecket und das jetzt abgeschüttelt war , und über das jetzt neunundneunzigmal mehr Freude war als ehedem , weil es verloren gewesen und wieder gefunden worden . Sie verkündeten ihre Freude nicht laut , gaben ihr keine besondern Worte , das Hauswesen ging seinen gewohnten Gang , aber ein seliger Friede leuchtete auf ihren Gesichtern , und es war recht rührend zu sehen , wie die alternden Leute sich nachträppeleten wie zwei junge narrochtige Eheleute am Tage nach der Hochzeit , wo jedes immer zu meinen scheint , das Andere könnte ihm noch darauslaufen . Alle Augenblicke hatte Christen in der Küche seine Pfeife anzuzünden und kaum war er daraus , so trappelete Änneli ihm schon nach und hatte ihn etwas zu fragen oder ihm etwas zu berichten . Schon das fiel den Kindern auf , aber sie frugen nicht . Als Resli mittags den Rossen kurzes Futter gab , kam der Vater zu ihm in den Stall , redete mit ihm über den Viehstand , frug , was er meine , ob nicht etwas zu ändern wäre , es wäre da vielleicht ein ordentliches Zwischenaus zu machen , und wenn er meine , so konnte er an den ersten Monatdienstag nach Bern ; dort mache man es immer am besten , und er müsse sich auch nach und nach ans Handeln gewöhnen , er müsse das doch einmal machen , und je früher man anfange , um so eher lerne man es und um so weniger müsse man Lehrgeld zahlen . Resli stund fast auf den Kopf und folgte dem Vater freundlich durch die Ställe , und was er meinte , fand der Vater gut . Fast ebenso ging es Annelisi mit der Mutter , die mit einander Kabis setzten . Die Mutter begann von Annelisis Garderobe , musterte sie mit ihr durch , sagte von Hemden , welche sie ihr wolle machen lassen , sobald man die Näherin herbeibringen könne , fand , ihr Sonntagstschöpli sei abgetragen und es mangle ein neues . Sie könne es machen , wie sie wolle , entweder schon am Abend zum Krämer und sehen , ob er etwas Anständiges hätte , oder warten , bis an einem Ort ein Märit sei , wo man bessere Auswahl hätte . Diese Reden der Mutter machten Annelisi fast wunderlich ; sie wußte nicht , war es ihr recht im Kopf oder nicht , und ihr Gewissen begann sich zu regen und zu fragen , ob das der Lohn sei für ihre gestrige Aufführung . Sie traute der Sache nur halb , wußte nicht , war es Ernst oder war das nur ein Anfang und hängte die Mutter noch etwas anderes dran ; sie gab daher nur halbeinläßlichen Bescheid und wartete immer , was noch käme . Da aber nichts nachkam als ein freundlich Wort dem andern und keine Vorwürfe und keine anderweitigen Vorschlage , da verwunderte sich auch Annelisi und dachte : Wenn es doch immer so wäre , aber es werde sich bald ändern . Aber es änderte nicht , nichts als freundliche Worte hörte man , neuer Trieb schien ins ganze Hauswesen zu kommen , lustig und munter schnurrte sein ganzes Räderwerk . Es war wie an warmen Märztagen , wenn warm die Sonnenstrahlen über die Erde strömen , das schlafende Leben wecken , es lustig zu surren anfängt über den Boden weg . Die Erde hat ihren Schoß geöffnet , Leben ohne Maß entströmet ihr , es beginnt sich zu färben die fahle Pflanzenwelt , und erkräftigt hebt hier und da ein welkes Pflänzchen sein grün gewordenes Haupt ; dem Menschen aber wird die Brust weit , munterer regen sich seine Kräfte , drängen ihn zu tätigerem Leben , das Herz öffnet sich zu Lob und Preis seines Schöpfers . Es ist Friede und Liebe eines elterlichen Paares die Haussonne ; verbirgt sie sich , so steht das Haus im Winter , von Frost umgürtet , von