vor längerer Zeit , Sie wären zu beschäftigt mit Ihrer Kunst , um Freude am geselligen Umgang zu finden , und als ich fragte , was Sie malten , entgegnete er : Bäume . Würden Sie die Gnade haben , mich einmal diese Bäume sehen zu lassen , welche Sie so lange verschattet haben ? « Faustine lachte . » Bäume , sagt Feldern , hätte ich gemalt ? das ist doch possierlich , nur Bäume auf meinen beiden Bildern zu sehen ! Wenn Sie Morgens kommen wollen , werd ' ich sie Ihnen zeigen . « » Morgen ? « verwandelte Mario ihr Wort . » O ja , morgen . « Er schied eben so beglückt , wie Clemens verdrießlich , und Faustine dachte : ein angenehmer Mann ! warum lernte ich ihn nicht früher kennen ? ich hab ' es meinem Absperrungssystem zu danken . Das taugt nie etwas ! die Cholera schließt es nicht aus , wol aber interessante Bekanntschaften . « Feldern ritt auf der öden , beschneiten Chaussee den wohlbekannten Weg zu der Braut . Im Hause begegnete er zuerst dem Vater und fragte hastig nach Cunigunden . » Es geht nicht besser , « sagte der alte Mann wehmüthig und eine zerdrückte Thräne machte sein sonst nichtssagendes Auge beinahe schön . » Kommen Sie zu ihr . « Er brachte ihn vor ihr kleines enges , schmuckloses , nonnenhaftes Zimmer . Da saß Cunigunde vor einem Tischchen und las in der Bibel . Er ging voran . » Wie geht es Dir , mein Kind ? « fragte Herr von Stein , und legte zärtlich seine Hand unter ihr Kinn . » Gut , mein lieber Vater , « antwortete sie , diese Hand küssend . » Nicht wahr , Du stirbst mir nicht , mein frommes , mein bestes Kind ? « Er streichelte ihre Wangen , ihre Stirn , ihr Haar . » Nein , mein lieber Vater , « sagte sie mit melancholischer Zärtlichkeit zu ihm aufblickend . Als er aber sprach : » Feldern ist auch da ; darf er kommen ? « da glitt ein Schauer über ihr mildes Gesicht , ein Krampf , ein Grauen . » Ja , « sprach sie . Der Vater ließ das Paar allein . » Nun , Cunigunde ! « sagte Feldern , und setzte sich ihr gegenüber . » Guten Abend , mein lieber Feldern ! « war Alles , was sie vorbrachte . Ihre Brust hob sich in unbeschreiblicher Beängstigung . » Haben Sie mir weiter nichts zu sagen ? können Sie kein Vertrauen zu mir fassen ? Reden Sie doch nur , aber mit einem einzigen Grund . « » Ich habe mich müde geredet ! und einen Grund habe ich nicht . « » So beharren Sie also darin aus Eigensinn , aus Laune , mich fortzuweisen , mich - Ihren treuen , erprobten und bewährten Freund , den Sie jahrelang als Ihren künftigen Gatten betrachtet haben ? « » Keine Laune , o Gott ! « seufzte Cunigunde und rang die Hände . » Nun , liebe Cunigunde , so sprechen Sie nur das Warum aus ! Sobald ich weiß , was zwischen uns liegt , will ich es ändern , vermeiden , oder auch ganz Sie aufgeben . Nur aber so kommt es mir wie eine Geistesbefangenheit , wie eine Krankheit vor , die über kurz oder lang weichen wird , und der ich unmöglich mein Glück , meine Zukunft , und vielleicht die Ihre - opfern kann . « » Sie sprechen so gut , so verständig , daß ich Sie ganz und gar begreife ! besser Sie begreife , als mich selbst - denn ein Warum kann ich Ihnen nicht sagen , aber heirathen kann ich Sie auch nicht . « » Dann ist es nicht anders möglich , als daß Sie einen Andern lieben . « » Ihre fixe Idee , die ich schon hundertmal verneint habe ! « » Einen Andern , dessen Sie sich schämen , der Ihrer unwürdig ist .... « - » Ist es denn eine solche Schmach zu lieben , daß ich den Mann , den ich liebte , nicht einmal meiner würdig achten sollte ? « » Weshalb nennen Sie ihn denn nicht ? « » Weil ich keinen liebe . « Feldern stand mit heftiger Ungeduld auf und ging in dem Zimmerchen hin und her . Endlich blieb er vor Cunigunden stehen und fragte scharf : » Wen wollen Sie heirathen ? « » Niemand « - sagte Cunigunde und sah ihn befremdet an ; » das wissen Sie ja . Wollte ich heirathen , so könnte ich gewiß am leichtesten Sie heirathen , den ich achte , den ich kenne , der brav , treu und rechtschaffen ist , der mich herzlich lieb hat .... « - » Cunigunde ! « rief Feldern zärtlich , legte den Arm um ihre Schulter und bog sich zu ihr herab . Doch sein Kuß streifte nur ihre Wange , denn sie wendete den Kopf , schloß die Augen und sagte mit zitternder Angst : » Erbarmen ! « Tief gekränkt ließ Feldern den Arm sinken . Er sagte verletzt und hart : » In Ihrem Benehmen liegt Lüge oder Wahnsinn . « » Keine Lüge ! jedes Wort ist reine Wahrheit . Ich heuchle keine Achtung , kein Vertrauen zu Ihnen - ich hege es wirklich . Darum habe ich den Muth gefaßt , Sie zu bitten , mein Wort zu lösen . « » Das ist aber - wenn nicht Wahnsinn , doch Verschrobenheit , Ueberspannung , Sentimentalität ! Was wollen Sie denn ? etwa katholisch und Nonne werden ? die religiöse Schwärmerei verrückt zuweilen die klarsten Köpfe . « » Ich mag nicht Nonne werden - niemals ! « rief Cunigunde , und ein frischer , rosiger Hauch des Lebens überstreifte ihr Antlitz und machte es so schön , daß Feldern trotz seines Unmuthes bewundernd