. Es müssen übrigens die reichsten Erbinnen in London sein , Olony jedoch bedeutend jünger , als Anna . Lies selbst , liebe Mutter , sagte die Herzogin lächelnd und reichte ihr Graf Archimbalds Brief , was mein Schwager mir über Olony sagt ; denn für Dich wird wohl das strenge Geheimniß nicht obwalten , das er mir anempfiehlt . Du wirst daraus selbst sehen , daß er dies junge Fräulein , das ihn ganz bezaubert hat , nicht umsonst , nächst Anna , für die glänzendste Partie anerkennt , und daß sie ihm für Richmond wie geschaffen scheint . Doch als das Nöthigste erkennt er die größte Geheimhaltung dieses Wunsches , da Richmond sich stets mit einer Art von Geringschätzung über gestiftete Heirathen ausgelassen hat , und dies der erste Grund sein würde , ihn zu entfernen . Ich war nicht ohne Gedanken darüber , sagte die alte Herzogin , es kömmt vielleicht so , ohne unser absichtliches Dazuthun , was allerdings vorzuziehn ist . Es freut mich , daß Katharine von Dorset , die Mutter dieser lieben Mädchen , welche mir kindlich ergeben ist , mir früher , als die Trauer-Nachricht zu uns kam , versprach , ihre Töchter mir zuzuführen . Ich thue daher nichts Absichtliches , wenn ich bei dem nahenden Sommer und meiner Rückkehr nach Burtonhall sie an ihr Versprechen erinnere . - Als man sich an dem Abend desselben Tages getrennt und die Herzogin die übrigen Frauen ihrer Bedienung entlassen hatte , wendete sie sich zu Mistreß Morton , die stets bis zu dem Augenblick bei ihrer Gebieterin blieb , wo diese ihr Lager bestieg , und sagte , die Hand auf ihre Lippen legend , mit leiser Stimme : Gehe , Morton , sieh , ob Alles in Ruh um uns ist , ob der Weg - sie stockte und legte schnell die Hand unter ihre linke Brust , als ob sie einen Schmerz fühle - ob der Weg , fuhr sie mit bebender Stimme fort , leer ist und ungestört über diese Zimmer bis zum italienischen Flügel . Ja , Morton , Du hörtest recht , erschrick nicht , es ist unwiderruflich beschlossen , setzte sie hinzu , da Mistreß Morton zurück wich und ihr Erstaunen fast wie ein kleiner Ungehorsam aussah . Schweig , ich bitte Dich ! Ich möchte in diesem Augenblick nicht gern streng sein , am wenigsten zu Dir , meine treue Freundin , und doch , ich würde den Dienst , den Du mir heute noch leisten wirst , selbst mit Härte von Dir erpressen . - Mistreß Morton kannte ihre Gebieterin zu wohl , um nicht an die Wahrheit dieser Worte zu glauben , aber dies Vorhaben widerstrebte zu sehr ihrem treuen und vernünftigen Sinn , um sich ihm bereitwillig zu fügen . Es steht in Euer Durchlaucht Gewalt , meinen Gehorsam zu erzwingen , sagte die ehrwürdige Frau und senkte bekümmert die Augen zur Erde ; ich fühle dies in diesem Augenblicke seit den langen Jahren , die ich Euch diene , zum Ersten Mal mit Schmerz , denn ich fürchte , Ihr fordert meinen Gehorsam gegen Euer Wohl ! - Genug , genug ! Mache es mir nicht schwer , das ohnehin so Schwere ! rief die Herzogin ohne Unwillen , aber mit tiefem Schmerz ; sei gut , rege nicht mein Herz auch noch durch die Furcht , Dir wehe zu thun , auf . Geh , geh ! Thue , was ich Dich bat , es muß geschehen ! Es wird mir gut thun , laß mich nicht weiter sprechen , und geh jetzt ! Mistreß Morton fühlte , wie umsonst ihr Widerstand sein würde , aber ihr Gesicht war von den Gefühlen ihrer Brust mit dem Ausdruck tiefen Schmerzes umzogen , und die Herzogin wendete sich mit einem Seufzer weg , als die alte Dame stumm eine der Kerzen ergriff und sich aus dem Zimmer begab . Sie untersuchte mit trüber Ahnung die Ruhe des Schlosses und kehrte , nachdem sie überall Alles still und ruhig gefunden , mit schwerem Herzen nach dem Schlafgemach zurück . Sie fand dies leer ; aber die Thüre , die nach dem Chorstuhl in der Kapelle geöffnet war , deutete an , wohin die Herzogin mit ihrem beladenen Herzen sich geflüchtet . Voll Ehrfurcht , und erhoben von der Erinnerung an diesen höchsten Trost , faltete Mistreß Morton ihre zitternden Hände , und das kurze , aber innige Gebet ihres treuen Herzens war so uneigennützigen Inhalts , wie wohl selten zu dem Throne Gottes dringen mag . Ihre Gedanken wurden jedoch jetzt abgezogen durch die Worte , welche aus der Kapelle zu ihr drangen und der Schluß eines Gebetes zu sein schienen , das mit starker flehender Stimme gesprochen wurde : Herr , segne den schwachen Willen meines Herzens , laß mich Milde üben und belebe mit dem Geiste Deiner unerschöpflichen Güte diese erkaltete Brust . Du siehst in die Tiefen der Seele , Du kennst die Gedanken , ehe sie entstehen ! Vor Dir sinkt das Gerüst des Stolzes und der Eitelkeit , wohinter wir unser Gewissen zu bergen suchen . So erwecke mich denn und rüste mich aus , Deinen Willen zu erfüllen . Nicht das geschehe , was ich in meiner irdischen Schwäche begehre , sondern das , was Du willst , das lehre mich thun , und Dein guter Geist führe mich auf ebener Bahn ! - Es ward still , und bald erschien die Herzogin an dem Eingang der Thür , und als ihr Blick auf Mistreß Morton fiel , die mit gefalteten Händen , den Kopf in Andacht auf die Brust gesenkt , ihr gegenüber stand , schritt sie ihr entgegen und sagte mit gehobener Stimme : Amen ! - Amen ! erwiederte Mistreß Morton leise . Beide Blicke trafen sich , und die Scheidewand zwischen Herrin und Dienerin sank nieder in dem frommen Gefühle , womit Beide erfüllt waren . Die Herrin ruhte einen Augenblick an dem mütterlichen