, positiv und schaffend werden und die Erde zur neuen Saat auflockern . Das achtzehnte Jahrhundert , der mephistophelische Geist der abstrakten Verneinung hauchte mit dem ersten Seufzer aus , der auf der Revolutionsguillotine ausgestoßen wurde . Die Negation der Revolution war schon eine schöpferische . Die Flügel meiner Seele schlagen freudiger , weil ich die Morgenröte ( ach ! die blutige Morgenröte ) der neuen Schöpfung sich am Himmel malen sehe . Aber noch halte mich zurück , du stürmischer Genius des Jahrhunderts ; noch einmal wurde in Deutschland der Versuch gemacht , zu einem trostreichen Resultate über die wunderbaren Begebenheiten in Palästina zu gelangen . Die Welt seufzt in ihrer Achse ob der stürmischen Bewegung . Wie glücklich wären wir alle , wenn wir in den Träumen unsrer Jugend uns ewig wiegen dürften und uns keine Unruhe der Seele von den Spielen der Unschuld verscheuchte ! Die Kantische Philosophie schien unsern Vätern nach langem Schlafe ein wunderbares Erwachen . Noch nie ist eine Entdeckung mit so reinem Enthusiasmus empfunden worden . Die Kantische Philosophie war Kritizismus : sie war ohne Geheimnisse ; aber sie schien den Schlüssel der Geheimnisse zu besitzen . Früher wurde sie auf die Offenbarung und das Christentum angewandt : aber die Konsequenzen , welche sich hier durch sie ergaben , waren von der entgegengesetztesten Art. Der Rationalismus hielt sich an die Unmöglichkeit , das Ding an sich zu erkennen ; der Supernaturalismus an die Vermutungen , welche hinter dem Dinge an sich liegen konnten . Das Ding an sich war ebensosehr negativ wie mystisch positiv : das weite Chaos der Zweifel lag in ihm ebensogut wie das Chaos der Gefühle . Diese beiden Prinzipien über Christentum machten fünfzehn Jahre in Deutschland die Tagesordnung aus . Es war ein Streit um den Anfang eines Zirkels . Der Rationalismus , der von Gott behauptete , daß man vieles von seinem Wesen wisse , manches aber noch unerörtert zu lassen habe , begann mit dem Bestimmten und hörte mit dem Unbestimmten auf . Der Supernaturalismus , der aus seinen Ahnungen ein System , aus seinen Ungewißheiten eine Dogmatik schuf , fing mit dem Unbestimmten an und hörte mit dem Gegenteile auf . So war der Streit ohne des Endes Möglichkeit . Niemand trat aus dem Zirkel heraus . Sie walzten ihre Debatten herum und erschöpften sich in Konzessionen praktischer und theoretischer Art. Mischgattungen drängten sich zwischen die Extreme : Damenprediger , welche das Christentum mit Gemälden verglichen , wo die Konturen dem Rationalismus , die Farben dem Supernaturalismus angehören müßten : Professoren der Theologie , die das Urchristentum wollten ; Generalsuperintendenten , welche die Perfektibilität des Christentums lehrten . Andre , wie Schleiermacher , adoptierten die Dogmatik , wenn ihre Lehrsätze sich gemütlich als Seelenzustände betätigten . Mit einem Worte , sie mochten so freidenkerisch verfahren wie immer ; so riß doch niemand den Vorhang der Lüge weg . Auf der Kanzel gaben sie niemals jenen Glauben preis , den sie auf dem Katheder anatomisch zergliederten . Überall trifft man auf Diakone und Konsistorialräte dieser Art , welche sich wie jesuitische Aale theoretisch winden und hin- und hersträuben , praktisch aber sich immer wieder in ihren homiletischen Schleim verstecken . Schelling und Hegel , jener von katholischer , dieser von protestantischer Seite , stellten den letzten Versuch an , die Philosophie mit der Offenbarung in Einklang zu bringen . Schelling übertrug allerhand Analogien des Naturprozesses auf die Geheimnislehren des Christentums : er wußte Opfer , Menschwerdung usf. durch witzige Bilder von seiten der Phantasie annehmlich zu machen . Hegel stützte sich auf den Geschichtsprozeß , auf die innerlichen Ruhemomente seiner metaphysischen Logik , deren ganzes Schema allein schon den Begriff der Trinität ausdrückte . Hegels Philosophie scheint mir auch wahrlich die einzige , die imstande ist , das Christentum zu beurteilen . Ihr Standpunkt ist der historische . Sie bringt einen Schematismus in die Begebenheiten , welcher den innern und äußern Sinnen wohltut . Wodurch ist auch das Christentum eine so imposante Erscheinung ? Durch seine historische Stellung . Hegel hat die Verschiedenheit der Zeiten immer vortrefflich charakterisiert und das Eigentümliche des Christentums darin gefunden , daß sich logische und historische Begriffe daran akkommodieren lassen . Aber mehr gelang ihm nicht . Seine Philosophie des Christentums konnte nur da erst anfangen , als die Entwicklung der christlichen Lehre zu Ende war . Hegels Maßstab ist überall die Vergangenheit . Seine Erklärungen sind typischer Art , seine Philosophie ist eine Auslegung . Schelling und Hegel stehen an der Spitze jenes christlichen Dilettantismus , der aus künstlerischen Interessen sich mit verstopftem Ohre in eine grundlose Flut versenkt . Das Christentum selbst muß dabei seinen Kredit verlieren , wenn nur noch Dichter , Grübler , Künstler , verzweifelte und polizeilich beaufsichtigte Menschen sich für die Erklärung seiner Satzungen interessieren . Der gesunde Teil der Menschheit wird in eine andere Strömung des stürmenden Weltgeistes gerissen werden . Unser Zeitalter ist politisch , aber nicht gottlos . Wie gern verbände es die Freiheit der Völker mit dem Glauben an die Ewigkeit ! Aber unchristlich ist unser Zeitalter , denn das Christentum scheint sich überall der politischen Emanzipation in den Weg zu stellen . Daher jene merkwürdigen Erscheinungen , welche die neuere Zeit auf dem Gebiete , man weiß nicht , soll man sagen , der Politik oder der Religion hervorgebracht hat . Überall Sektengeist , Religionsstifter , Religionen auf Aktien , Religionen auf Subskription , jede Religion , nur kein Christentum . Man spricht von Priestern , von einer Theokratie , von Gottesdienst , nur nichts Christliches . Es ist erstaunenswert , daß diese Dinge in Frankreich auftauchen , in einem Lande , das für Europa die Mission der Freiheit hat , in einem Lande , das in der neuern Geschichte für alle Fragen der Kultur die Initiative übernommen zu haben scheint . Wir reden hier vom St. Simonismus und den » Worten eines Gläubigen « . In diese beiden Bekenntnisse ist zuerst die Anerkennung der politischen Tendenz des Jahrhunderts niedergelegt .