« rief ihn Gerhard an : » Wie steht ' s , alter krausköpfiger Bursche ? Was macht mein Stoßdegen ? sitzt er noch im Roste , oder kann sich ein hübsch Mädel darin beäugeln ? « » Der Kaspar dort im Winkel putzt gerade den Bügel ; « erwiederte Thomas : » wollt Euer Schwert betrachten , lieber Herr . Ich hab ' den Griff mit baierschen Hauben beschlagen lassen . Er sieht fürnehmer aus , und haftet sichrer in der Faust . « Gerhard schritt auf den bezeichneten Kaspar los , und der Meister wendete sich verwundert zu Dagobert : » Womit kann ich Euch dienen , geistlicher Herr ? « fragte er : » Euer Gewand ist ein unerhörter Gast in meiner Werkstatt . Schwert und Panzer bedürft Ihr nicht ; die Messer zu Eurer Tafel besorgt Eure Küchenmagd , und ich habe nicht einmal eine Tochter , noch ein Weib , denen zu Gefallen man sich wohl einmal in die rußige Höhle eines Schmids verirren möchte . « » Ruchlose Gedanken ! « scherzte Dagobert mit dem Finger drohend : » Vor der Hand bin ich indessen hier nur in Begleitung jenes wackern Meisters vom langen Schwerts , der sich eine Freude daraus macht , dann und wann die Kirche zu schirmen . Setzest Du indessen durchaus einen andern Grund voraus , der mich zu Dir führt , so will ich mich zu Deiner Ansicht herunter lassen , und Dir eine Frage stellen , so kurz vom Zaune abgebrochen und so naseweis , als sich ' s gerade schickt . Wer ist die Frau , die in Deinem Hause wohnt , die Stattliche , prächtig Gekleidete ? Mich drängts , darüber Auskunft zu erhalten , wahre Kunde , wohlgemerkt . « » Hm ! « versetzte Thomas schmunzelnd , und auf einen Menschen weisend , der mit verschränkten Armen und lächelndem Gesicht herzugetreten und aufgehorcht hatte : » Ihr könnt Euch an keinen bessern Kundmann wenden , als an diesen , hochwürdiger Herr ! Er weiß von seiner Gebieterin vortrefflich zu berichten . « Dagobert beschaute flüchtig das Antlitz des Empfohlnen , und fand es gemein , einer breiten Ochsenlarve nicht unähnlich , aber geeignet , Vertrauen einzuflößen . » Es ist weiter auch kein Geheimniß dabei ; « sprach der Breitstirnige gleichmüthig : » meine Herrin nennt sich das Erbfräulein von Baldergrün am Harzwalde . Sie ist , wenn nicht die reichste , doch auch nicht die ärmste Edeljungfrau . Zwei freie Sassen zinsen ihr , und , mich dazu gerechnet , zählt sie sechzehn Halseigne , die ihr dienen . « » Wird sie lange hier verweilen ? « fragte Dagobert mit steigender Theilnahme . » Weiß nicht , « erwiederte der Knecht achselzuckend : » doch sollt ' ich ' s vermuthen . Es heißt , sie werde sich hier vermählen . « » Vermählen ! « rief Dagobert rasch : » Mit wem ! « » Meiner Treu ! « lachte der Knecht : » Zweie lassen ihr die Wahl . Der Herr von Königseck , oder der von Montfort , einer von Beiden wird ' s am Ende seyn . « » Ich danke Dir ! « versetzte Dagobert unwillig , ohne der Ursache sich bewußt zu seyn , und kehrte dem Berichter den Rücken zu . Gerhard trat just mit seiner schöngeputzten Waffe herbei , und pries dem Jüngling ihre Vorzüge . Dieser überhörte jedoch Alles , was der Gewehrkundige von Bügel , Korb , Stahlschnitt , Knopf und Spitze sprach , und ging mit ihm hinaus , ohne von Meister und Knecht Abschied genommen zu haben . Thomas schüttelte den Kopf , und die Gesellen thaten ' s ihm nach . Sie konnten den jungen Geistlichen nicht begreifen ; am wenigsten konnten ' s diejenigen , die ihn vor einer halben Stunde in rüstigem Fauststreit gesehen hatten , und nun sein blödzerstreutes Wesen nicht zu reimen vermochten . Der Knecht jedoch vermochte es am Besten : » Dem hat ' s mein Fräulein angethan ; « brummte er pfiffig in den Bart , und ging hinauf , seiner Herrin zu berichten , es sey nun nicht mehr nöthig , nach dem jungen Manne zu forschen , wie sie ihm geboten ; dieser habe selbst sich schon nach ihr befragt , und nur eines Winks bedürft es , ihn ihrem Befehle gehorsam zu machen , wenn sie anders Lust habe , ihm Befehle zu ertheilen . Siebentes Kapitel . In Treuen fest Wär ' wohl das Best ' , Doch hältst Du es nicht fast in Ehren : Du Minnedieb , Der Du zum Lieb Nur , was Dir nicht ziemt , willt begehren ! Fastnachtspiel . Seit mehreren Tagen hatte sich Dagobert nicht im Hause seines Oheims blicken lassen , und wurde doch von dem Letztern , wie von dessen Freundin Fiorilla sehnlichst erwartet , wenn gleich aus verschiednen Beweggründen . Sein endliches Erscheinen nach dem sonntäglichen Hochamte befriedigte die seiner harrenden Seelen . Zum großen Befremden des Jünglings schien weder der geistliche Zuschnitt seines Rockes , noch die ernste gesammelte Miene , mit der er eintrat , einen besonders günstigen Eindruck auf den Prälaten zu machen . Im Gegentheile : Er bewillkommte den Neffen finster und kalt ; Fiorillens bedeutende Geberden und scheues Fortschleichen wiesen auf Sturm . » Ist es also , « - begann Monsignore , nach langer ungewisser Pause , - » ist ' s also , daß man sich vorbereitet zu dem heiligen Stande , den man zu ergreifen gedenkt , nach Gottes und des Oheims Willen ? Schäme Dich dessen , was ich von Dir vernehmen mußte ! « Dagobert fragte schüchtern nach der Sünde , die er begangen haben sollte . » Du willst nicht wissen , Dich nicht entsinnen ? « rief der Prälat : » verstockter , unbußfertiger deutscher Tollkopf ! Ich will Dir erklären , was ich meine : Ein Jüngling von altbürgerlichem Geschlecht , zum Dienst der alleinseligmachenden