« , fiel ich ihm ein , » du Prediger in der Wüste , dort sitzen ein paar echte ; sieh nur das kleine Männlein dort in dem braunen Röckchen , wie es so feurig die roten Augen über die Flasche hinrollen läßt ; er scheint mir ein rechter Kenner , denn er trinkt den Nierensteiner Kirchhofwein , den er vor sich hat , in ganz kleinen Zügen , und zerdrückt ihn ordentlich auf der Zunge , ehe er schluckt . Und dort der große dicke Mann mit der roten Nase , ist er nicht eine Figur aus der alten Zeit ? Nimmt er nicht das Glas in die ganze Faust , statt wie die Heutigen den kleinen und den Goldfinger zierlich auszustrecken ? Ist er nicht schon an der vierten Flasche , seit wir hier sind , und hast du nicht bemerkt , wie er immer die Pfropfen in die Tasche steckt , um nachher zu zählen , wie viele Flaschen er getrunken ? « » Wahrhaftig , diese sind echt ! « rief der begeisterte Jude . » Ich bin jung gewesen und alt geworden , aber solcher gibt es nicht viele ; laß uns zu ihnen uns setzen , mi fratercule ! « Wir hatten nicht fehl geraten ; jene Trinker waren von der echten Sorte , denn schon seit zwanzig Jahren kommen sie alle Abende in das nämliche Wirtshaus . Man kann sich denken , wie gerne wir uns an sie anschlossen ; ich , weil ich solche Käuze liebe und aufsuche , der Ewige Jude aber , weil der Kontrast zwischen dem eleganten Tee und diesen Trinkern in seinen Augen sehr zugunsten der letzteren ausfiel ; er wurde so kordial , daß er zu vergessen schien , daß er mit ihren Urvätern schon getrunken habe , daß er vielleicht mit ihren späten Enkeln wieder trinken werde . Die alten Gesellen mochten jetzt ihre Ladung haben , denn sie wurden freundlich , und fingen an zuerst leise vor sich hin zu brummen , dann gestaltete sich dieses Brummen zu einer Melodie , und endlich sangen sie mit heiserer Weinkehle ihre gewohnten Lieder . Auch den » alten Menschen « faßte diese Lust . Er dudelte die Melodien mit , und als sie geendet hatten , fing auch er sein Lied an . Er sang : » Des Ewigen Juden Trinklied Wer seines Leibes Alter zählet Nach Nächten , die er froh durchwacht , Wer , ob ihm auch der Taler fehlet , Sich um den Groschen lustig macht , Der findet in uns seine Leute , Der sei uns brüderlich gegrüßt , Weil ihn , wie uns der Gott der Freude In seine sanften Arme schließt . Wenn von dem Tanze sanft gewieget , Von Flötentönen süß berauscht , Fein Liebchen sich im Arme schmieget , Und Blick um Liebesblick sich tauscht ; Da haben wir im Flug genossen Und schnell den Augenblick erhascht , Und Herz am Herzen festgeschlossen Der Lippen süßen Gruß genascht . Den Wein kannst du mit Gold bezahlen , Doch ist sein Feuer bald verraucht , Wenn nicht der Gott in seine Strahlen , In seine Geisterglut dich taucht ; Uns , die wir seine Hymnen singen , Uns leuchtet seine Flamme vor , Und auf der Töne freien Schwingen Steigt unser Geist zum Geist empor . Drum , die ihr frohe Freundesworte Zum würdigen Gesang erhebt . Euch grüß ich , wogende Akkorde , Daß ihr zu uns herniederschwebt ! Sie tauchen auf - sie schweben nieder , Im Vollton rauschet der Gesang , Und lieblich hallt in unsre Lieder Der vollen Gläser Feierklang . So haben ' s immer wir gehalten Und bleiben fürder auch dabei , Und mag die Welt um uns veralten , Wir bleiben ewig jung und neu . Denn , wird einmal der Geist uns trübe , Wir baden ihn im alten Wein . Und ziehen mit Gesang und Liebe In unsern Freudenhimmel ein . « Ob dies des Ewigen Juden eigene Poesie war , kann ich nicht bestimmt sagen , doch ließ er mich zuzeiten merken , daß er auch etwas Poet sei ; die zwei alten Weingeister aber waren ganz erfüllt und erbaut davon ; sie drückten dem alten Menschen die Hand , und gebärdeten sich , als hätte er ihnen die ewige Seligkeit verkündigt . Es schlug auf den Uhren drei Viertel vor zwölf Uhr . Der Ewige Jude sah mich an und brach auf , ich folgte . Rührend war der Abschied zwischen uns und den Trinkern , und noch auf der Straße hörten wir ihre heiseren Stimmen in wunderlichen Tönen singen : » Und wird einmal der Geist uns trübe . Wir baden ihn im alten Wein . Und ziehen mit Gesang und Liebe In unsern Freudenhimmel ein . « III Satans Besuch bei Herrn von Goethe Nebst einigen einleitenden Bemerkungen über das Diabolische in der deutschen Literatur Von Zeit zu Zeit seh ich den Alten gern Und hüte mich , mit ihm zu brechen , Es ist gar hübsch von einem großen Herrn So menschlich mit dem Teufel selbst zu sprechen . Goethe Sechzehntes Kapitel Bemerkungen über das Diabolische in der deutschen Literatur » Die Idee eines Teufels ist so alt als die Welt und nicht erst durch die Bibel unter die Menschen gekommen . Jede Religion hat ihre Dämonen und bösen Geister - natürlich weil die Menschen selbst von Anfang an gesündigt haben und nach ihrem gewöhnlichen Anthropomorphismus das Böse , das sie sahen , einem Geiste zuschrieben , dessen Geschäft es sei , überall Unheil anzurichten . « So würde ich ungefähr sprechen , wenn ich es bis zum Professor der Philosophie gebracht hätte , und nun über die » Idee eines Teufels « mich breitmachen müßte . In meiner Stellung aber lache ich über solche Demonstrationen , die gewöhnlich darauf auslaufen , daß man mich mit zehnerlei Gründen hinwegzudisputieren sucht ; ich lache darüber und behaupte , die Menschen , so dumm sie hie und da