ging auf mich los . Aber meine zornglühenden Augen , meine ausgestreckten Krallen , das Geheul der Verzweiflung , das ich ausstieß , hielten sie zurück , so daß , wie es in jenem Trauerspiel heißt , der zum Schlagen aufgehobene Stock in der Luft gehemmt schien und sie dastand , ein gemalter Wütrich , parteilos zwischen Kraft und Willen ! - In dem Augenblick ging die Türe auf , schnellen Entschluß fassend , schlüpfte ich dem eintretenden Mann zwischen den Beinen durch und war so glücklich , mich aus dem Hause herauszufinden auf die Straße . Ganz erschöpft , ganz entkräftet , gelangte ich endlich zu einem einsamen Plätzchen , wo ich mich ein wenig niederlassen konnte . Da fing aber der wütendste Hunger an , mich zu peinigen , und ich gedachte nun erst mit tiefem Schmerz des guten Meisters Abraham , von dem mich ein hartes Schicksal getrennt . - Aber wie ihn wiederfinden ! - Ich blickte wehmütig umher , und als ich keine Möglichkeit sah , den Weg zur Rückkehr zu erforschen , traten mir die blanken Tränen in die Augen . Doch neue Hoffnung ging mir auf , als ich an der Ecke der Straße ein junges freundliches Mädchen wahrnahm , die vor einem kleinen Tische saß , auf dem die appetitlichsten Bröte und Würste lagen . Ich näherte mich langsam , sie lächelte mich an , und um mich ihr gleich als einen Jüngling von guter Erziehung , von galanten Sitten darzustellen , machte ich einen höheren , schöneren Katzenbuckel als jemals . Ihr Lächeln wurde lautes Lachen . » Endlich eine schöne Seele , ein teilnehmendes Herz gefunden ! - O Himmel , wie tut das wohl der wunden Brust ! « So dachte ich und langte mir eine von den Würsten herab , aber in demselben Nu schrie auch das Mädchen laut auf , und hätte mich der Schlag , den sie mit einem derben Stück Holz nach mir führte , getroffen , in der Tat , weder die Wurst , die ich mir im Vertrauen auf die Loyalität , auf die menschenfreundliche Tugend des Mädchens herabgelangt , noch irgendeine andere hätte ich jemals mehr genossen . Meine letzte Kraft setzte ich daran , der Unholdin , die mich verfolgte , zu entrinnen . Das gelang mir , und ich erreichte endlich einen Platz , wo ich die Wurst in Ruhe verzehren konnte . Nach dem frugalen Mahle kam viel Heiterkeit in mein Gemüt , und da eben die Sonne mir warm auf den Pelz schien , so fühlte ich lebhaft , daß es doch schön sei auf dieser Erde . Als aber dann die kalte feuchte Nacht einbrach , als ich kein weiches Lager fand wie bei meinem guten Meister , als ich , vor Frost starrend , vom Hunger aufs neue gepeinigt , am andern Morgen erwachte , da überfiel mich eine Trostlosigkeit , die an Verzweiflung grenzte . » Das ist « ( so brach ich aus in laute Klagen ) , » das ist also die Welt , in die du dich hineinsehntest von dem heimatlichen Dache ? - Die Welt , wo du Tugend zu finden hofftest und Weisheit und die Sittlichkeit der höhern Ausbildung ! - O diese herzlosen Barbaren ! - Worin besteht ihre Kraft als im Prügeln ? Worin ihr Verstand als in hohnlachender Verspottung ? Worin ihr ganzes Treiben als in scheelsüchtiger Verfolgung tieffühlender Gemüter ? - O , fort - fort aus dieser Welt voll Gleißnerei und Trug ! - Nimm mich auf in deine kühlen Schatten , süßer heimatlicher Keller ! - O Boden ! - Ofen - o Einsamkeit , die mich erfreut , nach dir mein Herz sich sehnt mit Schmerz ! « Der Gedanke meines Elends , meines hoffnungslosen Zustandes übermannte mich . Ich kniff die Augen zu und weinte sehr . Bekannte Töne schlugen an mein Ohr . » Murr - Murr ! - geliebter Freund , wo kommst du her ? Was ist mit dir geschehen ? « Ich schlug die Augen auf , der junge Ponto stand vor mir ! So sehr mich Ponto auch gekränkt hatte , doch war mir seine unverhoffte Erscheinung tröstlich . Ich vergaß die Unbill , die er mir angetan , erzählte ihm , wie sich alles mit mir begeben , stellte ihm unter vielen Tränen meine traurige , hilflose Lage vor , schloß damit , ihm zu klagen , daß mich ein tötender Hunger quäle . Statt mir , wie ich geglaubt , seine Teilnahme zu bezeugen , brach der junge Ponto in ein schallendes Gelächter aus . » Bist du , « sprach er dann , » bist du nicht ein ausgemachter törichter Geck , lieber Murr ? - Erst setzt sich der Hase in eine Halbchaise hinein , wo er nicht hingehört , schläft ein , erschrickt , als er weggefahren wird , springt hinaus in die Welt , wundert sich gar mächtig , daß ihn , der kaum vor die Türe seines Hauses geguckt , niemand kennt , daß er mit seinen dummen Streichen überall schlecht ankommt , und ist dann so einfältig , nicht einmal den Rückweg finden zu können zu seinem Herrn . - Sieh , Freund Murr , immer hast du geprahlt mit deiner Wissenschaft , mit deiner Bildung , immer hast du vornehm getan gegen mich , und nun sitzest du da , verlassen , trostlos , und all die großen Eigenschaften deines Geistes reichen nicht hin , dich zu belehren , wie du es anfangen mußt , deinen Hunger zu stillen und nach Hause zurückzufinden zu deinem Meister ! - Und wenn sich nun der , den du tief unter dir glaubtest , nicht deiner annimmt , so stirbst du zuletzt eines elendiglichen Todes , und keine sterbliche Seele frägt was nach deinem Wissen , nach deinem Talent , und keiner von den Dichtern , denen du dich befreundet glaubtest , setzt ein freundliches : Hic jacet ! an die