er . Jedes Nützliche belobte er ungemein ; das gab großen Muth und Freudigkeit . Und wo man begriff , daß gefehlt worden sei , entschuldigte er freundlich den Irrthum ; das gab wieder Trost und richtete die Verdrossenen auf . » Das kann nicht länger so gehen mit unsern Gemeindsarmen und müßigen Bettlern ! « sagte eines Tages Oswald zum Pfarrer Roderich : » Aber ich weiß keinen guten Rath zu schaffen . Diese Erb-Bettler sind für eine ehrsame Gemeinde , was die Filzläuse für einen Menschenkörper sind : eine Plage , eine Schande ; und das Ungeziefer sauget Blut , Saft und Kraft aus , daß man nicht geneset . Ich habe ein Grausen , so oft ich unser Spital erblicke . Die Verwaltung kostet so viel und taugt offenbar nichts , und ist nur eine Plage und Schande und Lüderlichkeit . « Pfarrer Roderich antwortete und sprach : » Ihr habet mir endlich aus der Seele gesprochen , Oswald . Hätte die Gemeinde kein Spital , so hätte sie auch keine Bewohner desselben . Die meisten Bettler und Müßiggänger wird man allezeit in denjenigen Orten finden , in denen das meiste Armengut angehäuft ist , und wo man die meisten Almosen austheilt . « Oswald versetzte darauf : » Ich habe freilich schon daran gedacht , das Spital abzuschaffen . Aber damit ist nichts gebessert . Es wird in den besteingerichteten Gemeinden immerdar Arme geben und Taugenichtse . Wohin mit diesen ? - Ich habe in andern Gemeinden gesehen , daß man die dortigen Armen bei den vermöglichen Bauern umherziehen läßt in die Runde , oder eine Woche lang von einer bestimmten Haushaltung Kost oder vielleicht auch den Stall zum Schlafen erhält . Das ist gegen Alte und Kranke oft unmenschlich , und für die Arbeitsfähigen Bestätigung im Müßiggang , seelen- und sittengefährlich . Ich habe wieder in andern Gemeinden , die den Bettel abschafften , gesehen , daß sie ihre Bettler auf Unkosten der Gemeinde bei gewissen Leuten verkostgeldeten . Man übergab dann die Verpflegung des Gesindels denjenigen , die am wenigsten dafür forderten . Das waren nun wieder höchst arme Leute , die damit ein Stückchen Geld verdienen wollten , und in so ruchloser Gesellschaft ganz verdarben . Dabei hatte die Gemeinde gar keinen Nutzen , sondern Schaden , denn die Bettler besserten sich nicht und steckten Andere mit ihrer Liederlichkeit an , bei denen sie wohnten . - Ja , Herr Pfarrer , und Blut weinen möchte ich , wenn ich zumal an arme , verwaisete Kinder denke , welche auf diese Weise durch die Gemeinden versteigerungsweise in Verpflegung an den Wenigstnehmenden gegeben worden sind . Ich weiß , wie man in den theuern Zeiten für solche Kinder das Geld nahm , aber sie hungern ließ ; und wenn die armen Würmer jammerten und vor Hunger schrien , wie man sie mit Ruthen gestrichen hat , um sie zum Schweigen zu bringen , damit die Leute es nicht vernehmen sollten . Ich weiß , wie einst der Leichnam eines solchen Kindes geöffnet wurde , fand sich im Magen nichts als etwas Gras und Wasser , und der Rücken und die Lenden waren blutrünstig . Wahrlich , wahrlich , es ist unter Türken und Heiden mehr Barmherzigkeit , als bei unsern rohen Bauersleuten oft gefunden wird . « » Ich weiß auch gar wohl , « fuhr Oswald fort , » daß die Vorsteher in vielen Gemeinden an Errichtung von Armenhäusern und Spitälern dachten , worein sie ihre Bedürftigen thun wollten . Das geschah aber nicht aus wahrer Menschlichkeit ; sondern die hartherzigen , bequemen Vorsteher wollten sich damit nur die Mühe erleichtern und die Plage abschaffen , immer an die armen Leute denken zu müssen . Denn der Stolz der Vorsteher liebt zwar im Dorfe die Würde , aber erleichtert sich auf ehr- und gottvergessene Weise die Bürde , wie es gehen mag ! « So sprach Oswald . Der Herr Pfarrer freute sich über des Vorstehers gründliche Kenntniß der Dinge und sprach : » Ich habe über diesen höchstwichtigen Gegenstand meine Gedanken einmal schriftlich verfaßt ; leset doch diese Blätter . Es sind viele unreife Gedanken darin ; aber ändert und bessert oder verwerfet Alles , was ihr wollet . « Oswald nahm des Pfarrers Schrift zu sich . Er las sie mehrmals durch . Er sprach darüber mit den Beisitzern , Er ging zum Pfarrer und machte ihm allerlei Einwürfe , hörte dessen Antworten und berieth sich wieder mit den Beisitzern . Endlich verstand er sich mit dem Herrn Pfarrer über einen Plan zur bessern Versorgung der Armen im Dorfe . Dann versammelte er die achtbarsten Männer der Gemeinde , zog auch diese zu Rath und hörte ihre Einwendungen . Da ward wieder allerlei abgeändert und wieder verbessert . 27. Was die Goldenthaler mit ihren Bettlern machen . Nachdem Alles wohl berathen war , ging man ans Geschäft . Doch wußten Wenige im Dorfe , wie man so viele Bettler , Müßiggänger , hilflose Kranke , Gebrechliche und Kinder , ohne ungeheure Kosten , ernähren könne und wolle . Zuerst wurde aus dem Armengut eine Summe Geldes , mit Genehmigung der hohen Regierung , erhoben ; damit schaffte man eine Dreherbank , Aexte , Hobel , Sägen , Schaufeln , Spaten , Hacken und anderes Arbeitsgeräthe an . Man verbesserte auch die Küche des Spitals , um daselbst für viele arme Familien zugleich kochen zu können , und machte allerlei Aenderungen im Hause des Spitals , also daß darin eine Arbeitsstube für Männer , eine andere für Weiber und zwei Krankenzimmer für beiderlei Geschlechts angelegt wurden . Auch ward dafür gesorgt , daß für jeden Gesunden ein eigenes Schlafkämmerlein eingerichtet wurde . Das war eine enge Zelle , nur zehn Schuh lang und drei Schuh breit , am Boden nur Platz für einen Strohsack , ein Kopfkissen mit Stroh gefüllt , mit grobem Bettuch und einer warmen Wollendecke . Jede Zelle hatte eine eigene Thür mit Luftloch . » Man muß es