wenn seine Schwester etwas nach ihrer Art Wichtiges vorbrachte , durch den Kopf . Der ganze Brief , wie von einem von Lustbarkeiten Atemlosen im Fluge abgeworfen , war wie eine Lücke in seinem Leben , durch die ihn ein fremdartiger , staubiger Wind anblies . Habe ich es oben auf der Höhe nicht gesagt , daß du in dein Grab hinabsteigst ? Wenn die Schönheit mit ihren frischen Augen , mit den jugendlichen Gedanken und Wünschen unter euch tritt , und , wie sie die eigene , größere Lebenslust treibt , sorglos und lüstern in das liebewarme Leben hinauslangt und sproßt , sich an die feinen Spitzen , die zum Himmel streben , giftig anzusaugen und zur Erde hinabzuzerren , bis die ganze , prächtige Schönheit , fahl und ihres himmlischen Schmuckes beraubt , unter euch dasteht wie euresgleichen - die Halunken ! Er öffnete das Fenster . Der herrliche Morgen lag draußen wie eine Verklärung über dem Lande , und wußte nichts von den menschlichen Wirren , nur von rüstigem Tun , Freudigkeit und Frieden . Friedrich spürte sich durch den Anblick innerlichst genesen , und der Glaube an die ewige Gewalt der Wahrheit und des festen religiösen Willens wurde wieder stark in ihm . Der Gedanke , zu retten , was noch zu retten war , erhob seine Seele , und er beschloß , nach der Residenz abzureisen . Er ging mit dieser Nachricht zu Leontin , aber er fand seine Schlafstube leer und das Bett noch von gestern in Ordnung . Er ging daher zu Julie hinüber , da er hörte , daß sie schon auf war . Das schöne Mädchen stand in ihrer weißen Morgenkleidung eben am Fenster . Sie kehrte sich schnell zu ihm herum , als er hereintrat . » Er ist fort ! « sagte sie leise mit unterdrückter Stimme , zeigte mit dem Finger auf das Fenster und stellte sich wieder mit abgewendetem Gesichte abseits an das andere . Der erstaunte Friedrich erkannte Leontins Schrift auf der Scheibe , die er wahrscheinlich gestern , als er hier allein war , mit seinem Ringe aufgezeichnet hatte . Er las : » Der fleißigen Wirtin von dem Haus Dank ich von Herzen für Trank und Schmaus , Und was beim Mahl den Gast erfreut : Für heitre Mien und Freundlichkeit . Dem Herrn vom Haus sei Lob und Preis ! Seinen Segen wünsch ich mir auf die Reis , Nach seiner Lieb mich sehr begehrt , Wie ich ihn halte ehrenwert . Herr Viktor soll beten und fleißig sein , Denn der Teufel lauert , wo einer allein ; Soll lustig auf dem Kopfe stehn , Wenn alle so dumm auf den Beinen gehn . Und wenn mein Weg über Berge hoch geht , Aurora sich auftut , das Posthorn weht , Da will ich ihm rufen von Herzen voll , Daß er ' s in der Ferne spüren soll . Ade ! Schloß , heiter überm Tal , Ihr schwülen Täler allzumal , Du blauer Fluß ums Schloß herum , Ihr Dörfer , Wälder um und um . Wohl sah ich dort eine Zaubrin gehn , Nach ihr nur alle Blumen und Wälder sehn , Mit hellen Augen Ströme und Seen , In stillem Schaun , wie verzaubert , stehn . Ein jeder Strom wohl findt sein Meer , Ein jeglich Schiff kehrt endlich her , Nur ich treibe und sehne mich immerzu , O wilder Trieb ! wann läßt du einmal Ruh ? « Darunter stand , kaum leserlich , gekritzelt : » Herr Friedrich , der schläft in der Ruhe Schoß , Ich wünsch ihm viel Unglück , daß er sich erbos , Ins Horn , zum Schwert , frisch dran und drauf ! Philister über dir , wach , Simson , wach auf ! « Friedrich stutzte über diese letzten Zeilen , die ihn unerwartet trafen . Er erkannte tief das Schwerfällige seiner Natur und versank auf einen Augenblick sinnend in sich selbst . Julie stand noch immerfort am Fenster , sah durch die Scheiben und weinte heimlich . Er faßte ihre Hand . Da hielt sie sich nicht länger , sie setzte sich auf ihr Bett und schluchzte laut . Friedrich wußte wohl , wie untröstlich ein liebendes Mädchen ist . Er verabscheute alle jene erbärmlichen Spitaltröster voll Wiedersehens , unverhofften Windungen des Schicksals usw. » Lieb ihn nur recht « , sagte er zu Julien , » so ist er ewig dein , und wenn die ganze Welt dazwischenläge . Glaube nur niemals den falschen Verführern : daß die Männer eurer Liebe nicht wert sind . Die Schufte freilich nicht , die das sagen ; aber es gibt nichts Herrlicheres auf Erden , als der Mann , und nichts Schöneres , als das Weib , das ihm treu ergeben bis zum Tode . « - Er küßte das weinende Mädchen und ging darauf zu ihren Eltern , um ihnen seine eigene , baldige Abreise anzukündigen . Er fand die Tante höchst bestürzt über Leontins unerklärliche Flucht , die sie auf einmal ganz irre an ihm und allen ihren Plänen machte . Sie war anfangs böse , dann still und wie vernichtet . Herr v. A. äußerte weniger mit Worten , als durch ein ungewöhnlich hastiges und zerstreutes Tun und Lassen , das Friedrich unbeschreiblich rührte , wie schwer es ihm falle , sich von Leontin getrennt zu sehen , und die Tränen traten ihm in die Augen , als nun auch Friedrich erklärte , schon morgen abreisen zu müssen . So verging dieser noch übrige Tag zerstreut , gestört und freudenlos . Am andern Morgen hatte Erwin frühzeitig die Reisebündel geschnürt , die Pferde standen bereit und scharrten ungeduldig unten im Hofe . Friedrich machte noch eilig einen Streifzug durch den Garten und sah noch einmal von dem Berge in die herrlichen Täler hinaus . Auch das stille , kühle Plätzchen , wo er so oft gedichtet und glücklich gewesen , besuchte er . Wie im Fluge