Hof in einer früheren Periode zu einem so unangenehmen Aufenthalte gemacht hatten , und daß selbst die Herzogin litte . Es kam aber noch dazu , daß , während sie auf der einen Seite durch das Daseyn eines Erbprinzen ihre Bestimmung erfüllt hatte , der Herzog auf der anderen seiner Gemahlin gegenüber eine Scham empfand , die zu überwinden er zuletzt allzugut war . Es war besonders dieser letzte Umstand , der das edelste Weib , das je die Sonne beschienen hat , lästig , wo nicht gar verhaßt , machte . Die Herzogin fühlte dies , wußte sich aber nicht eher zu rathen noch zu helfen , als bis sie auf den gesunden Gedanken gerieth , ihren Gemahl um die Erlaubniß zu einer Reise nach der Schweiz und Italien zu bitten . Ihr Vorschlag wurde auf der Stelle angenommen , und eine hinlängliche runde Summe zur Bestreitung der Reisekosten ausgemittelt . So wurde die Ahnung erfüllt , die mich bei der ersten Nachricht von der Schwangerschaft der Herzogin durchblitzte . Zwei Jahre mochten seit meiner Zurückkunft verstrichen seyn , als ich ganz unerwartet ein Schreiben voll Jubels von der Herzogin erhielt , worin sie mir nicht nur den Ausgang des langen Kampfes meldete , den sie gekämpft hatte , sondern auch sagte , daß sie , um bequemer zu reisen , nicht den ganzen Aufwand machen würde , den die eigennützige Großmuth ihres Gemahls ihr zu machen erlaube . Übrigens verstände es sich von selbst , daß ich sie begleiten sollte . » Nur auf diese Weise , « schrieb sie , » konnten wir uns wieder vereinigen , und ich schätze mich glücklich , daß ich endlich zum Ziel gelangt bin . « Ich hatte Mühe mich von meinem Erstaunen zu erholen ; allein indem ich die Sache nahm , wie sie einmal da lag , fand ich mich darin , und machte meine Reiseanstalten mit allem Eifer , den meine Liebe für die Herzogin mit sich führte . Meine Luise nicht an Andere abzutreten , beschloß ich , sie mit mir zu nehmen . Ich war , als dies geschah , ein und dreißig Jahre alt ; die Herzogin sechs Jahre jünger . Gesundheit und Erfahrung besaßen wir in gleichem Maaße ; unsere Köpfe hatten dieselbe Richtung genommen . War irgend ein Unterschied , den physischen nicht in Anschlag gebracht , zwischen uns , so bestand er darin , daß bei der Herzogin , welche durch eine weit härtere Schule gegangen war , als ich , die Empfindungen mehr Tiefe hatten , während ich , ohne deshalb nur im Mindesten leichtsinnig zu seyn , die ersten Eindrücke bei weitem leichter überwinden und zur Sprache bringen konnte . Selbst vermöge dieses Unterschiedes paßten wir herrlich zusammen ; denn indem die Herzogin in ihrer stillen Größe blieb und sich nur selten aussprach , war ich gewissermaßen ihr Dollmetsch , und ihr selbst um so willkommner , weil ich ihre Empfindungen in Ideen verwandelte . Wenige Wochen nach ihrem letzten Schreiben kam sie bei ihren Eltern an . Diese waren wiederum sehr zufrieden mit der Wendung , welche das Schicksal ihrer Tochter genommen hatte . Sie freueten sich herzlich , sie wieder zu sehen ; sie freueten sich aber noch weit mehr der bedeutenden Pension , welche ihr Gemahl ihr ausgeworfen hatte . Es wurden Feste veranstaltet , welche frohe Gefühle wecken sollten , aber , wie immer , nur Langeweile erregten . Die Herzogin konnte den Augenblick nicht erwarten , wo sie in meiner Gesellschaft ihre Reise nach der hochgepriesenen Schweiz antreten sollte . Endlich schlug die Stunde , und wir reiseten in einer wenig zahlreichen Begleitung ab . Drittes Buch Befürchten Sie nicht , mein angenehmer Freund , daß ich in meinen Bekenntnissen von Dingen sprechen werde , welche Sie weit besser wissen , als ich . Mein Reise-Journal liegt zwar neben mir ; allein ich werde mich wohl in Acht nehmen , Ihnen durch die Mittheilung desselben Langeweile zu machen . Alles , was ich Ihnen mitzutheilen habe , sind einzelne Bemerkungen , hergenommen von dem Eindruck , den Gegenstände der Natur und Kunst , oder auch sehr interessante Personen , während meiner Reise auf mich gemacht haben . Auf diese Weise werd ' ich dem Alltäglichen entrinnen , und die Geschichte meiner Entwickelung beendigen , ohne auch nur ein einziges Mal in den unverzeihlichen Fehler der Geschwätzigkeit verfallen zu seyn . Ich selbst finde meine Rechnung bei diesem Verfahren ; denn das Schreiben ist in sich selbst eine so große Beschwerde , daß ich gar nicht begreife , wie Leute sie überwinden können , die , um mich des gewöhnlichen Ausdrucks zu bedienen , durchaus nichts auf ihrem Herzen und Gewissen haben . Doch zur Sache ! Wenn die meisten Reisenden gar keinen Beruf zum Reisen haben , so haben dafür diejenigen Individuen den allerbestimmtesten Beruf , die aus dem Kampf mit der Gesellschaft eine Empfindlichkeit davon getragen haben , vermöge welcher sie , in bleibenden Verhältnissen , nur beleidigen oder beleidigt werden können . Auf Reisen hat man es in seiner Gewalt , seine ganze Eigenthümlichkeit zu behaupten ; denn von dem Augenblick an , wo sie bekämpft wird , reiset man weiter ; und da dem Reisenden , besonders dem bemittelten Reisenden , alles entgegen kommt , so fehlt es nie an Gelegenheit zu neuen Verhältnissen , die alsdann wiederum so lange dauern , als sie können . In dieser Hinsicht war mein Bedürfniß zu reisen bei weitem nicht so stark , als das der Herzogin ; allein da ich nur an meinen Idealen hing und in der Herzogin die Repräsentantin derselben liebte , so war es mir vollkommen gleichgültig , an welchem Orte ich existirte ; und auf diese Weise begegneten die Wünsche meiner Freundin vortrefflich meinen Neigungen . Selbst die Reise nach der Schweiz ließ ich mir sehr gern gefallen , ob ich gleich für dieses Land nie die mindeste Zärtlichkeit empfunden hatte . Die Vorliebe der Herzogin für dasselbe gründete sich