, was so lange zu erwähnen , von allen Seiten vermieden wurde ; nemlich den Verlust von Albertinens Vermögen . » Wußten Sie das damals schon ? « fragte sie schneidend . - » Nein , « sagte Lindenhain , halb scherzend , » es gab da keine Lauretten . Wenn diese Vorstellung aber irgend einem guten Gemüthe kränkend ist , dann kann ich die tröstende Nachricht geben , daß das Schicksal mir und meiner Albertine mehr als zehnfachen Ersatz in der Erbschaft meiner alten Tante , der Gräfin Bodenheim , deren Universalerbe ich bin , gegeben hat . « Alle stürmten nun glückwünschend auf ihn ein . Ulmenhorst sagte herzlich und anspruchslos : » Auch ohne diese Erbschaft warest du noch reich ; du hattest Albertinen und deinen Albert , der für euch alle reich genug ist . « - Laurette konnte nicht aufhören , Albertinens unerhörtes Glück zu preisen ; und ganz leise , doch so , daß Albertine es deutlich vernehmen mußte , setzte sie noch den Gellertschen Spruch hinzu : » Für Gürgen ist mir gar nicht bange , der kommt gewiß durch seine Dummheit fort . « Jetzt ersuchten alle , Lindenhain möchte ihnen die Art seiner Gefangennehmung erzählen . Und Lindenhain begann : » Sie werden sich erinnern , daß unsre vortrefflichen Truppen , und mit ihnen das Regiment , zu welchem ich gehörte , sich durch Mühseligkeiten vielfacher Art und die äußersten Anstrengungen um ruhige Winterquartiere wohl verdient gemacht hatten . Indeß war eine schwere Winterkampagne vorauszusehen . Die rauhe Witterung , gegen welche uns weder Zelte noch Hütten mehr Schutz gaben , und die ernstlicheren Anstalten der Feinde zum Angriff , machten die Lage unserer Armee immer bedenklicher , und unsern Wunsch , uns durch irgend etwas Entscheidendes herauszureißen , immer heißer . Nie hatten bejahrte Krieger mehr guten Willen und mehr wahren Heldensinn gesehen , als da ein Detaschement von 1600 Mann aus verschiedenen Bataillons ausgehoben wurde und Befehl erhielt , sich bei Nusweiler zu versammeln . « » Friedrichs und des edlen Braunschweigers Geist ruhete auf der auserlesenen Schaar , die von ihrer Bestimmung nichts wußte , so wie auf den Zurückbleibenden , die sich laut darüber beklagten , daß sie ihre tapfern Kameraden den Weg zur Ehre allein antreten sähen . « » Ohne an ' s Sentimentale zu streifen , darf ich sagen , daß die ganze Scene sich ganz zum Romantisch-Schauerlichen eignete . Voll des entschlossensten Heldenmuthes , der sich nicht in rohe , wilde Flüche , sondern in ruhigen Vorsatz , das Äußerste zu thun , ausließ , schritt mit kühnen , wiederhallenden Tritten die edle Schaar vorwärts . Das soldatisch-freundliche Lebewohl des Bruders oder Vetters , das ihnen die Zurückbleibenden nachriefen , hatte ihren Muth mehr angefeuert , als erweicht . Es sollte ein schwerer Kampf mit dem eisernen Schicksale beginnen . Jeder ahnete es ; keiner wußte bestimmt , was ihrer harrte . Es war eine feierliche Nacht , in der der Todes-Engel eine reiche Erndte hielt . Sie war herbstischkalt . Leichte Wolken streiften über dem aufgeklärten Himmel , und machten , daß der Mond den Kriegeszug nur dämmernd beleuchtete , und die weiße Binde , die jeder der Unsrigen am Arme trug , sichtbar werden ließ . « » In feierlicher , furchtbarer Stille näherten sich unsere Detaschements der Bergfestung Bitsch , umgingen sie , und kamen auf der Straßburger Straße , eben um Mitternacht , bei dem bedeckten Gange an . Unbesorgt pfiff sich die Schildwache an den ersten Pallisaden ihr : ça ira , und schien nicht an die Möglichkeit eines feindlichen Besuchs zu denken . Man hörte unten ihr gewöhnliches : sentinelle , prennez garde à Vous ! und beides diente zur Richtschnur . « » In schauerlichem Schweigen kletterte nun die Kolonne den Berg hinan . Die Schildwache gewahrte den Feind erst , als er nur noch zwanzig Schritte von ihr entfernt war , und rief zweimal ihr : qui vit ? worauf sie die Antwort : republique francaise ! erhielt . Als sie ihren Irrthum einsah , warf sie das Gewehr hin und lief davon . Wir überstiegen die Pallisaden und eilten dem bedeckten Gange zu . « » Jetzt wurde in der Stadt Lärmen , nachdem zwei Posten Feuer gegeben hatten . Ein schrecklicher Tumult verbreitete sich ; allenthalben erscholl : aux armes ! aux armes ! de ce coté , citoyens ! içi Camerades ! « » So glücklich der erste Angriff geschehen war , so viel unübersteigliche Hindernisse setzten sich ihm jetzt entgegen . Wir fanden eine wüthende Gegenwehr . Handgranaten , Steine , Balken , Kugeln und gehacktes Eisen unterhielten einen unaufhörlichen mörderischen Regen auf die andringenden Preußen . « » Ewig unvergeßlich in Preußens Annalen wird die Unerschrockenheit bleiben , womit die vortrefflichen Truppen dem Tode , der in so vielerlei Gestalt unter ihnen wüthete , trotzten ! Der Hinterste drängte den Vordersten ; vorwärts , vorwärts ! war der ununterbrochene Ruf der Tapfern . Während dieses mörderischen Gefechtes , wo die Gefahr der Vertheidigung in gar keinem Vergleiche mit der des Angriffs stand , waren zwei Thore gesprengt worden . In dem engen Gange konnten nur drei Mann in Fronte stehen . Waren diese getödtet oder blessirt , so eilten von hinten andere herbei , ihren Platz zu ersetzen ! Der Sterbende ward unter die Füße getreten und seines Ächzens durfte nicht geachtet werden , wenn gleich der Freund oder Bruder darin erkannt wurde . Die Blessirten , die noch gehen konnten , drängten sich an den Wänden bis hinten hin zurück , wo sie fortgeschafft wurden . « » In der Dunkelheit und dem Tumulte waren Äxte , Brecheisen und alle erforderlichen Instrumente verloren gegangen ; die sie führten , waren getödtet oder verwundet , die Dunkelheit ließ nichts erkennen ; ein wildes Durcheinanderrufen machte die Scene gräßlich . Am dritten Thore standen wir nun , und alle Anstrengung , es zu sprengen , war vergebens . Vergebens floß das