und zerstöhrte meine angenehme Illusion . Es entgieng mir nicht , als einige Wochen vorbei waren , daß ich von Agnes , - dies war der Name des schönen Waldmädchens - mit günstigem Auge angesehen wurde . Sie hörte meine Gespräche mit der ungetheiltesten Aufmerksamkeit an , und ihr schönes Auge lächelte mir immer den süßesten Beifall zu . Sie selbst sprach nicht viel , aber alles was sie sagte , schien mir einfach , gefühlvoll und zärtlich - genug , es gefiel mir , denn es lag fast immer etwas Schmeichelhaftes für mich darinnen . Beinah ' glaubte ich , sie im Ernst zu lieben . Schon malte mir in manchen Stunden , meine Phantasie , ein reizendes Bild der Zukunft . Hier - in lieblicher Wildniß , beglückt durch die Liebe der schönen , unschuldigen Geliebten , in Einsamkeit , das Leben zu verträumen - konnte dies Glück , das mir so freundlich entgegen kam , nicht das unruhige Herz befriedigen ? - Ach ! nur quälte es mich , daß ich bei allem diesen , so leicht die Gränze sah , daß ich hinter den Armen der Liebe , der jugendlichen Begeisterung , die um das ganze Landleben ein frisches , entzückendes Colorit verbreiteten , gleich die dumpfe , leere Einförmigkeit , das Drückende der Eingeschränktheit , mußte hervorblicken sehen ! - Auch Agnes schien mir nicht ganz zufrieden , oft hörte ich ihre stillen Seufzer , und ich dachte mir sogleich , daß Sehnsucht , nach einem geliebten Wesen , der Grund dieser kleinen Verstimmung sein müßte , denn nur eine schöne Trauer , war mir bei ihr denkbar . Und wenn ich dann diese Vermuthung leise äußerte , dann bestärkte mich ein süßes Lächeln , das halb zufrieden , halb verlegen war , ganz fest in meinen Ideen . - Soll ich Dir sagen , daß ich mir oft , dem Mädchen gegenüber , die so sanft und tief zu fühlen schien , bittere Vorwürfe darüber machte , daß ich , aller vorigen Sehnsucht , all ' der schönen Bilder , die mich umgaben , zum Trotz , oft eine tiefe , unerträgliche Leere in meinem Herzen empfand ? - Ach ! dachte ich , und meine eigenen Gedanken stimmten mich zur Wehmuth , du kömmst mir entgegen , liebende Seele , mit allen deinen Blüthenträumen von Lebensglück , die vom schmeichelnden Hauch der Hoffnung verführt , zum erstenmal lieblich erwachen - und die Kälte , die oft wie ein schneller Nachtfrost aus meinem einst so tief gekränkten Herzen dringt , wird vielleicht die schönsten dieser Blüthen verderben ! Nach einiger Zeit , erhielt Agnes einen Besuch aus dem benachbarten Städtchen ; es war ein Mädchen , die sie ihre vertrauteste Freundin nannte . Sie schien von einem neuen Geist belebt , nie war sie mir so schön , so lebhaft , so anziehend erschienen . Das halblaute Geschwätz , die Neckereien , das frohe Gelächter der beiden Mädchen , nahm kein Ende , und kaum war das Mittagsmahl vorbei , so sprangen sie beide in den Wald . Wie süß , wie reizend dünkte mich der frohe Sinn dieser harmlosen Geschöpfe ! und wie freute ich mich , diese einzige , liebe Gabe des Himmels , auch bei dem geliebten , von der Natur so reich ausgestatteten , Mädchen zu finden ! Ich gieng von einer andern Seite gleichfalls in den Wald , und suchte mir ein romantisches Plätzchen zu meinem Ruheheert . Ich lag auf weichen Rasen , und ein dichter Busch , entzog mich allen Blicken . Der wohlbekannte , frische , geliebte Waldduft kam mir entgegen , und drang in mich mit allen den stillen , dunkeln Bildern von Einsamkeit , von ländlichem Leben und einfachem Glück , und mit der Gegenwart , schmolz die Vergangenheit in meinem Sinn wunderbar zusammen . - Ich fühlte auf Augenblicke ganz das süße , reine Leben , das nichts will , und alles in sich trägt . - Da hörte ich Stimmen , und erkannte bald Agnes und ihre Freundin . Es freute mich , etwas von ihrem schuldlosen , vertrauten Geschwätz zu erfahren . Sie sprachen sehr lebhaft , und blieben nicht weit von mir stehn . O ! ja , sagte Agnes , ich bin Wilhelm gewiß sehr gut , aber sage mir selbst , was habe ich denn für Aussichten mit ihm ? - wer weiß , ob er die Stelle bekömmt , und wenn auch - soll ich mich denn ewig auf dem Lande begraben ? Warum soll ich denn nicht auch das Leben genießen , wie die Mädchens und Weiber in großen Städten , wovon mir so viele erzählt haben ? - Nein ! ich muß Dir sagen , ich sehne mich recht von hier weg ; und ich glaube , was mir auch schon viele versichert haben , daß ich ganz für die Stadt geschaffen bin . Ach ! schweig nur , sagte die andere , Wilhelm gefällt dir nicht mehr , weil du den Fremden lieber hast . - Nein , antwortete Agnes lebhaft , ich kann dir versichern , daß ich Wilhelm weit mehr liebe , als ihn . Aber die Mutter hat erfahren , daß der Fremde sehr reich , und der Sohn eines vornehmen Mannes ist , und wenn er mir nun wirklich gut wäre ; so könnte ich ja durch ihn , ein sehr großes Glück machen - und Wilhelm , könnte ich deswegen doch immer noch sehen . Wie schneidend dies Gespräch mit meinen Gefühlen und mit dem einfachen Reiz der Waldgegend abstach , brauche ich Dir nicht zu beschreiben . - Mit meiner Liebe war es aus . Dieses Mädchen war Alles das , nur noch unausgebildet , was verdorbene Weiber in großen Städten vollendet sind . Die schaale Bewunderung , der Flittertand , die leeren , rauschenden Freuden , galten ihr für das Höchste , wofür sie alles hingeben möchte . Ihre Seufzer , die mir so süß , so