war der Vater in voller Thätigkeit . Wenn er müde war , sah er hinauf ans Fenster , wo Ginnistan stand , und ihm allerhand Näschereien herunterwarf . Die Mutter und der Sohn gingen hinaus , um überall zu helfen und den gefaßten Entschluß vorzubereiten . Der Schreiber rührte die Feder , und machte immer eine Fratze , wenn er genöthigt war , Ginnistan um etwas zu fragen , die ein sehr gutes Gedächtniß hatte , und alles behielt , was sich zutrug . Eros kam bald in schöner Rüstung , um die das bunte Tuch wie eine Schärpe gebunden war , zurück , und bat Sophie um Rath , wann und wie er seine Reise antreten solle . Der Schreiber war vorlaut , und wollte gleich mit einem ausführlichen Reiseplan dienen , aber seine Vorschläge wurden überhört . Du kannst sogleich reisen ; Ginnistan mag dich begleiten , sagte Sophie ; sie weiß mit den Wegen Bescheid , und ist überall gut bekannt . Sie wird die Gestalt deiner Mutter annehmen , um dich nicht in Versuchung zu führen . Findest du den König , so denke an mich ; dann komme ich um dir zu helfen . Ginnistan tauschte ihre Gestalt mit der Mutter , worüber der Vater sehr vergnügt zu seyn schien ; der Schreiber freute sich , daß die beiden fortgingen ; besonders da ihm Ginnistan ihr Taschenbuch zum Abschiede schenkte , worin die Chronik des Hauses umständlich aufgezeichnet war ; nur blieb ihm die kleine Fabel ein Dorn im Auge , und er hätte , um seiner Ruhe und Zufriedenheit willen , nichts mehr gewünscht , als daß auch sie unter der Zahl der Abreisenden seyn möchte . Sophie segnete die Niederknieenden ein , und gab ihnen ein Gefäß voll Wasser aus der Schaale mit ; die Mutter war sehr bekümmert . Die kleine Fabel wäre gern mitgegangen , und der Vater war zu sehr außer dem Hause beschäftigt , als daß er lebhaften Antheil hätte nehmen sollen . Es war Nacht , wie sie abreisten , und der Mond stand hoch am Himmel . Lieber Eros , sagte Ginnistan , wir müssen eilen , daß wir zu meinem Vater kommen , der mich lange nicht gesehn und so sehnsuchtsvoll mich überall auf der Erde gesucht hat . Siehst du wohl sein bleiches abgehärmtes Gesicht ? Dein Zeugniß wird mich ihm in der fremden Gestalt kenntlich machen . Die Liebe ging auf dunkler Bahn Vom Monde nur erblickt , Das Schattenreich war aufgethan Und seltsam aufgeschmückt . * Ein blauer Dunst umschwebte sie Mit einem goldnen Rand , Und eilig zog die Fantasie Sie über Strom und Land . * Es hob sich ihre volle Brust In wunderbarem Muth ; Ein Vorgefühl der künft ' gen Lust Besprach die wilde Glut . * Die Sehnsucht klagt ' und wußt ' es nicht , Daß Liebe näher kam , Und tiefer grub in ihr Gesicht Sich hoffnungsloser Gram . * Die kleine Schlange blieb getreu : Sie wies nach Norden hin , Und beyde folgten sorgenfrey Der schönen Führerin . * Die Liebe ging durch Wüsteneyn Und durch der Wolken Land , Trat in den Hof des Mondes ein Die Tochter an der Hand . Er saß auf seinem Silberthron , Allein mit seinem Harm ; Da hört ' er seines Kindes Ton , Und sank in ihren Arm . * Eros stand gerührt bey den zärtlichen Umarmungen . Endlich sammelte sich der alte erschütterte Mann , und bewillkommte seinen Gast . Er ergriff sein großes Horn und stieß mit voller Macht hinein . Ein gewaltiger Ruf dröhnte durch die uralte Burg . Die spitzen Thürme mit ihren glänzenden Knöpfen und die tiefen schwarzen Dächer schwankten . Die Burg stand still , denn sie war auf das Gebirge jenseits des Meers gekommen . Von allen Seiten strömten seine Diener herzu , deren seltsame Gestalten und Trachten Ginnistan unendlich ergötzten , und den tapfern Eros nicht erschreckten . Erstere grüßte ihre alten Bekannten , und alle erschienen vor ihr mit neuer Stärke und in der ganzen Herrlichkeit ihrer Naturen . Der ungestüme Geist der Flut folgte der sanften Ebbe . Die alten Orkane legten sich an die klopfende Brust der heißen leidenschaftlichen Erdbeben . Die zärtlichen Regenschauer sahen sich nach dem bunten Bogen um , der von der Sonne , die ihn mehr anzieht , entfernt , bleich da stand . Der rauhe Donner schalt über die Thorheiten der Blitze , hinter den unzähligen Wolken hervor , die mit tausend Reizen dastanden und die feurigen Jünglinge lockten . Die beyden lieblichen Schwestern , Morgen und Abend , freuten sich vorzüglich über die beyden Ankömmlinge . Sie weinten sanfte Thränen in ihren Umarmungen . Unbeschreiblich war der Anblick dieses wunderlichen Hofstaats . Der alte König konnte sich an seiner Tochter nicht satt sehen . Sie fühlte sich zehnfach glücklich in ihrer väterlichen Burg , und ward nicht müde die bekannten Wunder und Seltenheiten zu beschauen . Ihre Freude war ganz unbeschreiblich , als ihr der König den Schlüssel zur Schatzkammer und die Erlaubniß gab , ein Schauspiel für Eros darin zu veranstalten , das ihn so lange unterhalten könnte , bis das Zeichen des Aufbruchs gegeben würde . Die Schatzkammer war ein großer Garten , dessen Mannichfaltigkeit und Reichthum alle Beschreibung übertraf . Zwischen den ungeheuren Wetterbäumen lagen unzählige Luftschlösser von überraschender Bauart , eins immer köstlicher , als das Andere . Große Heerden von Schäfchen , mit silberweißer , goldner und rosenfarbner Wolle irrten umher , und die sonderbarsten Thiere belebten den Hayn . Merkwürdige Bilder standen hie und da , und die festlichen Aufzüge , die seltsamen Wagen , die überall zum Vorschein kamen , beschäftigten die Aufmerksamkeit unaufhörlich . Die Beete standen voll der buntesten Blumen . Die Gebäude waren gehäuft voll von Waffen aller Art , voll der schönsten Teppiche , Tapeten , Vorhänge , Trinkgeschirre und aller Arten von Geräthen und Werkzeugen , in unübersehlichen Reihen . Auf einer Anhöhe erblickten sie ein