; mögte sie mich dann verabscheuen , mich verstoßen : ich wollte es lieber , als diese Schonung . Auch kann es der König nicht bergen , wie klein er sich fühlt , in der Nähe dieser wahrhaft großen Frau . Denn groß ist sie ; mangelt ihr auch die unendliche Liebenswürdigkeit der Einzigen . Ach meiner Einzigen - Ich Überglücklicher ! ist es möglich daß ich sie besitze ? daß sie mein bleiben wird ? - Ich darf dem Gedanken nicht nachhängen ! Todesangst überfällt mich . - Nein ! nein ! er wird , er kann sie nicht finden ! Neun und vierzigster Brief Reinhold an Wilhelmine Diesen Brief , bestes Fräulein ! ich kann ihn wahrlich nicht abschicken . Wozu die Anspielung auf Antonelli ? - Glauben Sie , mein unglücklicher Freund leide ohnehin nicht genug ? - Er würde den Brief zurückbehalten , und wahrscheinlich thäte ich an seiner Stelle dasselbe . Wir können ja nicht bessern , warum sollen wir verschlimmern ? Wenn die Erbitterung des Generals aufs höchste steigt ; wird Ihre Freundin dann glücklicher ? - Ich bitte Sie das zu bedenken , und Juliens Ruhe nicht Ihrem Unwillen zu opfern . Gerecht , oder ungerecht ; darauf kommt es ja nicht mehr an . Noch einmal ! wir können nicht bessern , warum wollen wir verschlimmern ? - Nein , mag Fräulein Wilhelmine den langweiligen Prediger auch schelten - wahrlich sie ist ein wenig zu muthwillig . Die Heiligenbilder gebe ich ihr preis ; aber meine Freunde sollte sie schonen . Ich glaube sogar , es bedürfe dazu keiner andern Ursach , als daß sie meine Freunde sind . Sie versicherte mich einst ihrer Achtung - muß ich nun glauben , sie habe meiner gespottet . Funfzigster Brief Wilhelmine an Reinhold Sie schicken meinen Brief zurück ? - Gut ! ich werde mir schon helfen . - Sie klagen über Muthwillen ? Der Ernst gefällt Ihnen besser . O wie Sie wollen ! ich kann auch ernsthaft seyn . Und so sage ich Ihnen denn : daß ich Sie sehr ernsthaft schätze , daß ich aber die Gefangenschaft meiner Freundin - nennen sie es anders , wenn sie können - mit allem Unwillen , dessen ich fähig bin , verabscheue . Sind es Ihre Freunde , die mein Liebstes auf der Welt so schändlich mißhandeln ; da bedauere ich Sie um dieser Freunde willen . Aber billiger Weise könnte ich nun auch einmal fragen : warum es Ihnen denn gar nicht einfällt mich zu bedauern ? - Weil ich muthwillig bin ? Also haben Sie noch nicht gehört , daß oft der tiefste Schmerz sich hinter Muthwillen versteckt ? Doch mein Muthwille und meine Geduld ist zu Ende . Ich werde andre Maaßregeln ergreifen , und glaube Niemandem mehr Rechenschaft geben zu müssen . Ein und funfzigster Brief Olivier an Reinhold Er ist krank , oder will es scheinen , um mich aufs Äußerste zu bringen . Die Königin zwingt sich wieder daran zu glauben und erschöpft alles , was der sorgsamsten Liebe nur möglich ist . Ich aber kann mich des Gedankens nicht erwehren : es sind Tücke , er will nur meine Geduld ermüden , ich soll Julie wiederkommen lassen , und dann glaubt er , werden seine und seiner Hofschranzen Ränke das Übrige thun . Wie mich seine süßlichen Schmeicheleyen anekeln ! Welche Quaal ! das Geschmeiß den ganzen langen Tag so dulden zu müssen . Er hätte nichts Besseres ersinnen können , um mein bischen Ruhe ganz zu zerstören , um mich dem Wahnsinne so nahe als möglich zu bringen . Was macht sie die Einzige , unaussprechlich Geliebte ! Ein Blick aus ihrem Himmelauge würde das unbändige Klopfen dieses zerrissenen Herzens mildern . Kann ich sie denn nicht einmal , nicht ein einzigesmal sehen ! Ach ! da überfällt mich die Todesangst : sie mögte entdeckt werden . - Meinen Verstand erhalte mir , o Gott ! daß ich der Leidenschaft nicht erliege , daß ich dieses kostbare Kleinod , für das die Welt keinen Ersatz hat , daß ich es nicht preis gebe den tückischen Mördern , die nach meinem Herzen zielen . Nein , ich will entsagen , für eine kurze Zeit entsagen , und dann will ich kommen mit aller , aller meiner Liebe , die sie nicht kennt , die ich selbst noch nicht kannte . Um dieser unendlichen Leidenschaft willen muß sie mich lieben , kann sie nie einem Andern gehören . Zwey und funfzigster Brief Julie an Wilhelmine So bin ich denn schon von allem was ich liebte geschieden ! - Ubaldo redet nur durch Blicke , die ich nicht verstehen mag . Die Mädchen zittern und schweigen , mein Mann schweigt , Du , von der ich Verzeihung , Versicherung Deiner wiederkehrenden Liebe hoffte , Du schweigst auch . - So schweigt denn alles ! ist alles für mich todt . - Ach Gott ! so schauderhaft muß die Meeresstille seyn vor einem Sturme . Wird man mich diesem Menschen überlassen ? Ist er es allein , den ich fürchte ; oder was ist es sonst ? - Der süße Friede ist von mir gewichen . Eine leidenschaftliche Unruhe , eine Bangigkeit verfolgt mich . - O Gott ! was habe ich gethan ? was steht mir bevor ? Habe Dank , Unglücklicher ! du hast meinen Schmerz in Wehmuth aufgelöst . Ich kann weinen . Ach lange habe ich nichts seelenerschütterndes gehört . Da war ein Mensch an der Pforte und verlangte durch Zeichen , eingelassen zu werden . Ubaldo fuhr hart gegen ihn heraus . Aber nun stimmte er auf seiner Klarinette ein Adagio an , das alles , was auf dem Hofe war , herbeylockte und endlich den harten Oberaufseher überwältigte . Ich selbst stand unbeweglich am Fenster und horchte auf die schön verbundenen Töne . Die Gestalt des fremden Mannes zeugte von dem äußersten Elende . Er war mit Lumpen bedeckt , und hatte ein großes