sich dabei so linkisch , dass sie fast eben so schnell wieder abgebrochen , als angefangen wurden . Endlich , wie leicht zu erachten , ward man der undankbaren Mühe , ihm Vergnügen zu machen , überdrüssig ; und Herr Stark hätte noch ein wenig zerstreuter seyn müssen als er es war , um nicht zu merken , dass er seinem Freunde zur Last , und was noch mehr ihn kränkte , seinen Mitgästen lächerlich ward . Er packte also schnell wieder zusammen , und nahm schon am dritten Tage von seinem gütigen Wirthe Abschied , der zwar Ehrenhalber seine zu frühe Rückreise tadelte , aber im Grunde des Herzens froh war ihn wieder loszuwerden . - Herr Stark hatte nunmehr die völligste Überzeugung , dass er mit seiner Leidenschaft nur vergebens kämpfe , und dass er ohne den Besitz der Witwe unmöglich leben könne . Es waren drei Fälle , die bei der Bewerbung um sie Statt finden konnten ; und für jeden war sein Entschluss schon gefasst . Wenn der Vater seine Einwilligung abschlug , aber die Witwe sie gab ; so setzte er sich mit den Vormündern der Lykischen Kinder , und zog zu der Witwe in ' s Haus , um ihre Handlung , die er genugsam hatte kennen lernen , zu übernehmen und fortzuführen . Wenn der Vater , wie er zwar innig wünschte , aber zu hoffen sich nicht getraute , seiner Wahl aus vollem Herzen beistimmte - denn ein nur gezwungner oder gar erbettelter Beifall genügte ihm nicht - ; so schlug er die Lykische , ohnehin gesunkene , Handlung so vortheilhaft los als möglich , und führte die Geliebte seines Herzens in das väterliche Haus ein , wo er dann mit verdoppeltem Eifer sich seinen Geschäften widmen , nur ihnen und seiner Liebe leben , und den Vater überzeugen wollte , dass es ihm so wenig an Talenten als an Tugenden fehle . Wenn unglücklicher Weise die Witwe selbst - sie , für die er so viel gethan hatte , und die er so innig liebte - seinen Wünschen abhold war ; so blieb er keinen Augenblick länger in einer Stadt , wo er das Weib seines Herzens ohne Hoffnung des Besitzes vor Augen haben , oder wohl gar einen Dritten - er knirschte bei dieser Vorstellung - in ihren Armen glücklich sehen müsste . Er begab sich alsdann , wie er bisher gewollt hatte , nach Br ... , wo schon Alles zu seiner Aufnahme bereit war , und wohin er den Briefwechsel mit seinem Geschäftsträger eben in dieser Hinsicht noch fortsetzte . So weit stand der Entschluss des Herrn Stark , ohne zu wanken , fest : und schon dies beruhigte gewissermassen sein Herz ; aber noch erhielt ihn die Ungewißheit , welche von den aufgezählten Möglichkeiten zur Wirklichkeit kommen würde , in jenem finstern , schwermüthigen Staunen , worin ihn der alte Schlicht überrascht hatte . Um auch dieser Ungewissheit los zu werden , beschloss er jetzt , sobald der Vater zu Tische sässe , in das Haus des Schwagers zu eilen , der um das Geheimniss seines Herzens nun einmal wusste , und der ihm seines vollen , unbedingten Zutrauens werth schien . Mit ihm wollte er sich über die Art und Weise besprechen , wie er am besten die Gesinnung der Witwe , und dann auch die des Vaters , erforschen könnte . XXVIII . Alles gut ! Alles sicher ! sagte Monsieur Schlicht , indem er mit geriebenen Händen und frohem Angesichte wieder hereintrat . - Der Knecht hat seinen Ausputzer , und hat sein Trinkgeld weg ; der verwünschte , nachlässige Kerl ! Den Ausputzer , sagte Herr Stark , hättest du sparen können . Nein , nein ! Das Trinkgeld eher ; denn das hatte der Zufall verdient , aber den Ausputzer er selbst . - - Ach , was ich mich freue , mein lieber , lieber Herr Stark , dass Sie wieder zurück sind ! Ich war in gewaltiger Noth . Um mich ? - Mir fehlte nichts , lieber Vater . Aber mir desto mehr . - Denken Sie Sich nur um ' s Himmels willen ! was für einen Auftrag mir da der alte Herr giebt . Nun ? - Ich soll zu Ihnen heraufgehn - zu Ihnen , den ich nicht hier wusste ! Wie ward mir dabei ? - und soll Sie recht genau und recht umständlich befragen , wie es mit der Handlung der Madam Lyk steht , um derentwillen ich so oft habe wachen müssen . Was ? rief Herr Stark , und fuhr mit grosser Bewegung vom Stuhle . Jaja ! - Ob die Activa die Passiva wenigstens balanciren , und in wie kurzer oder wie langer Zeit sie etwa realisirt haben werde ? Schlicht ! - Er fasste den alten Handlungsdiener bei beiden Armen . - Mich , mich sollst du darum befragen ? Mich ? Wen denn sonst ? - Ihr Vater weiss alle Ihre Gänge zur Witwe . Sie selbst scheint ihm davon gesprochen zu haben . Sie selbst ? - Ich glaube bei Gott , Alter ! es ist nicht richtig mit dir ; du bist von Sinnen . - Wie kömmt mein Vater zur Witwe ? - Hören Sie , junger Herr ! sagte Monsieur Schlicht , und schüttelte ärgerlich mit dem Kopfe ; das von Sinnen seyn lassen Sie weg ! Das bitt ' ich mir aus . Ich habe Gottlob ! so alt ich bin , meine fünf Sinne so gut , wie ein Andrer . Aber noch einmal , Schlicht ! - Antworte , und sei dann böse so viel du willst ! Wie kömmt mein Vater zur Witwe ? Hab ' ich denn schon gesagt , dass Er zu ihr kam ? Sie kam zu ihm . Sie zu ihm ? - Gestern Vormittag . Hieher in ' s Haus . - Und kam hier schlimm genug wieder weg . Ha ! rief Herr Stark ,