ich von Dir denken sollte ! Mein Bruder Felix stand freilich eben so wie Du im Felde . Aber war ich denn nicht da ? Ich hatte in meiner unfreiwilligen Muße mir ein gut Theil Geschäftskenntniß erworben , und abgesehen davon , Bester , so wären , dünkt mich , Eure immerhin ein wenig delikaten Familien-Angelegenheiten in Deines Onkels , in eines Edelmanns Händen besser , als in denen dieses - dieses Tremann aufgehoben gewesen ! Es ging Renatus , wie es ihm mit dem Grafen stets gegangen war . Er hatte eine Abneigung , eine Scheu , ja , ein entschiedenes Mißtrauen gegen ihn und fühlte sich doch von ihm beherrscht . Sich dieser Herrschaft zu entziehen , oder doch mindestens sich von dem Vorwurfe eines unbesonnenen Handelns zu befreien , den der Graf ihm machte , überwand er sich so weit , demselben von seinem Abenteuer in der Schlacht von Möckern und von der heldenmüthigen Aufopferung zu sprechen , mit welcher Tremann für ihn eingetreten war und ihm das Leben gerettet hatte . Der Graf ließ ihn ruhig erzählen und berichten . Als er aber geendet hatte , schien der Graf ein spöttisches Lächeln länger nicht verbergen zu können . Wie der Vater , sagte er - genau wie dein Vater ! Verzeihe mir , daß ich lachen muß ! Ich glaube , es muß Eure Religion sein , die Euch so gläubig für Zeichen und für Wunder macht ! Es fehlt nur noch , daß Ihr , wie Schiller ' s Wallenstein , Euch einen Astrologen haltet und pathetisch Euer : » Und dieses Pferdes Schnelligkeit entriß mich Bannier ' s verfolgenden Dragonern ! « deklamirt ! Ich habe das Stück erst gestern mit angesehen - schade , daß Du nicht dabei warst ! Es hätte Dir eine Lehre von der Unfehlbarkeit der Zeichen und der Wunder geben können . - Er hielt inne und sagte dann ernsthaft und mit achselzuckender Geringschätzung : Du thust wahrhaftig , lieber Junge , als ob solch ein Dazwischenspringen im Gefechte etwas auf sich hätte ! Bedenke doch nur , daß dieser Tremann allen Grund hat , Dich und Dein Geschlecht zu hassen ! Glaubst Du , daß er nicht gern ein Herr von Arten-Richten wäre ? Glaubst Du , daß diese Flies , die ihn erzogen hat , sich seiner ohne ganz bestimmte Plane angenommen hätte ? Schon vor Jahren habe ich es Dir gesagt , sie hassen Dich und mich - und ich verdenke ihnen das nicht im geringsten ! Vielleicht machte ich es an ihrer Stelle eben so . Aber daran halte fest , der Wahlspruch aller dieser Leute , aller sammt und sonders , ist : » Stehe auf , damit ich mich setze ! « - und wenn man sie nicht niederwirft , sie nicht in ihre alten Schranken mit Entschiedenheit zurückdrängt , so werden wir diese sogenannten Freiheitskriege einst noch gründlich zu verwünschen haben ! Er war aufgestanden , hatte die Serviette von sich geworfen und ging während des Sprechens lebhaft in dem großen Zimmer auf und nieder . Renatus war sehr nachdenklich geworden . Alles , was er hier vernahm , bedrängte ihn , und mit der schweren Besorgniß , daß er einen großen Fehler begangen , dessen Folgen er zu tragen haben werde , verließ er endlich den Grafen , der ihn aufgefordert hatte , seinen Rath zu benutzen , wo und wie er es für nöthig finden würde . Sechszehntes Capitel In Paul ' s Arbeitszimmer brannten in der Frühe des folgenden Morgens noch die Lichter , denn es war nebelig draußen , und Paul war zeitig aufgestanden , um einige Entwürfe und Rechnungen durchzusehen , die ihm von Dritten zur Prüfung vorgelegt worden waren . Im Comptoir daneben war noch Alles still , auch von den Seinigen wachte noch Niemand . Das Fest hatte lange gedauert ; Seba bedurfte jetzt bisweilen doch schon der Ruhe , Davide aber , die es sich sonst nicht nehmen ließ , ihrem Gatten das Frühstück zu bereiten und eine ruhige halbe Stunde mit ihm zu haben , ehe die Geschäfte ihn beanspruchten , war durch den Knaben , den sie selbst nährte , mehr als gewöhnlich wach erhalten worden und hatte sich von ihrem Manne bereden lassen , sich dafür durch ein paar Stunden Schlaf am Morgen zu entschädigen . Als es acht Uhr schlug und Paul eben die Lichter auslöschte , weil die Sonne die Nebel zu durchdringen und durch die Aeste der prächtig bereiften Bäume freundlich in sein Zimmer zu scheinen begann , meldete der Diener ihm , daß die Dame , die schon gestern dagewesen und die er auf heute beschieden habe , wiedergekommen sei . Paul befahl , sie einzulassen , und sich mit übertriebener Demuth tief verneigend , trat eine große , noch rüstige Frau in Trauerkleidern in das Zimmer . Mit einer Handbewegung wies der Herr des Hauses ihr einen Stuhl in der Nähe seines Schreibtisches an und fragte dann nach ihrem Begehren . Ich komme , sagte sie , Ihnen für all das Gute zu danken , das Sie , lieber Herr Tremann , meinem geliebten seligen Manne bis an sein Lebensende erwiesen haben . Daß er so sanft seine alten Tage beschließen konnte , das dankte er ja Ihnen ganz allein und noch auf seinem Todtenbette hat er .... Lassen Sie das , ich bitte , lassen Sie das ! unterbrach sie Paul . Es hat mich gefreut , den alten Mann ohne Sorgen zu wissen . Hat das Geld zu seiner Beerdigung ausgereicht , das ich Ihnen gegeben habe ? Beinahe , beinahe ganz , entgegnete die Trauernde ; aber ich wollte nur sagen , noch auf seinem Todtenbette hat der gute Weißenbach den Tag und die Stunde gesegnet , in welcher der Herr Caplan Sie in unser Haus gebracht hat ; und er hat auch mich dafür gesegnet und mir es tausend Mal gedankt , daß ich ihn damals überredete , Sie aufzunehmen , denn