äußerlich in Witoborn allerlei Seelen und einige Landräthe im Sack haben . Jeder Jude , den ich sehe , und säng ' er noch so schön , wie der , der neulich hier mit dem Herrn von Terschka die Güter vermaß und eine gottlose Arie nach der andern pfiff , kommt mir wie eine unbegrabene Leiche vor . Der Kirchenconvent , das seid ihr ! Wer die Gemeinde als Spieler und Vagabund belästigt , nicht zum Abendmahl kommt , schlechte Bücher liest , den laßt getrost euere Entrüstung fühlen und wenn es zehnmal die meinige ist und es euere Schwäger oder Vettern sind , die es trifft ! Ich kenne das . Auf meiner ersten Pfarre - ja , da saß ich im Kirchenconvent . Was geschah ? Jede Strafe mußte ich dictirt haben ! Der Meyer dort war Soldat gewesen und ein wahrer Profoß an Zorn und Strafwuth . Für jedes Zuspätkommen bei der Messe hätte er einen Louisd ' or verlangen mögen , von denen zumal , wo er wußte , daß sie dergleichen Waare im Kasten haben . Begegnete er dann so einem um lumpige fünf Groschen Gestraften , so grüßte er ihn schon von weitem als Herzbruderkamerad und schüttelte ihm die Hand und sagte : Brüderlein fein , wie leid that mir ' s doch neulich wieder mit den fünf Groschen , aber - nun bohrte er einen Esel in die Luft und mit einer Kutte drüber und gleichsam als wenn - siehst du , der Pfaffe drüben , der hat ' s decretirt , hat nicht eher nachgelassen ! Ja , der Kerl haßte seinen Schwager so , daß er ihn über den Weg hätte vergiften können , und nun sollte ichs immer gewesen sein ? Nein , solche Niedertracht lass ' ich bei uns nicht aufkommen ... Ihr richtet ! Ihr straft ! Und dann muß ich euch auch noch in aller Aufrichtigkeit sagen : Die Beweise der Würdigkeit , die ihr habt , in meiner Gesellschaft zu sitzen , müßt ihr mir erst noch geben . Ich schätze euch als Männer von Rang und Ansehen , aber der Taback , den ihr manchmal raucht , ist nicht meine Sorte . Ich meine das in aller Güte und anders als hier in der Pfeife ( - er nahm diese jetzt wieder - ) aber es ist mir bereits schon vorgekommen - ich will nichts von euch sagen - daß Jockel , wenn er einmal wegen Schwächung citirt wurde - den Vorsitzenden Pfarrer anzulachen die Frechheit hatte und sagte : Wir sind allzumal Sünder und brauchen einen und denselben Doctor ! Nein , unsern Willen sollt ihr thun ; das versteht sich ; aber aus euerer eigenen Entschließung ! So machen wir ' s von jetzt an auch allüberall ! Auch im Großen , auch in Staatsangelegenheiten . Das nennt man Concordate . Ihr Leute ! Pastoralklug ist gut . Leider aber , wie die Welt nun einmal ist , muß man auch manchmal ein Bissel pastoralpfiffig sein ! Damit lachte Müllenhoff sich selbst so vergnügt Beifall , daß auch die Bauern um ihn her lachen mußten und der Meyer meinte : Na , wir kommen schon zusammen , Herr Pfarrer ! Geben Sie ein bischen nach und wir auch ein bischen - alles mit Bedacht und ohne uns und Ihnen etwas zu vergeben ! Neulich noch rieth uns Herr von Terschka selber dazu , daß wir uns ganz nach Ihnen richteten ! So ? sagte Müllenhoff , sich im Lachen mäßigend ... Ja , fuhr der Moorbauer fort , wir sollten für den Bund die Auszeichnung einer Medaille einführen , dann würden alle beitreten ! Da hatte er Recht ! meinte Müllenhoff und setzte hinzu : Nun , der ist ja wenigstens noch von uns ! Und dann sagte er auch , sollten wir mit dem Domherrn sprechen ! Der würde allem schon das rechte Schick geben ... Nun ist ' s genug ! sagte Müllenhoff kurzweg und that , als wollte er gehen . Das Lob des Domherrn mochte er nicht hören ... Die Männer öffneten die Thür . Erst wollte der Moorbauer hinaus , der am nächsten stand ... Wie er sich verbeugte , fiel er fast , sah dann hinter sich und entdeckte etwas , das auf der Flur draußen stand und beinahe von ihm umgeworfen wurde ... Auch Hennicke stolperte schon ... Was steht denn da ? fragte Müllenhoff aus seinem innersten Vergnügtsein heraus ... Die Männer traten in die Stube zurück und blickten auf einen Korb , der dicht an der Thürschwelle stand und verdeckt war ... Was soll denn das da ? sagte Müllenhoff und suchte nach seiner Bedienung . Der Korb sah seltsam aus . Niemand hatte recht den Muth ihn wegzuheben . Er war oben offen und hatte ein kleines Schirmdach , das mit rothem Zeuge verhängt war ... Man hätte glauben mögen , es war ein Korb , wie man ihn auf Wiegen befestigt ... Müllenhoff , blutroth schon , sah die verlegen lächelnden und zurückweichenden Männer an ... Kathrein ! rief er laut . Was steht denn hier im Wege ? Eine Magd , die das kanonische Alter hatte , eine jüngere , die nicht beim Pfarrer , sondern bei ihr diente , kamen herbei und verwunderten sich » des Todes « über den Korb ... Alle hatten die Ahnung , daß sich jemand ins Hans geschlichen und an der Thürschwelle des Pfarrers - ein Kind ausgesetzt hätte ... Zornentbrannt und doch voll tiefster Verlegenheit riß Müllenhoff die rothen Vorhänge des Korbes auf und richtig ! in Betten versteckt , lag mit weißem Häubchen ein Kind , wie sich jedoch die Kathrein sofort überzeugte , kein lebendes , sondern ein allerliebstes , niedliches Wachspüppchen ... Unter Gelächter zog sie es hervor ... Die Männer wagten nicht in das Gelächter mit einzustimmen , sondern hielten die Hand vor den Mund und entfernten sich rasch , um erst draußen , wie man zu sagen pflegt ,