, ach , wie ein Engel ... ! Wie die Damen fort waren , lachte sie und machte hinter ihnen eine lange Nase . Auf meiner Rechnung strich sie doch fünf Thaler als bezahlt aus ! Fünf Thaler ! Sie verkaufte beide Toiletten für dreißig Thaler . Und doch fünf Thaler für dich ? Das heißt zwei ein halb für dich und zwei und ein halb ... Wo denkst du hin ! Ich kann es Louise ! Mein Onkel der Förster ist hier , er hat mir einen Louisdor geschenkt . Das sind noch über fünf Thaler . Meine Rechnung bekäm ' ich von der Florentine doch nie bezahlt . Laß ! Laß ! Laß ! Um so mehr ! Sieh , da ist das schöne Goldstück ! Fränzchen zog ihr Nähkästchen auf , wo neben den beiden Gedichten ihr bescheidenes Geldbeutelchen lag . Louise wollte aber nichts nehmen ... Louise , begann Fränzchen , was war Das nur in jener Schreckensnacht ? Die Lichter erlöschten , der Tag schien in den Saal , mich hatte der Sergeant am Arm , du hieltest den Unglücklichen , der dich den ganzen Abend allein beschäftigte und den Alle einen Nachtwandler nannten ... der Vorfall mit der Auguste Ludmer , wie das geputzte Mädchen heißen soll , die Polizei , der Mann mit der schwarzen Binde ... ach , ich kann dir nicht sagen , wie mir Das noch heute Alles im Kopf wirbelt und summt ! Vorher der Lärm im Garten , das Geschrei , das Jammern , die drei schwarzen , berußten Menschen , die mit eisernen Stangen am Zaune lagen , der Große , mit den hohen Schultern , - einen solchen Buckligen hab ' ich mein Lebtag nicht gesehen ... wäre Der ausgewachsen , das hätte einen Riesen gegeben ... ein Glück , daß der liebe Gott auf Den die Hand legte und ihm sagte : Duck ' dich ! Nein , Louise , es ist mir über diese Nacht noch heute so wüst im Kopf , daß ich ordentlich den Verstand verliere , wenn ich zu lange daran denke . Liebes Kind , manchmal hab ' ich ihn schon verloren und rede wahnwitzig ... Louise ! Was sprichst du ? Mein Elend ist grenzenlos ; sagte Louise . Und nicht weinen dürfen ! Warum nicht weinen ? Die Stickereien könnten leiden , wenn sie feucht werden . Ha , ha , Fränzchen , Das ist eine schöne Welt ! Spotte nicht , Louise ! Glaubst du nicht an Gott und eine Bestimmung ? Louise blickte düster und grübelnd vor sich hin . Sie faltete ihre Hände mit den schwarzen Handschuhen und legte sie gedankenvoll in den Schooß . Die beiden Locken , die sie hinterm Ohr trug , glitten herab über die Brust , die sich mit schwerem Seufzer hob . Die edle Stirn , die feine Nase , die Lippen konnten für ein Marmorbild gelten . So steinern und starr war ihr Ausdruck . Dann wie von innerer Glut erhitzt , sprang sie auf , riß den mit schwarzem Bande besetzten Strohhut vom Kopfe , eine schwarze seidene Echarpe von den Schultern , warf Beides auf das Bett , gleichgültig , ob die Gegenstände so oder so fielen und stützte das bleiche Haupt mit dem Arm auf die Lehne des Stuhles , in den sie sich niederwarf . Louise ! sagte Fränzchen mit Vorwurf über diese Heftigkeit , legte ihre Arbeit auf den Tisch , glättete die Echarpe aus und legte sie sauber aufs Bett und daneben den Hut , den sie gerade bog und seine Bänder durch die Finger gleiten ließ ... Manchmal , begann Louise nach einer Weile , manchmal bringen mein Wilhelm und Karoline von den Zeitungen , die sie nicht haben verkaufen können , einige Blätter mit und ich lese darin , bis sie Morgens wieder in die Druckerei müssen abgeliefert werden . Gestern Abend , Alle schliefen , da schrieb ich mir doch eine Stelle auf , die in einem Winkel der großen neuen Zeitung : » Das Jahrhundert « stand . » Das verschlossene Jenseits « , hieß es da , » entriegelt der Tod Derer , die uns schon vorangingen . Strahlender öffnen sich die dunkeln Pforten der Zukunft , wenn uns die abgeschiedenen Geister unserer Lieben winken und heimlich und leise wie im Abendwinde rufen : Ach folge doch nach ! « Der Name des Mannes , der unter diesen Worten stand , wird mir ewig theuer bleiben , Guido Stromer ! Damit wiederholte sie noch einmal jene kurze Sentenz , in der wir einen der ersten schriftstellerischen Versuche unsres Guido Stromer kennen lernen . Die , die gestorben sind , Louise , schalt sie Franziska , rufen dir nicht : Folge nach ! Sie sagen dir : Bleibe ! Sorge für die Nachgelassenen ! Erziehe sie ! Sei ihnen Mutter ! Louise lächelte bitter . Ihr ganzes Wesen verrieth Schmerz und Verzweiflung . » Heimlich und leise « , sagte sie träumerisch , » wie im Abendwinde : Ach ! folge doch nach ! « Du denkst an deine Ältern , an den alten Großvater , der dir in der Nacht starb , wo du nicht an seinem Lager stehen konntest ... Warum ist man leidlich tugendhaft ? sagte Louise bitter und hörte nicht auf Fränzchens Einreden . Warum hat man ein Gewissen ? Wie ich dann erst das Kind glücklich und gesund neben meinem Bette schlafend fand , mocht ' ich auf die Kniee fallen , so dankt ' ich Gott ! Jeden Schläfer sah ich an und betete . Die Gardinen zog ich zurück , damit der erste Sonnenstrahl auf jedes ruhig schlummernde Antlitz fiel ! Da steh ' ich bei dem alten Mann . Er sieht so bleich , so starr , ich berühre ihn . Er ist todt ! Warum belog ich mich nicht und sagte : Fataler Zufall ! Ich las noch eine andere schöne Stelle von diesem herrlichen Guido Stromer . Er