; aber wir dürfen wohl annehmen , nicht aus Treue , sondern einfach deshalb , weil das Ausbleiben jeder neuen Versuchung ein neues Ausgleiten unmöglich machte . Die angebliche » politische Glanzzeit « Chorins war das natürliche Resultat gegebener Verhältnisse , nicht mehr und nicht weniger , und die Quitzowzeit wird dem Kloster zu einem ähnlich abwartenden politischen Verfahren Veranlassung gegeben haben . Doch sind die Aufzeichnungen darüber lückenhafter . Chorin hatte keinen Heinrich Stich ( s. S. 57 ) , entbehrte vielmehr eines Abtes , der sich gemüßigt gesehen hätte , die Verwickelungen einer verwickelungsreichen Epoche niederzuschreiben . Die letzten anderthalbhundert Jahre des Klosters unter der sich befestigenden Macht der Hohenzollern scheinen ohne jede Gefährdung hingegangen zu sein ; Schenkungsbrief reiht sich an Schenkungsbrief , bis endlich die Reformation dazwischen tritt und den Faden durchschneidet . Die Vorgänge , die die Säkularisation Chorins begleiteten , waren wohl dieselben wie bei Einziehung der brandenburgischen Klöster überhaupt . Chorin wurde freilich zunächst aus freier Hand verkauft , aber dies hatte keinen Bestand , und binnen kurzem wurde auch hier der Klosterhof ein Amtshof , eine Domäne . Er ist es noch . Kloster Chorin wie es ist Kloster Chorin wie es ist Von den alten Baulichkeiten , wenn dieselben auch Umwandlungen unterworfen wurden , ist noch vieles erhalten ; lange einstöckige Fronten , die den Mönchen als Wohnung und Arbeitsstätten dienen mochten , dazu Abthaus , Refektorium , Küche , Speisesaal , ein Teil des Kreuzganges , vor allem die Kirche . Diese , wenn schon eine Ruine , richtiger eine ausgeleerte Stätte , gibt doch ein volles Bild von dem , was diese reiche Klosteranlage einst war . Schon die Maße , die Dimensionen deuten darauf hin ; das Schiff ist vierundvierzig Fuß länger als die Berliner Nikolaikirche und bei verhältnismäßiger Breite um siebzehn Fuß höher . Im Mittelschiff stehen auf jeder Seite elf viereckige Pfeiler ( einige zur Linken sind neuerdings verschwunden ) ; der zwölfte Pfeiler , rechts wie links , steckt in der Mauer . Die Konsolen oder die Kapitälornamente sind verschieden gestaltet und stellen abwechselnd Akanthus- , Klee- und Eichenblätter dar . Das Blattwerk zeigt hier und da noch Spuren von grüner Farbe , während der Grund rot und gelb gemalt war . Freskoartige Malereien finden sich noch in letzten Überresten im Kreuzgang ; an einer stehengebliebenen Kappe zeigt sich Zweig- und Blattwerk , das ein Walnußgesträuch darzustellen scheint . Das hohe Gewölbe , welches von den Pfeilern des Mittelschiffes getragen wurde , ist seit einem Jahrhundert eingestürzt . Anstelle desselben wurde im Jahre 1772 ein Dachstuhl aufgerichtet , der seitdem das neue Dach trägt . Dies neue Dach ist niedriger , als das alte war , was sich an den Giebelwänden , besonders an dem Frontispiz im Westen noch deutlich markiert . Von den Seitenschiffen ist nur noch eins vorhanden , das nördliche ; über dem niedrigen Dach desselben ragen die elf Spitzbogenfenster des Hauptschiffes auf , deren obere Steinverzierungen noch beinahe unversehrt erhalten sind . Leider geht dieser baulich schönen Ruine , wie gesagt , das eigentlich Malerische ab . Ruinen , wenn sie nicht bloß , als nähme man ein Inventarium auf , nach Pfeiler- und Fensterzahl beschrieben werden sollen , müssen zugleich ein Landschafts- oder auch ein Genrebild sein . In einem oder im andern , am besten in der Zusammenwirkung beider wurzelt ihre Poesie . Chorin aber hat wenig oder nichts von dem allen ; es gibt sich fast ausschließlich als Architekturbild . Alles fehlt , selbst das eigentlich Ruinenhafte der Erscheinung , so daß , von gewisser Entfernung her gesehen , das Ganze nicht anders wirkt wie jede andere gotische Kirche , die sich auf irgendeinem Marktplatz irgendeiner mittelalterlichen Stadt erhebt . Nur fehlt leider der Marktplatz und die Stadt . Und treten wir nun in die öden und doch wiederum nicht malerisch zerfallenen Innenräume ein , so fehlt uns eines mehr als alles andere . Wer immer auch unser Führer sein mag , und wäre er der beste , wir vermissen die stille Führerschaft von Sage und Geschichte . Alles läßt uns im Stich , und wir schreiten auf dem harten Schuttboden hin , wie auf einer Tenne , über die der Wind fegte . Alles leer . Kloster Chorin ist keine jener lieblichen Ruinen , darin sich ' s träumt wie auf einem Frühlingskirchhof , wenn die Gräber in Blumen stehen ; es gestattet kein Verweilen in ihm und es wirkt am besten , wenn es wie ein Schattenbild flüchtig an uns vorüberzieht . Wer hier in der Dämmerstunde des Weges kommt und plötzlich zwischen den Pappeln hindurch diesen still einsamen Prachtbau halb märchenhaft , halb gespenstisch auftauchen sieht , dem ist das Beste zuteil geworden , das diese Trümmer , die kaum Trümmer sind , ihm bieten können . Die Poesie dieser Stätte ist dann wie ein Traum , wie ein romantisches Bild an ihm vorübergezogen , und die sang- und klanglose Öde des Innern hat nicht Zeit gehabt , den Zauber wieder zu zerstören , den die flüchtige Begegnung schuf . St. Nikolai zu Spandau St. Nikolai zu Spandau Wie Spukgestalten die Nebel sich drehn , ' s ist schaurig über das Moor zu gehn , Die Ranke häkelt am Strauche . Annette Droste-Hülshoff Ein klarer Dezembertag ; die Erde gefroren , die Dächer bereift . Aber schon mischt sich ein leises Grau in die heitere Himmelsbläue , es weht leise herüber von Westen her , und jenes Frösteln läuft über uns hin , das uns ankündigt : Schnee in der Luft . Schnee in der Luft ; vielleicht morgen schon , daß er in Flocken niederfällt ! So seien denn die Stunden genutzt , die noch einen freien Blick in die Landschaft gestatten . Das Spreetal hinunter , an dem Charlottenburger Schloß vorbei ( dessen vergoldete Kuppelfiguren nicht recht wissen , ob sie in dem spärlichen Tageslicht noch blitzen sollen oder nicht ) , über Brücken hin , zwischen Schwanenrudeln hindurch , geht der Zug