die Weiber uns auslachen und die jungen Bursche uns den Buckel voll Schläge androhen und wir nicht wissen , wie wir unsere Autorität aufrecht erhalten sollen , wollen Sie im Feld spazieren gehen oder in Ihren Büchern studiren ? Nein , mit Vergunst , Herr Pfarrer ! Wenn das Rügengericht sich halten soll - und ich habe nichts dagegen , wenn wir sorgen , daß nicht jeder Plunder an den Landrath oder die Gerichte kommt - so müssen Sie den Vorsitz führen , Herr Pfarrer ! Und Sonntags Nachmittags müssen Sie die Kirche dazu hergeben ! fielen alle ein ... Erst wollte Müllenhoff ironisch ausweichen . Aber auf das Wort » Kirche hergeben « rief er , als sollte man es hundert Schritt weit hören : Ich bin das ewige Gericht und sitze zur Rechten des Schöpfers Himmels und der Erden ! Nein , setzte er dann den auf den Tod Erschrockenen hinzu , gebt euch nur getrost diese Autorität selbst ! Die aber - das - das können wir nicht ! Wird kommen , wenn ihr selbst nicht mehr bis Elf im Finkenhof unter den Zöllnern sitzt ! Halten wir uns von den Leuten apart , Herr Pfarrer , so vermögen wir erst gar nichts ! sagte Hennicke ... Pro Deo ! rief Müllenhoff mit feierlich lauter Stimme . Nicht Per Deum ! So fängt jedes Concordat an und ich will euch das übersetzen ... Glaubt ihr , guten Leute , daß ihr dem allmächtigen Schöpfer nichts anderes schenken könnt , als was ihr von ihm ausdrücklich zum Geben empfangen habt ? Wollt ihr ihm denn gar nichts geben von dem Eurigen , von euerer eigenen Tugend , von euerer eigenen Moral , euerer eigenen Gerechtigkeit ? Könnt ihr nichts , nichts beisteuern zur Herstellung der Ordnung in der Welt ? Ihr lieben Leute , diese Opfer bringt getrost aus euch selbst ! Schenkt dem Gekreuzigten euere eigene Kraft , nicht immer die , die ihr erst seinen Stellvertretern auf Erden verdankt ! Ein Seelsorger soll sich nicht in die weltliche Auffassung euerer Händel mischen . Nur vorarbeiten sollt ihr seinem Wirken , sollt ihm in die Hand arbeiten , sollt - Wir sollen nur so vorm Schuß stehen , Sie hinter unserm Rücken ! rief der Finkenmüller , der wieder Oberhand gewinnen wollte und der Groschenbüchse am verschlossenen und doch von ihm neulich frischgedielten Tanzsaal nicht recht traute ... Wenn ich unsichtbar unter euch bin , antwortete Müllenhoff , schon siegestrunken , aber doch scheinbar gelassen und milde , so ist das für euch eine Schande , Männer ? Ich werde , wenn wir auf unserm Wege fortgehen und wir die Bündnisse erst haben , nicht verfehlen , das Rügengericht im Beichtstuhl zu unterstützen . Ich werde auch die schwierige Aufgabe , die wir die Visitation nennen , nicht von mir weisen . Ich werde nicht zurückbleiben hinter meinem Amtsbruder in Borkenhagen , der zu den gottverlorenen , unglückseligen Menschen , dem im Kirchenbann lebenden alten Hedemann und seiner Frau , sich nicht die Mühe verdrießen läßt wöchentlich einmal zu gehen , anzupochen , an ihren Herd sich zu stellen und sie zu bitten , an den heiligsten Ort der Welt zurückzukehren und von dem Tisch des wahren Brotes und von der Ruhe in geweihter Erde sich nicht mit Gewalt auszuschließen . Ihr wißt , wie grillig diese alten im Kirchenbann lebenden Leute sind , und wißt , warum ? Ja wohl , Herr Pfarrer ! Die Schuld traf - Den Pfarrer Langelütje - sagte der Finkenmüller ... Den Landrath ! betonte Müllenhoff mit berichtigender Schärfe . Sogleich fuhr er wieder sanfter fort : Es soll mir ein Stolz sein , wenn solche Verstocktheit mir die Thüre weist ! Ein Stolz , wenn ihr mir die Bücher aus der Hand reißt , die ich auf euerer Ofenbank finde und untersuche , ob sie zu lesen euch auch ziemlich ist ! Diese Visitationen werden mir gelingen , denn die Kinder sollen mich dabei beschützen ! Die Bilder der Heiligen werde ich euern Kleinen zeigen , denen die Thaten derselben erzählen und die Alten werden dann auch schon heranrücken und sich schämen nicht zuzuhören dem , was christlich ist , und ich werde der Freund auch eueres häuslichen Herdes werden . Das Rügengericht aber , das ist euere Sache ! Wenn Sie nur wenigstens , Herr Pfarrer , sagte der bedrängte Meyer , bei der Strafe , die der Kirchenconvent dictirt , mitstimmen wollten ! Auch das nicht , lieb ' Väterchen ! Ich bedanke mich , gutes Meyerchen ! Ihr sollt selbst am Kreuz des Erlösers tragen helfen ! Ei , wißt ihr denn nicht , was unser hochheiliges Rom mit seinen » Concordaten « sagen will ? ... Nicht , weil ich nicht die Kraft hätte - ach , unser hochheiligster Jesus , der hatte die Kraft , die Erde aus ihren Angeln zu reißen - Daß er aber dennoch auf Golgatha das Marterholz mit rinnendem Schweiß und tropfendem Blut getragen hat und daß er lieber zusammenbrach wie euersgleichen , das war blos um zu sehen , wer hinzutreten würde - um ihm zu helfen ! Gelegenheit wollte er blos andern geben , sich den Miteintritt ins Paradies zu erwerben . Und in dieser göttlichen Güte ahmen ihm jetzt seine geweihten Priester sowol beim Rügengericht wie beim Kirchenconvent und noch in vielen andern weltlichen Dingen nach . Ihr könnt alle Tage so heilig werden , wie Simon von Cyrene es wurde , der dem Heiland das Kreuz tragen half ! Weist , ich bitte , die Gelegenheit dazu nicht ab ! Kennt ihr den Fluch , der jenen Schuster traf , der das Ausruhen auf den Stationen des heiligen Kreuzwegs unterbrach und frech die beiden Kreuzträger anschnauzte , was sie hier vor seinem Laden halt machten und ihm die Kundschaft verjagten ? Bis zur heutigen Stunde haben die Juden infolge dieses Schusters auch noch keine Ruhe gefunden ; sie irren innerlich noch immer umher , wenn sie auch